Tür an Tür mit Roger

Vor 20 Jahren: Der Barrier Erik Trümpler trifft in der Schweiz auf den jungen Federer 

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Der junge Roger Federer (links) und der junge Erik Trümpler (rechts) spielten vor 20 Jahren im Doppel gegeneinander. An die Begegnung mit dem heutigen Weltstar aus der Schweiz erinnert sich der Barrier noch immer gerne.

Barrien - Von Malte Rehnert. Ende Oktober 1998, Davos, Schweiz. Ein Turnier-Sponsor hat ein paar Handys ausgelegt – heiß begehrt, diese topmodernen Geräte, mit denen man fast alles machen kann. Unterwegs telefonieren. Oder Nachrichten und Mails verschicken. Eigentlich eine perfekte Gelegenheit für Erik Trümpler.

Der junge Tennisspieler aus Barrien könnte vor dem Match schnell ein Selfie mit einem noch jüngeren Tennisspieler aus Basel machen. Einen Schnappschuss, den er später immer wieder gerne zeigen könnte. So hätte es laufen können – aber: So lief es nicht. Denn das erste Mobiltelefon mit integrierter Kamera kam erst 1999 raus. Es gibt von diesem Treffen keine Bilder auf Papier oder einem Chip, dafür aber noch sehr lebendige in Trümplers Gedächtnis. Auf der anderen Seite des Netzes stand vor ziemlich genau 20 Jahren kein Geringerer als – Roger Federer!

Der Schweizer ist für viele der beste Tennisspieler aller Zeiten, auch Trümpler outet sich als „absoluter Fan. Dass er mal so eine einzigartige Karriere hinlegen würde, konnte damals natürlich noch keiner wissen. Es war aber schon abzusehen, dass er mal richtig gut wird. Sein entspannter Spielstil, sein unglaublicher Schwung. Das alles hat sich ja nicht verändert. Und er hatte 1998 in Toulouse gerade das Viertelfinale eines ATP-Turniers erreicht.“

Danach ging es qualitativ erst mal wieder etwas weiter runter. Es war eine so genannte Satellite-Serie (die Kategorie unter ATP- und Challenger-Turnieren). Vier Veranstaltungen hintereinander. In diesem Fall alle in der Schweiz, um die Reisekosten für die Spieler möglichst gering zu halten. In Davos trafen sich Trümpler, 22 Jahre alt. Und Federer, zarte 17. Doppel, erste Runde. Der Barrier, der nach Abitur und Bundeswehrdienst etwa anderthalb Jahre auf der Tour unterwegs war, trat mit Jan Boruszewski aus Hannover an – gesetzt waren die Zwei an vier. Federer spielte mit seinem Landsmann und guten Freund Yves Allegro. Die ungesetzten Schweizer gewannen mit 6:2, 7:5 und später auch das Turnier. „Ich glaube, wir haben Roger im zweiten Satz zum 5:5 gebreakt – aber danach habe ich gleich meinen Aufschlag vergeigt“, erinnert sich Trümpler, der das Duell – wie alle anderen Termine – in einem Taschenkalender vermerkt hatte.

In Trümplers Terminkalender von 1998 steht es drin, das Doppel-Duell mit Roger Federer und Yves Allegro. 

Eine Woche darauf wäre er um ein Haar auch im Einzel auf Federer getroffen. Er hätte „nur“ den Italiener Daniele Ceraudo aus dem Weg räumen müssen, verlor jedoch mit 4:6, 6:7. Federer schaffte es immerhin bis ins Finale und nährte die Hoffnungen, dass er es einmal ganz weit bringen kann. „Die Erwartungshaltung an ihn war damals schon riesig. Er war der Hoffnungsträger schlechthin“, sagt Trümpler. Nicht nur für die Schweizer, sondern für den gesamten Tennis-Zirkus. Der Junge mit den braunen Haaren, um die Jahrtausendwende gerne auch mal zum Zopf gebunden, war höchst interessant für große Sponsoren (Nike, IBM) – er, der im Alter von 16 Jahren die Schule verließ und voll auf Tennis setzte, musste allerdings erst lernen, wie sich ein Profi zu verhalten hat. In seiner Jugend hatte Federer (den

„Das kann man seinen Enkeln erzählen“

man heute als Gentleman kennt) oft den Schläger geschmissen, war wild, unbeherrscht. Doch je mehr Fahrt die Karriere aufnahm, desto besonnener wurde er. In Davos wirkte er auf Trümpler jedenfalls „sehr konzentriert. Das muss in etwa die Zeit gewesen sein, in der er begann, sich zu verändern“.

Allerdings nur auf dem Platz, nicht abseits davon. „Das Lockere, Kindliche, etwas Alberne hat er sich bewahrt – so war er früher auch schon“, erinnert sich Trümpler und erzählt eine Federer-Anekdote aus Davos: „Wir hatten im Hotel das Zimmer nebenan. Sie haben, meine ich, Tierlaute nachgeahmt und hatten ordentlich Spaß.“

Was nach der Turnierserie in den Schweizer Alpen aus Federer wurde, ist bekannt. Der heute 37-Jährige gewann 20 Grand Slams (Rekord), gehört seit Jahren zu den absoluten Weltstars des Sports. Trümpler hat die Laufbahn seines einstigen Doppel-Gegners aufmerksam verfolgt und während seiner Zeit bei der „Hamburger Morgenpost“ beim Turnier am Rothenbaum auch journalistisch begleitet. Ein Mal pro Jahr besucht der 42-Jährige, der für den Bremerhavener TV von 1905 in der 2. Bundesliga gespielt hat und zwei Mal Norddeutscher Meister war, mit Kumpeln ein ATP-Turnier. Mal Wimbledon, mal French Open, mal Basel, oft Hamburg. Da erlebte er regelmäßig auch Federer, wenn auch nicht mehr so hautnah wie in Davos.

Trümpler, inzwischen dreifacher Familienvater (alle Kinder spielen Tennis), ist seit 2015 zurück in Barrien und wieder im dortigen BTC aktiv. Im Jahr 2000 hat er mal den Deutsch-Brasilianer Tomas Behrend besiegt: „In der Aufstiegsrunde zur Bundesliga mit Bremerhaven, vor 1 000 Zuschauern. Tomas war die Nummer 120 der Welt und die Nummer fünf in Deutschland.“ Zwei Jahre später bezwang er in Oberweier (Baden-Württemberg) den aufstrebenden Augsburger Philipp Kohlschreiber, zu diesem Zeitpunkt 18. in Deutschland. Das sind zwei Erfolge, auf die der Barrier zu Recht stolz ist. Als „absolutes Highlight“ (auch wenn er es damals noch nicht als solches empfand) bezeichnet er rückblickend allerdings sein Aufeinandertreffen mit Federer. „Ich glaube, in meinem Freundes- und Kollegenkreis gibt es niemanden, der diese Geschichte nicht kennt“, sagt Trümpler und lacht: „Die Leute rechnen eben nicht mit so etwas, da guckt man in erstaunte Gesichter.“ Auch wenn es nicht möglich ist, seine Schilderungen von der besonderen Begegnung mit Bildern anzufüttern: „Es ist auf jeden Fall etwas, dass man seinen Enkeln erzählen kann.“

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