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Pressekonferenz im Schneidersitz

Happy: Boris Becker nach seinem Sieg bei der ATP-WM 1992 in der Frankfurter Festhalle.
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Happy: Boris Becker nach seinem Sieg bei der ATP-WM 1992 in der Frankfurter Festhalle.

An das Jahr 1985 erinnere ich mich natürlich noch ganz genau: Boris Becker wird mit 17 der jüngste Wimbledonsieger im Tennis aller Zeiten. Damals steckte der junge Leimener eine ganze Nation mit dem Tennis-Virus an. Schlägerverkäufe, Mitgliedszahlen in den Vereinen und TV-Quoten (auch mit Hilfe von Steffi Graf) schnellten in die Höhe.

Für mich persönlich bleibt aber eine Begegnung der ganz besonderen Art mit Becker in bester Erinnerung. Als Sportredakteur hatte ich mich 1992 für die ATP-Weltmeisterschaft in Frankfurt akkreditiert. Der Mann aus Leimen hat mich mit seinem Willen zum Sieg und seiner Vorliebe für das schnelle Tennis begeistert. Vielleicht auch deshalb, weil ich mich selbst eher auf der langsameren Asche wohl gefühlt habe, auf der Becker zwar Doppel-Olympiasieger (mit Michael Stich 1992) wurde, aber im Einzel auf diesem Terrain nie Turniere gewonnen hat.

Zurück zur ATP-WM in der Frankfurter Festhalle. Becker reiste im November mit einem Hallensieg aus Paris an und zählte zu den Topfavoriten. In der Gruppenphase lieferte sich der damals 24-Jährige ein episch langes Duell (Gegner ist mir entfallen). Becker gewann und zog ins Halbfinale ein. Da war es schon ein Uhr in der Nacht. Keiner der anwesenden Journalisten rechnete noch mit der sonst üblichen Pressekonferenz. Doch Becker verblüffte alle. Ungeduscht stellte er sich in einem kleinen Raum ohne Stühle den Fragen. Becker saß lässig auf einem Tisch, die kleine Reporter-Schar kauerte im Schneidersitz davor. Eine wirklich skurrile Szenerie mit einem Tennis-Superstar. Nach 30 Minuten war alles vorbei.

Am Tag danach gewann Becker das Halbfinale und schlug im Finale an seinem 25. Geburtstag dann noch den Amerikaner Jim Courier. Da war ich aber schon nicht mehr vor Ort.

Mit seiner privaten und geschäftlichen Achterbahnfahrt während und nach seiner Karriere konnte ich zwar nie etwas anfangen, aber „Bobbeles“ Spielweise und vor allem diese 30 Minuten im Schneidersitz in einem Nebenraum der Festhalle werden mir immer in Erinnerung bleiben.

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