NACHSPIELZEIT

Plopp, Pause – plopp, Pause

Neulich im Urlaub (Nicht-Risikogebiet): Ich liege da so in meinem Liegestuhl auf dem Balkon und lese eine Zeitschrift. 15 Meter unter mir befindet sich ein Tennisplatz. Der erregt dann zumindest akustisch meine Aufmerksamkeit, weil ich ihn, in der Waagerechten liegend, nicht einsehen kann. Immer wieder höre ich ein „plopp, Pause – plopp, Pause“. Aus meiner eigenen Tennis-Erfahrung weiß ich, dass mit einem Partner eigentlich mindestens ein „plopp, plopp, Pause“ zu hören sein müsste. Nichts da.

Ich schäle mich aus meiner Komfortzone, lehne mich übers Geländer und kann kaum glauben, was ich da sehe: Ein Herr um die 60 (später erfahre ich, dass es Wilhelm aus Tübingen ist), voll gestylt mit Marken-Shirt und -Hose, steht an der Grundlinie. Vor ihm hat er, wie an der Perlenschnur aufgereiht, zehn Bälle akkurat auf die Grundlinie gelegt. Nadal lässt grüßen. Dann geht’s los. Zehnmal Vorhand, zehnmal Rückhand, zehnmal Aufschlag. Plopp, Pause – plopp, Pause. Mehr Abstand in Corona-Zeiten geht nicht. Nach jeder Serie geht Einzelkämpfer Wilhelm auf die andere Seite, sammelt seine Bälle ein und legt sie wieder pedantisch auf die Grundlinie.

Irgendwann rufe ich herunter, ob ihm denn sein Partner abhanden gekommen sei. Wilhelm guckt kurz hoch und antwortet: „Nein, nein. Erst habe ich es mit meiner Frau versucht, doch der waren meine Schläge zu hart. Jetzt stehe ich eben allein auf dem Platz.“ Plopp, Pause – plopp, Pause.

Irgendwann bin ich dann zu Wilhelm auf den Platz gegangen und habe ihm angeboten, die geschlagenen Bälle gleich wieder zurückzuwerfen. Wilhelm willigte freudestrahlend ein. Plopp, Pause in Höchstgeschwindigkeit.

Für uns beide war das eine Win-win-Situation. Für Wilhelm, weil er nicht mehr ständig die Seiten wechseln und die Bälle aufsammeln musste. Und für mich, weil ich abends an der Bar ein koffeinhaltiges Heißgetränk und eine köstliche hochprozentige italienische Spezialität aus Tresterbrand spendiert bekam. Da war Wilhelms Frau dann auch wieder mit von der Partie . . .

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