Ricardo Tenti begräbt seinen Traum vom Profifußball und widmet sich nun ganz seinen Tieren

Der Pferdeflüsterer

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Hoch zu Ross mit Fußball-Schuhen im Steigbügel: Ricardo Tenti im Trainings-Dress des Landesligisten TSV Wetschen auf seiner achtjährigen Erfolgsstute Chica Morena, für die er jetzt wieder mehr Zeit hat.

Hemsloh - Von Arne Flügge. Noch heute streiten die Gelehrten, was nun zuerst da war: Das Ei? Die Henne? Bei Ricardo Tenti stellt sich eine ähnliche Frage: War’s der Fußball, oder doch das Schaukelpferd? „Ich weiß es gar nicht“, schmunzelt der 19-Jährige, „ich glaube, ich habe beides so ziemlich zeitgleich bekommen.“

Seit Tenti laufen kann, hat er zwei große Passionen: Fußball und Pferde. „Ich habe mir schon als Baby die Zehen an den Bällen kaputtgeschossen und die Hände an den Pferden wund gerieben“, berichtet der Hemsloher. Und in den vergangenen Jahren hat er sich in beiden Sportarten enorm weiterentwickelt. Tenti ist zu einem hochtalentierten und erfolgreichen Spring-reiter und Fußballer geworden. Gerade hat er Landesligist TSV Wetschen seine Zusage gegeben (wir berichteten).

Es ist schon „eine ungewöhnliche Konstellation, die beiden Sportarten zu betreiben“, meint Tenti. Und lange Zeit wusste er nicht so recht, in welche Richtung das Pendel nun ausschlagen wird. „Ich hatte den Traum, Profifußballer zu werden und auch den Traum Profispringreiter zu werden“, berichtet der Junge Mann von zwei Herzen, die in seiner Brust schlugen. „Doch irgendwann“, sagt er, „musste ich mich entscheiden.“

Landesliga-Fußball

als Ausgleichssport

Die Wahl fiel jetzt aufs Reiten. Als Tenti zuletzt beim VfL Osnabrück II in der Oberliga kickte, hatte er weniger Zeit für seine Pferde. „Und die Arbeit mit den Tieren hat mir gefehlt.“ Zudem sei die Anspannung daheim in diesem halben Jahr auch groß gewesen, weil sich Tenti weniger kümmern konnte. „Ohne meine Eltern wäre das alles nicht so gut weitergelaufen. Schließlich hat man ja auch eine große Verantwortung den Tieren gegenüber.“

Somit hat Tenti nun einen Schlussstrich unter den Traum von einer ganz großen Karriere als Fußballer gezogen. „Ich habe aus dem halben Jahr in Osnabrück gelernt, dass eine Fußball-Karriere im ganz großen Stil nichts für mich ist. Ich möchte jetzt meine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann abschließen und mich dann aufs Reiten konzentrieren.“ Profireiter zu werden – das ist nun Ricardos einziges großes Ziel. Den Fußball sieht er noch als Ausgleichssport an. Ganz ohne kann er eben auch nicht. Und mit seinem Engagement in Wetschen kann Tenti nun beide Passionen verbinden, den Schwerpunkt aber auf die Reiterei legen.

Der Sportler sitzt aber nicht nur im Sattel, um auf Turnieren erfolgreich zu sein. In der heimischen Pferdepension Kellenberg in Hemsloh bildet er im „Stall Tenti“, in dem noch Boxen frei sind, auch selbst junge Pferde aus. „Es ist einfach toll, mit den Tieren zu arbeiten. Wichtig ist, dass die Pferde Spaß haben und das Gelernte auch umsetzen. Es gibt doch nichts Schöneres, als im Parcours zu sehen, mit wie viel Freude und Energie die Tiere dann bei der Sache und auch erfolgreich sind.“ Und als Ausbilder sei man auch glücklich, bei Turnieren konkurrenzfähige Pferde vorstellen zu können.

Die Leidenschaft fürs Reiten bekam Ricardo Tenti von „meiner Mama in die Wiege gelegt“, wie er sagt. Nach dem Schaukelpferd erhielt er mit zwei Jahren sein erstes Hengstpony, seine erste Trophäe in seiner Pokalgalerie stammt von 1999 – da war Tenti noch nicht einmal vier Jahre alt.

Seitdem ist die Leidenschaft fürs Reiten Ricardos täglicher Begleiter. „Mich hält nichts davon ab, aufs Pferd zu steigen. Ich bin sogar schon einmal mit Gips geritten“, schmunzelt Tenti. Und mit seiner achtjährigen Stute Chica Morena ist dem jungen Reiter in den vergangenen Jahren auch der Durchbruch gelungen. Für M*- und M**-Springen hat sich Tenti qualifiziert, mit Hindernissen, die bis zu 1,40 Meter hoch sind. Die nächste und höchste Stufe ist dann das S-Springen mit bis zu vier Sternen und einer Höhe von bis zu 1,60 Meter. „Wenn du vor den Hindernissen stehst, gehen sie dir schon bis zur Brust.“ Angst hat er beim Springen nicht. „Du musst cool bleiben, im letzten Moment die richtige Spannung ins Pferd bekommen, um es dem Tier dann beim Sprung so leicht wie möglich zu machen“, berichtet Tenti. Und dieses Feingefühl will er immer weiter verbessern.

Generell ist Ricardo Tenti jemand, der sich stets weiterentwickeln will. „Ich habe den Ehrgeiz, immer besser zu werden, das Pferd und mich bis an die Leistungsgrenze zu bringen“, erzählt der 19-Jährige – und räumt ein: „In bin ein kleiner Perfektionist. Und das steht mir im Parcours oft noch im Weg.“

Oberstes Gebot sei aber, dass es den Tieren gut geht. Und daher bekommen Tentis Pferde auch jede Menge Streicheleinheiten, er spricht viel mit seinen Vierbeinern. Die Harmonie zwischen Ross und Reiter muss stimmen.

Während der Fußballer Ricardo Tenti Nationalspieler Andre Schürrle zum Vorbild hat („Ich sehe da zu mir einige Parallelen“), blickt der Reiter Tenti zu Christian Ahlmann auf. „Er reitet stilistisch super, arbeitet sehr gut mit den Pferden. Für mich der perfekte Reiter“, schwärmt Ricardo, „ich würde ihn gern mal kennenlernen.“

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