Serie „Ungewöhnliche Sportarten“

„Den Sport kennt fast niemand“

Gleichgewicht ist beim Radpolo alles. So auch beim Team des TSV Barrien, hier mit Jennifer Baden (v.l.), Celina Wandzik, Marit Krämer und Dorothea Remmel. Foto: J. Diekmann

Als am 11. Juni 1904 17 junge Männer in der damaligen Gaststätte Kayhausen den Radclub „Sport“ in Barrien gegründet hatten, ahnten sie noch nicht, wie erfolgreich einmal die spätere Radsport-Sparte des TSV Barrien (Fusion 1958) werden würde.

Immerhin liest sich die Erfolgsbilanz geradezu sensationell: Abgesehen von zahlreichen Kreis- und Bezirksmeisterschaften, erreichten Barrier Radsportler neben 52 Landesmeisterschaften, fünf norddeutsche Meisterschaften, den Gewinn des Deutschlandspokals sowie drei deutsche Meisterschaften.

Gut, die goldenen Zeiten liegen schon etwas zurück, doch die Sparte ist bis heute nicht „totzukriegen“. Bestes Beispiel dafür ist die Radpolo-Abteilung. Während sie ab 1998 nicht mehr wettkampfmäßig betrieben wurde, läuft sie seit Kurzem wieder an. „Zum Glück hat sich unsere Trainerin Hannelore Bollhorst bereit erklärt, wieder als Trainerin zu fungieren“, freut sich Spartenleiter Klaus Nienaber: „Ohne sie würde es neben der Kunstradfahrer- wohl auch die Radpolo-Abteilung nicht mehr geben.“ Umso schöner findet Klaus Nienaber daher, dass wieder junge Menschen Radpolo betreiben wollen. Wie zum Bespiel Marit Krämer: „Meine Klassenkameradin Dorothea hat mich in der Schule auf den Sport aufmerksam gemacht und mich einfach mal mit zum Training genommen. Ich kannte Radpolo vorher gar nicht. Doch es hat mir so gut gefallen, dass ich dabeigeblieben bin.“ Zusammen mit Jennifer Baden, Celina Wandzik und Dorothea Remmel gehört sie nun dem neuen Radpolo-Team der Barrier an. „Es macht einfach Spaß, einen Sport zu betreiben, den fast niemand kennt“, ergänzt Teamkollegin Wandzik. Und Remmel meint: „Ich bin die einzige in der Mannschaft, die bereits Radpolo-Erfahrung hat. Ich habe den Sport schon in Darmstadt betrieben. Als meine Eltern mit mir nach Brinkum gezogen sind, wollte ich ihn unbedingt weiter fortführen. So habe ich mich dann auf Vereinssuche begeben und bin beim TSV Barrien fündig geworden.“ Sie landete somit bei einem der erfolgreichsten Clubs für Radpolo in der Region.

Die spektakulärsten Titel – darunter die drei deutschen Meisterschaften – feierten sowieso die Radpolo-Spielerinnen. Während das Duo Anke Heithoff/Heidi Friedrich 1975 den Titel in der weiblichen Jugend gewonnen hatte, siegten 1977 bei den Frauen Rita Oeltjendiers/Hannelore Plenge. Zwei Jahre später wiederholte das Ausnahme-Duo sogar den Erfolg.

Gleichgewicht ist beim Radpolo alles. So auch beim Team des TSV Barrien, hier mit Jennifer Baden (v.l.), Celina Wandzik, Marit Krämer und Dorothea Remmel. Foto: J. Diekmann

Die zahlenmäßig meisten Erfolge feierten dagegen die Kunstradfahrer. „Es war schon eine Sensation, als Harald Ertelt 1958 von den Landesmeisterschaften in Bremen mit dem Vizetitel zurückkehrte“, blickt Klaus Nienaber zurück. Plötzlich war Kunstradfahren in Barrien „en vouge“. Und nur ein Jahr später errangen Roswitha Löchel und Brigitte Söhnel im Zweier-Kunstradfahren die Jugend-Landesmeisterschaft, während Helma Lührs im Einer-Kunstradfahren die Vizemeisterschaft der Jugendlichen gewann. Bei den deutschen Meisterschaften in Wiesbaden erreichten die beiden Zweier-Kunstradfahrerinnen sogar den dritten Platz. Und in diesem Stil ging es weiter. Bei den deutschen Meisterschaften in Bonn (1960), Hof (1961), Frankfurt (1962), Passau (1963), Wiesbaden (1964), Hannover (1965), Wuppertal (1966), Böblingen (1967), Andernach (1968), Saarbrücken (1969) und Wickrath (1970) waren Barrier Kunstradler stets unter den Besten zehn platziert.

„Umso bedauerlicher, dass das Kunstradfahren heute nicht mehr nachgefragt wird. Leider haben die Jugendliche mittlerweile andere Prioritäten. Kunstradfahren interessiert sie nicht mehr so wie früher. Heute sind Computer und Co. für die Jugend viel interessanter. Zudem sind viele Kinder auch nicht mehr bereit, sich für einen Sport zu opfern und am Ball bleiben“, glaubt Klaus Nienaber, warum das Kunstradfahren in Barrien mittlerweile als „ausgestorben“ gilt.

Eine ähnliche Situation drohte allerdings auch den Radballern. Nur den hartnäckigen Bemühungen von Klaus und seinem Bruder Manfred Nienaber sowie Stefan Wieczorek ist es jedoch zu verdanken, dass diese Sportart beim TSV Barrien gegenwärtig einen Zulauf verzeichnet. „Wir halten eben wie Pech und Schwefel zusammen“, betont Klaus Nienaber, der 1966 zum Radball gekommen ist und 1969 den Niedersachsentitel sowie die norddeutsche Meisterschaft für sich entschied.

Und Radpolo-Leiterin Hannelore Bollhorst ergänzt: „Ich freue mich einfach, dass es wieder Interesse an den verschiedenen Radsportarten im TSV Barrien gibt. Immerhin stecken alle Übungsleiter sehr viel Herzblut hinein. Eines steht fest: Für mich bleibt Radpolo eine der schönsten Sportarten, die ich mir nur vorstellen kann.“

TSV Barrien sucht Nachwuchs

Wer immer schon mal die Sportarten Radpolo und Radball ausprobieren wollte, ist beim TSV Barrien gern gesehen. Während sich die Radpolo-Abteilung donnerstags von 19.00 bis 20.00 Uhr trifft, gehen die Radballer am selben Tag von 20.00 bis 22.00 Uhr an den Start. Ansprechpartnerin für das Radpolo ist Hannelore Bollhorst unter der Telefonnummer 0 42 42 / 785 85 13 oder per E-Mail hannelore.bollhorst@web.de. Für die Radballer ist Klaus Nienaber zuständig, der unter der Telefonnummer 0 42 42 / 80 9 89 oder klausnienaber@gmx.de als Ansprechpartner fungiert. Zudem findest am 9. Juni das Volksradfahren sowie das Radtourenfahren (RTF) statt. jdi

Entstehungsgeschichte des Radballspiels

Am Ende des 19. Jahrhunderts soll dem damals bekannten US-amerikanische Kunstradfahrer Nick Kaufmann ein kleiner Hund vors Rad gelaufen sein. Um sich den Sturz und dem Tier eine Verletzung zu ersparen, beförderte er ihn sanft mit dem Vorderrad zur Seite. Daraus entstand die Idee des Radballs. Diese Art und Weise einen Gegenstand zu befördern zeigte Kaufmann am 14. September 1883 gemeinsam mit John Featherly, einem anderen Kunstradfahrer, der Öffentlichkeit in Rochester/USA. Anstatt eines Hundes nahmen sie einen Polo-Ball. Gespielt wurde dabei auf einer Art Hochrad, dem sogenannten American-Star-Bicycle. In Amerika wurde die Sportart unter den Kunstradfahrern schnell populär und sie kam auch bald nach Europa. Dort waren offiziell die beiden Berliner Kunstradfahrer Paul und Otto Lüders die ersten beiden Radballspieler, die Radball am 10. März 1901 der deutschen Öffentlichkeit vorstellten. Quelle: Wikipedia

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