Froh über das Training

Ruderer des RV Hoya durften auch im Lockdown aufs Wasser

Hoyas Felix Hoffner freut sich, dass er wieder eine Trainingsrunde drehen kann.
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Freut sich auf sein Training: Felix Hoffner vom RV Hoya. Im Hintergrund sind der Katamaran von Trainerin Andrea Fischer und das Hoyaer Schloss zu sehen.

Während der Lockdown viele Sportarten zur kompletten Untätigkeit gezwungen hat, waren die Ruderer des RV Hoya da schon besser dran, denn in abgespeckter Form durften sie die vergangenen Monate durchtrainieren.

  • Spartenleiterin Karin Jülke: „Einschränkungen sind annehmbar.“
  • Altersdurchschnitt der aktiven Ruderer ist recht hoch.
  • Training, gerade bei Anfängern, ist sehr wichtig.

Hoya - Felix Hoffner schultert seinen Einer. Die Sonne hat schon mächtig Kraft nach Wochen des Frostes. Am schwimmenden Ponton angekommen, lässt er sein Ruder-Sportgerät vorsichtig zu Wasser. Dann kommt die Sache mit dem Einsteigen. Wer als Hobby-Kanute schon mal Touren auf Wümme, Hunte oder Lesum gemacht hat, der weiß, dass das Ins-Boot-Kommen recht tricky sein kann.

Nicht für Hoffner. Er hält die Balance, richtet sich in seinem Sitz ein und freut sich: „Das ist doch eine tolle Sache, auch während Corona jetzt aufs Wasser zu können, um eine Trainingseinheit zu absolvieren. Und dann dieses Traumwetter.“ Im Hintergrund wartet Trainerin Andrea Fischer in ihrem Motor-Katamaran schon, um Hoffner bei der Einheit mit dem Megafon Anweisungen zuzurufen.

„Insgesamt sind wir schon privilegiert, dass wir im bestimmten Rahmen unseren Sport momentan ausüben dürfen und zumindest trainieren können“, meint Karin Jülke, die seit sechs Jahren die Vorsitzende des Rudervereins (RV) Hoya ist. Im Frühjahr 2020, beim ersten Lockdown, war auch der Betrieb rund um das Bootshaus des RV untersagt. Im Sommer ging es dann wieder los. Beim zweiten Lockdown ab November 2020 waren die Ruderer nicht betroffen. Oder nur kaum. Rudern in Großbooten (Achter oder Vierer) läuft langsam wieder an. Lange Zeit waren nur Einer und Zweier erlaubt. „Diese Einschränkungen, darunter zählt auch die Maskenpflicht auf dem Gelände, sind annehmbar in der momentanen Lage“, sagt Jülke. Ihr war es sogar etwas peinlich, dass die Ruderer ihrem Sport trotz des Lockdowns nachgehen durften, die Ballsportler aber außen vor waren und erst langsam wieder Fahrt aufnehmen. „Bei uns wurde überwiegend im Einer gerudert, um erst gar keinen Neid aufkommen zu lassen“, erklärte die 62-jährige RV-Chefin. Jülke sagt aber auch, dass noch nicht alle wieder ins Boot gestiegen seien: „Die warten die weitere Entwicklung in der Corona-Krise erst einmal ab.“

Sie haben trotz Corona Spaß an ihrem Sport (von links): Dagmar Riedemann, Christa Lüschen und Karin Jülke, die Vorsitzende des RV Hoya.

Etwa 100 Mitglieder zählt der Verein – davon rudern 30 aktiv. Das Durchschnittsalter liegt bei circa 50 Jahren. Hoffner zählt da zu den Jüngsten der aktiven Abteilung. „Nicht schlimm. Die älteren Vereinsmitglieder sind sehr nett zu mir. Das passt“, sagt Hoffner, schmunzelt ein wenig und stößt sich dann vom Ponton ab. Hoffner bringt es pro Jahr auf etwa 1 000 Trainingskilometer auf der Weser – andere nur auf 20 oder 30.

Seit sechs Jahren verfügen die Hoyaer in Andrea Fischer auch über eine ausgebildete Trainerin, die zuvor ihr Wissen beim Verdener Ruderverein weitergab. Fischer kümmert sich in erster Linie um die Masters-Gruppe. Als Master-Ruderer muss man mindestens 27 Jahre alt sein. Die Masters-Ruderer sind noch in viele Unterklassen unterteilt. Wäre ja auch ungerecht, wenn Endzwanziger bei Wettkämpfen auf Endsechsziger treffen würden. Fischer wird ab und an von ihrer Tochter Hanna, die in Hannover arbeitet und studiert, unterstützt. Die 24-Jährige kümmert sich dann jedoch um die jüngeren RV-Ruderer.

Der beste Hoyaer überhaupt: Gerd Naujoks holt sich 1983 in Duisburg WM-Bronze im Leichtgewichts-Einer

Die Regatten des RV Hoya am Weserufer waren vor einigen Jahren in ganz Deutschland und sogar dem Ausland beliebt. Mittlerweile gibt es sie nicht mehr. Aber zumindest ist es angedacht, vielleicht mal wieder kleinere Wettkämpfe vor dem Schloss zu organisieren.

Die Sportler des RVH machen momentan vornehmlich in höheren Altersklassen von sich reden. Das war schon einmal ganz anders. In den 80er-Jahren waren die Hoyaer stolz, einen echten deutschen Spitzenathleten in ihren Reihen zu haben: Gerd Naujoks.

Der am 31.12. 2013 im Alter von nur 54 Jahren viel zu früh verstorbene Ruderer feierte auch international wertvolle Erfolge. Bei den Weltmeisterschaften 1983 auf der Wedau in Duisburg holte sich Naujoks die Bronzemedaille im Leichtgewichts-Einer. Der Medaillengewinner hatte allerdings das große Pech, dass Leichtgewichts-Rudern zu dieser Zeit noch keine olympische Disziplin war. Erst 1996 in Atlanta durften auch die „Leichtgewichte“ um Gold, Silber und Bronze kämpfen. Für Naujoks war das zu spät.

Nach Platz drei in Duisburg widmete sich der Hoyaer dem Studium, seiner Familie und dem Beruf. Doch das Rudern ließ ihn nie so richtig los. Zehn Jahre nach seinem Erfolg bei den Weltmeisterschaften feierte er an gleicher Stelle ein gelungenes Comeback und erkämpfte sich bei den Deutschen Meisterschaften noch einmal eine Bronzedemaille. Neben dem Rudern verschrieb er sich auch dem Langstreckenlauf und dem Radfahren.

Training ist gerade bei Anfängern auch dringend nötig. So einfach der Sport bei Könnern aussieht – so gefährlich kann er auf von der Schiffahrt befahrenen Wasserstraßen doch sein. Jülke hat da schon so ihre Erfahrungen gemacht. „Man kann sagen, dass ich das Unheil ab und an anziehe. Wir rudern eigentlich immer recht dicht am Ufer, um den Binnenschiffen aus dem Weg zu gehen. Dreimal bin ich dabei schon mit Anfängern kollidiert – ein Boot ist dabei gekentert. Zudem habe ich auch schon einmal eine Markierungstonne in der Flussmitte gerammt. Man sieht nicht immer, wohin man rudert, weil man ja mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzt.“

Regatten im Frühjahr werden wohl ausfallen

Wie schon erwähnt, geben bei den aktiven RV-Ruderern die älteren Semester den Ton an. Und dies in der Vergangenheit durchaus sehr erfolgreich. Einer der Veteranen ist Werner von Behr, der 66 Jahre alt und schon seit mehr als 50 Jahren im Verein ist. Von Behr ist eigentlich im Doppel-Vierer und Doppel-Zweier unterwegs. Mit stattlichem Erfolg, denn im vergangenen Jahr gewann er im Hoyaer Vierer der Altersklasse 60 bis 65 einen Lauf bei den World Games. Von Behr hat vor (diesmal vielleicht eine Altersklasse höher) seinen Sieg mit den Kollegen im September in Linz (Österreich) zu wiederholen. Auch die EM im Juli in Bled (Slowenien) hat er sich schon dick im Kalender angestrichen. Eigentlich wären jetzt im Frühjahr schon die ersten Regatten in Bremen, Berlin oder Minden angesagt, „aber wegen der momentanen Corona-Lage habe ich Zweifel, ob da etwas stattfindet“, sagt der 66-Jährige.

Und dann macht er es sich, ganz nach dem Songtext von Udo Jürgens (mit 66 Jahren, da fängt das Leben an . . .), in seinem Einer bequem, stößt sich ab und genießt trotz Gegenströmung seine Ausfahrt auf der Weser der Sonne entgegen.

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