Serie: Seltene Sportarten

Jugend-Kart-Gruppe des AMC Asendorf: Im Rausch der Geschwindigkeit

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Macht bei den „Bambinis“ niemandem etwas vor: die siebenjährige Kart-Nachwuchsfahrerin Janne Bloch vom AMC Asendorf.

Asendorf - „Wenn ich einmal groß bin, dann will ich unbedingt Rennfahrer werden“, erzählt Lucas Brummerloh freudestrahlend. Der Achtjährige ist Mitglied beim AMC Asendorf, gehört dort der „Bambini“-Gruppe des Vereins an und steigt regelmäßig furchtlos ins 5,5 PS starke und 80 km/h schnelle Gokart.

Seit 2005 betreiben die Asendorfer nun schon die „Bambini“-Gruppe. „Hintergrund ist der etwas mangelnde Nachwuchs in den vergangenen Jahren gewesen“, erklärt Thomas Oppermann, Pressewart des Vereins. Doch Kart gefahren wird beim AMC Asendorf schon seit 1993. Damals hob der Motorsportclub die Jugend-Kart-Gruppe für Kinder und Heranwachsende aus der Taufe.

Heute teilt sich die Kart-Abteilung in vier Bereiche auf. Neben den „Bambinis“ und der K 1-Gruppe (Sieben- bis Neunjährige) gibt es noch zwei Jugend-Gruppen – die Asendorfer und die Stuhrer Gruppe. „Das liegt daran, dass wir auch viele Mitglieder aus dem Stuhrer beziehungsweise dem Bremer Raum haben“, erklärt Oppermann: „Und da die Kinder und Eltern nicht jede Woche den weiten Weg nach Martfeld, wo die Asendorfer Gruppe trainiert, auf sich nehmen müssen, haben wir die Stuhrer Gruppe installiert.“

Doch alle vier Gruppen haben eines gemeinsam. Sie fahren nicht wie angenommen auf einem Rundkurs parrallel gegeneinander, sondern messen sich im sogenannten Kart-Slalom – eine Breitensportvariante des Kartsports. Der Kart-Slalom wird hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen von sechs bis 18 Jahren ausgeübt. Also genau die Zielgruppe des AMC Asendorf. In Viertaktmotoren jagen sie dann über den Parkplatz der Spedition Ellinghausen in Martfeld (Asendorfer Gruppe, „Bambinis“ und K 1) beziehungsweise an der Daimlerstraße 2 in Leeste (Stuhrer Gruppe) über den Asphalt. Dabei wird dann auf einem mit Pylonen abgesteckten Kurs gegen die Zeit gefahren. Es darf immer nur ein Fahrer auf die Strecke gehen. Ziel ist es, den vorher festgelegten Parcours schnellstmöglich und am besten ohne Fehler zu bewältigen.

Doch Geschwindigkeit ist nicht alles, was die Kinder und Jugendlichen beim AMC Asendorf lernen. „Beherrschung des Fahrzeuges, Übersicht und Reaktionsschnelligkeit stehen genauso auf dem Trainingsplan wie Verkehrssicherheit“, betont Betreuer und Trainer Heinrich Ehlers: „Wir wollen die Jugendlichen, die gerade dabei sind, ihren Führerschein zu machen, auch für den Straßenverkehr sicher machen und sensibilisieren.“

Wenn aber doch mal eine Pylone berührt wird und sie dabei umkippt oder nicht mehr an der vorgesehenen Markierung steht, „dann bekommt der Fahrer zwei Strafsekunden aufgebrummt“, weiß der Asendorfer Pressewart zu berichten: „Und falls der Pilot vom Kurs abkommt und zum Beispiel einen anderen Bogen fährt als vorgesehen, dann sind es schon zehn Strafsekunden.“

Damit das nicht passiert, wird vor jedem Training oder Rennen die Strecke im Vorfeld abgegangen. „Der eine hat den Kurs bereits nach einmal abgehen verinnerlicht, der andere erst nach zehn Malen. Das ist ganz unterschiedlich. Aber am Ende müssen alle dieselbe Strecke fahren“, berichtet Ehlers. Und jeder im selben Kart. „Somit wird die Chancengleichheit erhöht“, erklärt der Betreuer: „Alle haben dieselben Bedingungen.“

Anders als beim Fußball oder anderen Ballsportarten trainieren die Jungen zusammen mit den Mädchen. Und gerade die Mädels lieben die Geschwindigkeit, weiß Ehlers. Wie zum Beispiel Janne Bloch. Die Siebenjährige ist erst seit dem Sommer dabei, fährt aber schon wie ein alter Hase. „Ich liebe es, schnell zu fahren. Das Gasgeben macht am meisten Spaß“, erklärt die junge Motorsportlerin: „Aber ich glaube nicht, dass ich später mal Rennfahrerin werde.“ Dafür liebt das kleine, blonde Mädchen die Pferde doch zu sehr. „Statt Rennfahrerin möchte ich doch lieber Reitlehrerin werden“, gesteht sie.

Ganz anders sieht es dagegen bei Lucas Brummerloh aus. „Ich mochte schon immer Autos. Meine Vorbilder sind Michael Schumacher und Niki Lauda – das waren richtig gute Rennfahrer. Wenn ich groß bin, möchte ich genauso gut fahren können wie die beiden.“

Und wie es sich anfühlt, zu fahren wie die Großen, erleben die Nachwuchsfahrer des AMC Asendorf während der Saison beim sogenannten Weser-Ems-Pokal – eine Meisterschaft aus zehn Rennen. Vor den Läufen geht es zuallererst zur Papierabnahme. Dort hängt auch die Parcours-Skizze aus. Nach diesem Plan wird der Kurs erst mal zu Fuß besichtigt, um sich den Streckenverlauf einzuprägen, um schnellstmöglich auf der Ideallinie ohne Fehler ins Ziel zu kommen. Kurz vor dem Start begeben sich die Teilnehmer und Betreuer zum Vorstart-Bereich. Dort wird die Sitzposition eingestellt und geprüft, ob eventuell Pedalverlängerungen verbaut werden müssen. Wenn der Starter die Strecke frei gibt, geht’s erst zum Trainingslauf, der aber meist schon mit Topspeed gefahren wird. Nur so sind nämlich die kritischen und oft entscheidenden Passagen ausfindig zu machen. Wenn alle Teilnehmer der Klasse ihren Trainings- und ersten Wertungslauf absolviert haben, werden die Karts getauscht und alle starten noch einmal zum zweiten Wertungslauf. Dann steht das Ergebnis fest, und nach Ablauf der Einspruchsfrist findet die Siegerehrung statt.

„Wir fahren zum Teil bis nach Schüttdorf an die niederländische Grenze. Das sind schon weite Wege“, erklärt Ehlers: „Und so ein Renntag ist meist nach drei Minuten vorbei. Eine Minute fürs Einfahren, und jeweils eine weitere Minute für die beiden anschließenden Wertungsläufe.“ Es wird den Nachwuchsfahrern und ihren Eltern somit einiges abverlangt. „Als Kart-Sportler muss man auch leidensfähig sein“, betont Ehlers.

Doch der Aufwand kann sich lohnen. Denn über den Weser-Ems-Pokal qualifizieren sich die drei besten Fahrer jeder Klasse für den norddeutschen Endlauf und den Bundesendlauf, den Höhepunkt jeder Jugend-Kart-Slalom-Saison, bei der sich die besten Kartfahrer Deutschlands auf einem Slalom-Parcours messen. Und mit Florian Ahner stellten die Asendorfer 2011 sogar den deutschen Meister in der Klasse K 3 (Zwölf- bis 13-jährige).

Und wer weiß, wenn Lucas Brummerloh weiter so fleißig trainiert, dann könnte er in 30 Jahren in einem Atemzug mit seinen Idolen Michael Schumacher und Niki Lauda genannt werden. Zuzutrauen ist es dem ehrgeizigen Achtjährigen allemal.

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