27-Jähriger im Rückraum der HSG Hunte-Aue Löwen flexibel einsetzbar / „Am liebsten in der Mitte“

Romanov ist der neue Hoffnungsträger

Gemeinsame Zukunft: Heiner Thiemann (re.), Sportlicher Leiter und momentan auch Trainer der HSG Hunte-Aue Löwen, ist froh, dass er auf Michael Romanov setzen kann.
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Gemeinsame Zukunft: Heiner Thiemann (re.), Sportlicher Leiter und momentan auch Trainer der HSG Hunte-Aue Löwen, ist froh, dass er auf Michael Romanov setzen kann.
  • Gerd Töbelmann
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Barnstorf – „Am Ende mit ,w‘ oder mit ,v‘ – das ist mir egal. Ich kann mit beiden Schreibweisen leben“, sagt Michael Romanov. Der Typ ist locker drauf. Am Rande einer Athletik-Einheit des Handball-Oberligisten HSG Hunte-Aue Löwen (ehemals HSG Barnstorf/Diepholz) trafen wir uns mit dem 27-jährigen Neuzugang in der Barnstorfer Sundering-Halle.

Romanov, der in Vechta wohnt, kam einige Minuten zu spät. Die Kollegen meinten da nur trocken: „Dann macht er eben einige Übungen mehr . . .“ Romanov lacht und meint: „Ich bin ja noch nicht lange hier. Aber das sind gute Jungs, mit denen es Spaß macht.“

Aus beruflichen Gründen kam der 27-Jährige im Oktober 2019 nach Norddeutschland, fand in Vechta eine Wohnung und arbeitete unter anderem auch mal als Fitness-Trainer in Rehden. Fitness ist für Romanov extrem wichtig, denn es ist sein Beruf als Trainings-Wissenschaftler mit Uni-Abschluss. Da kommt es ab und an mal vor, dass Romanov den eigentlichen HSG-Athletiktrainer Andreas Geweiler bei einer Einheit unterstützt. Aber in erster Linie soll der Rückraumspieler, der in Deutschland geboren wurde, aber neben dem deutschen auch den russischen Pass besitzt, auf der „Platte“ für Furore sorgen.

Handball spielt der HSG-Neuzugang bereits seit Kindesbeinen, hat es sich offenbar von seinem Vater Juri abgeschaut. Relativ zügig nach der Wende siedelte die Familie vom sibirischen Krasnojarsk 1991 nach Deutschland um. Einige Jahre später kam Michael zur Welt. Einen Großteil seines Lebens verbrachte er im Bergischen Land im Großraum Gummersbach, wo Handball seit jeher einen großen Stellenwert besitzt. Nach einem Abstecher zum Schweizer Zweitligisten TV Endingen, mit dem er immerhin ins Schweizer Pokalfinale eingezogen war, ging es weiter zum TuS Volmetal in die 3. Liga. Romanov war dort einer der Leistungsträger und brachte es auf knapp 150 Tore.

Doch er verließ den Club und wollte eigentlich schon aufhören, weil er sich zweimal an der Hüfte operieren lassen musste. Doch es kam anders, er wechselte zum TuS Derschlag in die Oberliga Mittelrhein, wo zu dieser Zeit auch sein jetziger Teamkollege Jury Pishukhin spielte. Im Oktober 2019 folgte wegen des Jobs und des Studiums der Umzug ins niedersächsische Vechta. Romanov jedoch spielte die Saison in Derschlag zu Ende – nahm die Fahrerei (satte 300 Kilometer für eine Strecke) in Kauf.

Zu dieser Zeit sah er sich aber auch schon in seiner neuen Heimat nach einem Verein um. „Ich habe mal kurz beim TuS Lemförde reingeschnuppert. Aber das war nicht toll. Dann bin ich auf die HSG Barnstorf/Diepholz aufmerksam geworden, wo ich dann letztlich regelmäßig mittrainiert habe“, sagt Romanov.

Aber nach der Saison und der Verabschiedung in Derschlag, dessen Trainer Ralph Weinheimer den Shooter als schmerzhaften Verlust bezeichnet hatte, stand erst mal der Beruf im Vordergrund. Da er jedoch bei der damaligen HSG Barnstorf/Diepholz Eindruck im Training hinterlassen hatte, klopfte Heiner Thiemann, Trainer und auch Sportlicher Leiter bei der HSG Hunte-Aue Löwen, immer mal wieder an. „Und letztlich habe ich dann zugesagt, auch die Punktspiele zu machen“, so Romanov.

Und jetzt mischt er im Training mit und soll helfen, dass die neue HSG in der Oberliga (wann immer sie auch starten mag) möglichst schnell in ruhiges Fahrwasser gerät und nicht erneut um den Klassenerhalt bangen muss.

Thiemann jedenfalls ist überzeugt von den Qualitäten seines Neuzugangs: „Michael ist ein kompakter Spieler, der sehr torgefährlich ist. Er hat schon eine gewisse Verdrängung. Schön ist auch, dass wir ihn im Rückraum auf allen Positionen einsetzen können.“ Romanov nickt zufrieden, fügt aber hinzu: „In der Mitte spiele ich am liebsten. Auf den Halbpositionen muss man richtig hochsteigen, und das liegt mir eigentlich nicht so sehr – vielleicht auch wegen meiner Hüfte.“ Thiemanns Antwort: „Das sehen wir dann . . .“ Allen Zweiflern, die meinen, dass sich die Hüfte vielleicht wieder mal schmerzend melden könnte, nimmt Romanov den Wind aus den Segeln: „Wir sind im Training jetzt in der harten Athletik-Phase mit vier Einheiten pro Woche. Mehr Stresstest geht nicht – und der Hüfte geht es gut.“

Am Ende der Trainingseinheit erinnerten einige Kollege Romanov an sein Zuspätkommen. Der 27-Jährige lächelte kurz und machte fünf Minuten länger . . .

Von Gerd Töbelmann

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