Ehemalige Fußballer schwingen jetzt Golfschläger

Putten statt grätschen

Sportartwechsel: Wegen eines „Totalschadens im linken Knie“ spielt Jens Beuke kein Fußball mehr – dafür Golf.
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Sportartwechsel: Wegen eines „Totalschadens im linken Knie“ spielt Jens Beuke kein Fußball mehr – dafür Golf.

Besonderer Golftag: Ehemalige Fußballer der Region treffen sich auf der Anlage des Golfclubs Syke. Organisiert hat das Treffen Stephan Meyer. Und es hat sich gelohnt, resümiert der 52-Jährige: „Es war wirklich ein sehr schönes Event.“

  • Golferlebnis der besonderen Art.
  • Ersatzsport für alte Fußballer.
  • Die meisten kamen über einen Schnupperkurs zum Golf.

Okel – Wie heiß sie auf ihr neues Hobby sind, zeigt sich an diesem sonnigen Samstagvormittag. Um 9.40 Uhr sollten sich die zehn Männer auf dem Golfplatz in Okel zum Gruppenfototermin einfinden. Schon um 9.30 Uhr sind sie alle da, stehen beisammen und schnacken. Früher waren sie leidenschaftliche Fußballer, heute spielen sie überwiegend mit einer deutlich kleineren Kugel – normalerweise zu zweit oder dritt auf den Anlagen ihrer Heimatclubs, der näheren Umgebung, teilweise auch mal im Ausland: Türkei, Südafrika oder Mallorca. Doch für die Geschichte in dieser Zeitung hat Stephan Meyer sie mittels einer WhatsApp-Gruppe zum besonderen Golftag zusammengetrommelt. Und es hat sich gelohnt, resümiert der 52-Jährige: „Es war wirklich ein sehr schönes Event.“

Vor zwölf Jahren hatte Meyer nach seinem letzten Auftritt als Coach des TSV Süstedt (ein Freundschaftskick gegen den FC St. Pauli) von seiner Frau Yvonne einen Schnupperkurs beim Golfclub Syke geschenkt bekommen. Er spielte von 2009 bis 2011, widmete sich dann jedoch wieder verstärkt dem Fußball – in der Ü 40 und später Ü 50. Im Februar 2020 entschied er sich dann: „Ich hänge meine Fußballschuhe an den Nagel, bin auch kein Trainer mehr und spiele nur noch Golf.“ Im Nachhinein goldrichtig, meint Meyer: „Man ist sechs, sieben Kilometer mit dem Golfbag unterwegs, in Bewegung und an der frischen Luft. Das ist ein toller Ersatzsport für uns alte Fußballer. Ich habe es lieben gelernt.“

Über Schnupperkurs zum Golfliebhaber

Die anderen auch. Wie Meyer kamen die meisten über einen Schnupperkurs oder Bekannte auf den Geschmack. Oder, weil sie – wie Thomas Langen (früher Fröhlke) „ein weniger gefährliches Hobby als Motorradfahren“ suchten. Oder über sportartverwandte Disziplinen – etwa Minigolf (Daniel Gösele) oder Crossgolf. „Nur auf Schrottautos und Pappkühe zu zielen, reichte irgendwann nicht mehr“, erzählt Carsten Witte, der – wie Jens Beuke und Rainer Wiedemann – nicht beim Event in Okel dabeisein konnte.

Was den Reiz des Golfens ausmacht, bringt Fred Donzelmann auf den Punkt: „Diese kleine Kugel dorthin zu bewegen, wo sie hin soll, braucht so viel Training – und ich glaube, das ist genau das, was uns Fußballer so anfixt.“

Handicap von 9,6

Einer, der auf den Grüns „immer das Maximum rausholen“ möchte, ist Tonja Heißenhuber (früher Tuncer Özer) . Der 53-Jährige, der seit der Hochzeit mit seiner Frau Sylvia einen neuen Nachnamen trägt und wegen der einfacheren Aussprache auch gleich noch den Vornamen ändern ließ, hat seit kurzem ein Handicap von 9,6 – und ist damit aktuell der Beste der Gruppe. „Ich ärgere mich über jeden Tag, den ich nicht eher mit Golf angefangen habe. Es wird quasi zur Sucht“, sagt er. Zu Hause in Woltmershausen haben die Heißenhubers (sie fing eher an zu spielen als er) im Raum neben ihrem Schlafzimmer eine professionelle Simulationsanlage installiert. Dort trainiert der ehemalige Sudweyher Fußballer „im Winter mehrere Stunden täglich“. Um die 100 Golfplätze aus aller Welt kann er auswählen und auf der großen Leinwand anzeigen lassen: „Das ist top.“ Sein nächstes Ziel: Handicap 7 – „meine Glückszahl“. Scheint realistisch, zumal Heißenhuber im nächsten Jahr direkt auf das Areal des Syker Golfclubs zieht – dort stand ein Haus zum Verkauf.

Mittlerweile hat Heißenhuber beim Thema Sport nur noch Golf im Sinn. Mit dem Fußball hörte er damals aus einem skurillen Grund auf. „2008 habe ich ein Abschiedsspiel mit Blumen bekommen – und wusste nichts davon.“ Auf eine Erklärung warte er bis heute. Seither „war ich nie wieder auf einem Fußballplatz“. Auch Donzelmann hat „absolut kein Interesse mehr“ an seinen früheren Passion: „Ich habe nach meiner Zeit in der Ersten in Stuhr einmal in der Alten Herren ausgeholfen. Nur Schreierei auf dem Platz – aber nicht mit dem Gegner, sondern untereinander. Eine Katastrophe.“

Andere haben dem Fußball wegen körperlicher Maleschen Adieu gesagt: das Knie, die Bandscheibe oder die Hüfte. Wieder andere sind noch aktiv. „Ich möchte die Kameradschaft nicht missen und mich bewegen“, sagt etwa Karsten Meyer. Witte will mit 63 nach dreijähriger Pause sogar wieder anfangen – wegen der „dritten Halbzeit“. Es geht also auch beides: Fußball und Golf.

Grüße aus Mallorca: Während des Events in Okel golfte Rainer Wiedemann auf der Ferieninsel.
Früher Fußball, jetzt (überwiegend) Golf – und offensichtlich viel Spaß dabei. Auf dem Platz des GC Syke in Okel trafen sich – teilweise mit alten Trikots – (v.l.) Daniel Gösele, Karsten Meyer, Thomas Langen, Stefan Thelken, Andre Bertram, Matthias Fahlbusch, Fred Donzelmann, Stephan Meyer, Stefan Ketzler und Tonja Heißenhuber zur gemeinsamen Runde. Nicht dabei waren Jens Beuke, Rainer Wiedemann und Carsten Witte.

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