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Rehdens lange Partynacht

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Von: Cord Krüger, Daniel Wiechert

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Reichlich Strecke machte der silberne Pokal (hier in Kamer Krasniqis Händen). Aber die Rehdener Sieger ließen ihn nicht aus den Augen.
Reichlich Strecke machte der silberne Pokal (hier in Kamer Krasniqis Händen). Aber die Rehdener Sieger ließen ihn nicht aus den Augen. © Krüger

Erst machten sie ihren eigenen Pokalcoup gegen den SV Meppen perfekt, dann zitterten sie mit Eintracht Frankfurt mit: Der Rehden feierte ausgelassen seinen Einzug in den DFB-Pokal. „Jetzt sind wir einfach nur glücklich“, sagt Rehdens Leistungsträger Kamer Krasniqi.

Rehden – Nachdem Kristian Arambasic den Hörer abgenommen hat, muss er sich ein paar Mal räuspern, ehe die Stimme da ist. „Ich muss heute wohl noch ein bisschen Honig lutschen“, sagt der 44-Jährige und lacht. Der Vokaltrakt des Trainers des BSV Rehden war am Mittwochabend arg strapaziert worden: „Schließlich musst du gegen 700 Jungs aus Meppen erst mal anbrüllen.“ Es hat sich gelohnt. Mit einer taktisch wie kämpferisch perfekten Leistung schlug der Fußball-Regionalligst BSV Rehden den Drittligisten SV Meppen, krönte sich zum Niedersachsenpokalsieger und darf nun auf ein Mega-Los in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals 2022/2023 hoffen.

Gegen wen auch immer es dann geht: „Das wird für Euch das Spiel des Jahres!“, hatte der A-Lizenz-Inhaber zwölf Stunden zuvor seine Finalhelden zugerufen, „nicht das Ding hier eben – Euer Spiel des Jahres kommt erst noch!“, verdeutlichte er seinem johlenden Personal. Damit konterte er eine Aussage von Meppens Trainer Rico Schmitt, der vorab dieses Duell für Rehden als „Spiel der Spiele“ betitelt hatte. Klang ein wenig respektlos, war aber sicher nicht so gemeint vom 53-Jährigen.

Danke, Shamsu! Niklas Kiene (r.) und die Kollegen herzen Shamsu Mansaray (2.v.r.) für sein goldenes Tor.
Danke, Shamsu! Niklas Kiene (r.) und die Kollegen herzen Shamsu Mansaray (2.v.r.) für sein goldenes Tor. © Krüger

Gleichwohl gingen die Schwarz-Weißen das Endspiel ernsthafter und entschlossener an als die Emsländer, deren friedlich feiernde Fans noch den besten Eindruck aufseiten der Gäste hinterließen. Erst zur Siegerehrung stieg schwarzer Rauch im Gästeblock auf, mit dem sich ein Teil des Frusts entlud.

Und in den Sozialen Netzwerken „grillten“ die Anhänger ihren Drittligisten ziemlich durch: „Trotteltruppe“, „Versager“, „Flaschen“ und „Können alle gehen“ waren da noch die harmloseren Schlagworte.

Mindesteinnahme von etwa 140 000 Euro

Rehdens Leistung soll das nicht schmälern. BSV-Präsident Friedrich Schilling war jedenfalls ziemlich baff: „Das war ein sehr, sehr guter Auftritt. Unfassbar, dass wir solchen Fußball spielen können – nach dieser Hinrunde“, erinnerte er sich an die Zeit vor der Winterpause, dem Regionalligisten statt der Auf- die Abstiegsrunde eingebracht hatte.

Am Mittwochabend war das alles vergessen. Bis weit nach Mitternacht feierten Mannschaft, Trainerstab, Vorstand und Fans im VIP-Bereich der Waldsportstätten. Der große Pokal kreiste durch den Raum, der eine oder andere Spielerberater umkreiste die sportliche Leitung – fast traditionell in diesen Wochen so kurz vor dem Saisonende. Und nun, in der Gewissheit der Mindesteinnahme von etwa 140 000 Euro für den Start im DFB-Pokal, könnte der eine oder andere Agent Hoffnungen auf Mehreinnahmen hegen.

Gedanken an 2013 werden wach

Doch für dienstliche Gespräche war an diesem Abend nicht viel Platz. Stattdessen genoss das Team seinen Triumph – und bejubelte später noch Eintracht Frankfurts Europa-League-Sieg im Elfmeterschießen. Ein Krimi, der den Rehdenern dank Shamsu Mansarays spätem Treffer zum 1:0 (0:0)-Endstand erspart blieb. „Aber ich hätte einen Elfer geschossen – und ihn auch reingemacht“, versicherte Jan Roschlaub im Brustton der Überzeugung. Genau wusste das vorher niemand, denn Arambasic hatte die Liste nach dem Probeschießen im Abschlusstraining erstellt – und geheim gehalten. „Aber ,Roschi’ stand drauf“, verriet der 44-Jährige hinterher.

Auch Kamer Krasniqi hätte sich nicht vor der Verantwortung gedrückt, stellte der Kapitän klar. „Aber jetzt sind wir einfach nur glücklich, dass wir auch so gewonnen haben“, gestand der 26-Jährige: „Es war ein enges Spiel, in dem jeder Fehler hätte bestraft werden können. Aber wir hatten von Anfang an einen Plan – und der ist voll aufgegangen.“

Einen Wunschgegner für den DFB-Pokal hat der Zehner nicht, sein Präsident hingegen schon: „Natürlich Bayern“, sagte Schilling grinsend. Ob der BSV aber nach 2013 noch einmal solchen Dusel hat und im Lostopf den Rekordmeister erwischt?

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