Mehr Zeit für Frau und Kinder: Ausstieg als Trainer des FC Sulingen im Sommer

Rosenthal verlässt „zweite Familie“

Meist obenauf: In 120 Spielen als Trainer des FC Sulingen holte Stefan Rosenthal (hier in den Armen von Lars Mesloh) einen Punkteschnitt von 2,1. Auch abseits des Platzes hinterlässt der 40-Jährige „große Fußstapfen“, wie der stellvertretende FC-Vorsitzende Patrick Sarre lobt. Foto: J. Diekmann

Sulingen - Von Cord Krüger. Das mussten die Fußballer des FC Sulingen erst mal sacken lassen. Und Stefan Rosenthal musste sich vor einigen sogar rechtfertigen, warum er zeitliche Gründe für seinen Ausstieg nannte. Doch sein Entschluss stand nach der gut einstündigen Teambesprechung genau so fest wie vorher: „Im Sommer ist für mich Schluss“, bestätigte der Trainer des Bezirksligisten. Einerseits wirkt „Thaler“ genickt, „meine zweite Familie“, wie er den Tabellenzweiten nennt, zu verlassen. Andererseits hat er das Datum seines Ausstiegs zum Saisonende bewusst gewählt: „Ich glaube, es ist ein sehr guter Zeitpunkt.“ Denn der 40-Jährige ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, „dass es für einen Trainer schnell vorbei sein kann, wenn es sportlich mal nicht so gut läuft. Jetzt aber sind wir noch mittendrin und spielen sogar um den Titel mit.“

Doch Rosenthal spürt schon länger, dass er an seine Grenzen stößt, den Beruf, die Familie mit Ehefrau Sabrina und drei Söhnen sowie den Fußball unter einen Hut zu bringen. „Vor gut einem Jahr ist Stefan mit dieser Sorge schon mal an uns herangetreten“, erinnert sich der stellvertretende FC-Vorsitzende Patrick Sarre. „Damals habe ich alles versucht, ihn zu halten – und es hat ja auch geklappt“, erinnert er an die Verpflichtung von Frank Fischer als gleichberechtigten Trainerpartner. Der 54-Jährige sollte den bisherigen Chefcoach entlasten – und tat dies auch seit dessen Babypause im vorigen Winter, als die Rosenthals ihr drittes Kind bekamen. „Das Problem mit mir ist nur: Ich will mich gar nicht entlasten lassen“, gibt der langjährige FC-Spieler zu: „Ich tue mich schwer damit, Dinge zu delegieren.“ Entsprechendes bekam der Luftfrachtsicherheitsbeauftragte der Sulinger Firma „W & W“ Service, einem Unternehmen für Export- und Industrieverpackungen, schon mehrfach von seinem Arbeitgeber Thorsten Neumann zu hören.

Im Fußball sah das so aus, dass Rosenthal die komplette Wintervorbereitung auf dem Platz stand und ab Januar lieber selbst Gespräche mit potenziellen Neuzugängen führte. Irgendwann in dieser Zeit fragte seine Frau ihren Stefan ironisch, wo er denn nun genau etwas weniger tue. Als der Ball dann wieder rollte, blieb es beim alten Muster: „Vorher dachten wir, dass Frank und ich uns die Trainingsabende aufteilen könnten – einer dienstags, einer donnerstags“, erinnert sich der Rathloser. Doch daraus wurde nichts, „weil ich am Dienstag meinte, dabei sein zu müssen, um mit der Mannschaft das Spiel vom Wochenende aufzuarbeiten. Und am Donnerstag, um die Jungs auf den nächsten Gegner vorzubereiten.“ Die hatte er meistens selbst beobachtet, „weil ich merkte, dass ich von Trainerkollegen aus anderen Vereinen nicht alle Informationen bekam, die ich brauchte.“ Montags bringt er die Aufzeichnungen seiner „Kiebitz“-Einsätze ins Reine, ebenfalls zu Wochenbeginn ruft er gern mal in den Firmen seiner Azubis aus dem Team an. Dann will er wissen, ob sie denn pünktlich und ausgeruht zum Job erscheinen oder er für sie das Training anders dosieren soll.

Sarre ahnt, dass er so einen Übungsleiter kaum noch finden dürfte. „Für Hobbyfußball war das mehr als nur ein Nebenjob. Deswegen können wir vom neuen Mann nicht erwarten, dass er Stefans große Fußstapfen ausfüllt. Aber wir wollen, dass er seine Philosophie fortsetzt.“ Als nur ein Beispiel nennt er das Fairplay, in dem die Nordsulinger seit Jahren landesweit die vorderen Plätze einnehmen.

Mit dem Entschluss des C-Lizenz-Inhabers zum Ausstieg hatten Vorsitzender Lars Grunert und sein Stellvertreter Sarre gerechnet – und im Gegensatz zum Vorjahr geahnt, dass ihre Überredungsversuche diesmal ins Leere laufen würden. „Zwei Söhne in der Pubertät und ein ganz kleiner dazu – es gibt Wichtigeres als Amateursport“, weiß Sarre.

Die beiden älteren Jungs reagierten überrascht auf Papas Ankündigung, ab Sommer kürzerzutreten. „Irgendwie kennen sie mich ja nicht anderes“, weiß Rosenthal, der bis auf eine Saison beim SC Twistringen (2009/2010) seit der Jugend für den FC spielte. 2012 rutschte er als „Co“ von Erstherrencoach Dirk Meyer in den Trainerbereich, im Frühjahr 2016 übernahm er das Traineramt von Pedro Pinheiro und schaffte den Wiederaufstieg in die Bezirksliga. „Es waren vier tolle Jahre, ich bin zufrieden und ein bisschen stolz“, sagt der 40-Jährige.

Doch ganz weit nach hinten hängt er die rot-schwarzen FC-Trainingsklamotten nicht: „Ich habe Lars und Patrick klar gesagt, dass es für mich nach der Saison keinen anderen Verein geben wird. Sonst mache ich mich ja unglaubwürdig, wenn ich hier zeitliche Gründe ins Feld führe und dann irgendwo anders einsteige. Aber in Form eines Engagements ohne feste Zeiten würde ich gern beim FC weitermachen.“

Bei Sarre rennt er damit offene Türen ein: „Ich bin überzeugt, dass Stefan das Zeug zu einem Trainer im höherklassigen Bereich hätte. Aber wenn er zum Beispiel mal in unserer aufstrebenden Jugendabteilung im Training hilft, wäre das großartig.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Auto fährt in Nordhessen in Karnevalsumzug - 30 Verletzte

Auto fährt in Nordhessen in Karnevalsumzug - 30 Verletzte

Schock, Ratlosigkeit und Wut in Volkmarsen: Fahrer rast in Rosenmontagszug und verletzt 30 Menschen

Schock, Ratlosigkeit und Wut in Volkmarsen: Fahrer rast in Rosenmontagszug und verletzt 30 Menschen

Drama in Volkmarsen - Auto rast bei Rosenmontagsumzug in Menschenmenge

Drama in Volkmarsen - Auto rast bei Rosenmontagsumzug in Menschenmenge

„Spielt so wie wir saufen!“ - die Netzreaktionen zu #SVWBVB

„Spielt so wie wir saufen!“ - die Netzreaktionen zu #SVWBVB

Meistgelesene Artikel

Stuhr greift nach Pause wieder an

Stuhr greift nach Pause wieder an

Halbfinal-Aus für Anna-Lena Freese bei den „Deutschen“ nach Sportlerwahl-Sieg

Halbfinal-Aus für Anna-Lena Freese bei den „Deutschen“ nach Sportlerwahl-Sieg

Abfuhr für den Klassenprimus

Abfuhr für den Klassenprimus

Bitter: Saisonaus für Mangaonkar

Bitter: Saisonaus für Mangaonkar

Kommentare