Ein Jahr Corona: Vom Auf und Ab mit der Pandemie im Amateursport

Plötzlich steht alles still

Syke – Auf diesen „Geburtstag“ hätte wohl jeder Sportler und Fan gern verzichtet. Heute vor genau einem Jahr, am 12. März 2020, kam das Corona-Virus auch in den Amateurligen an. An jenem Nachmittag trudelten reihenweise Generalabsagen ein – nicht nur im Fußball und Handball. Ein Jahr Corona, verbunden mit Verboten und Lockdowns, sich stetig verändernden Vorschriften, gelegentlichen Lockerungen und kleinen Hoffnungen – wir lassen zunächst die turbulenten ersten drei Monate, in denen das Virus scheinbar alles beherrschte, noch einmal Revue passieren.

Anfang mit Schrecken

Der 12. März 2020 – ein zunächst „normaler“ Vorschau-Tag in den Sportredaktionen: Wie immer an solchen Donnerstagen sprachen wir mit den Trainern der Fußball- und Handball-Clubs über die Partien des Wochenendes. Maarten Schops, Chefcoach des BSV Rehden, berichtete gerade über die Stärken des kommenden Gegners Eintracht Norderstedt, als eine Nachricht auf dem Smartphone aufploppte: Rehdens Regionalliga-Heimspiel fiel aus. Wegen des Coronavirus sagte der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) den Spieltag ab. „Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation“, betonte Spielleiter Jürgen Stebani. Ein paar Klassen tiefer warnten die Verantwortlichen mehrerer Kreisligisten fast zeitgleich vor verfrühter Panik. Sollte der Fußball pausieren müssen, „dürften wir ja irgendwann auch nicht mehr arbeiten“, gab Eduard Scharf als Trainer des TuS Sudweyhe II zu bedenken. Dass dies für manche tatsächlich so eintreten würde – durch Kurzarbeit, Zwangspausen in den eigenen Geschäften und sogar Kündigungen – konnte zu dieser Zeit niemand ahnen.

Man sollte die Saison jetzt einfrieren – und genau in einem Jahr dort anfangen, wo man aufgehört hat.

Walter Brinkmann, damaliger Fußballtrainer des TuS Sulingen, rechnete schon im April 2020 mit einer längeren Zwangspause.

Am Abend sagte der Bremer Fußball-Verband alle Partien ab – bis Ende März. Beim Bremen-Ligisten Brinkumer SV, Landesligisten TSV Melchiorshausen und Bezirksligisten SC Weyhe erfuhren die Protagonisten davon teils auf dem Trainingsplatz. In den nächsten Wochen wollten sie trotz der Spielpause weiter trainieren – so der einheitliche Tenor unter den drei Vereinen in einer ersten Reaktion. Es sollte anders kommen.

Bizarr: Unterdessen bestritten die Landesklassen-Handballer der HSG Bruchhausen-Vilsen/Asendorf am Abend ihr Heimspiel gegen die SG Achim/Baden III. Schließlich galt die Generalabsage erst ab dem darauf folgenden Tag. Für die Mannschaft von Trainer Gerd Anton war die 26:37-Schlappe der letzte Auftritt der Saison – denn danach ging in den Handball-Hallen des Landes nichts mehr.

Abschiede im Stillen

Er coachte nur kurz: Die Trainer-Amtszeit von Maarten Schops in Rehden endete recht früh.

„Die Unterbrechung kommt uns momentan zugute“, gestand Raul-Lucian Ferent, Trainer des Handball-Verbandsligisten HSG Barnstorf/Diepholz II, eine Woche nach der Saisonunterbrechung im März. Später wurde diese Pause länger, als ihm lieb war: Ferent hörte zum Saisonende als Trainer auf, durfte sein Team also nicht ein einziges Mal mehr betreuen.

Neele Eckhardt: „Ein Schock für mich“

Neele Eckhardt, Spitzen-Dreispringerin: Fast vier Jahre lang hatte die Leichtathletin, die bis 2013 für den TSV Asendorf gestartet war, nur ein Ziel: die Qualifikation für Olympia in Tokio. Ende März 2020 stand fest, dass die Spiele verschoben werden. „Das war ein Schock für mich“, gestand die damals 27-Jährige von der LG Göttingen.

Auch das Ende der Amtszeit von Maarten Schops als Trainer des Fußball-Regionalligisten BSV Rehden war äußerst unglücklich: Der frühere Kapitän hatte die Mannschaft in der Winterpause vom kurzfristig ausgeschiedenen Heiner Backhaus übernommen. Nach dem Wiederbeginn folgten drei Auswärtsspiele, die Heimspiele fielen allesamt der nassen Witterung zum Opfer – und danach kam Corona. Unterdessen merkte Schops, dass ihm der Aufwand als Viertliga-Coach in Verbindung mit Beruf und Familie zu viel wurde – und kündigte zum Saisonende seinen Abschied an. Doch die Serie wurde bekanntlich gar nicht wieder aufgenommen. Also ein Trainer-Abschied ohne einen Auftritt vor eigenem Publikum. Das war „schon ein bisschen komisch“, räumte Schops ein, „ich hätte es gern anders gehabt. Aber erst ging es nicht, und danach war es wegen Corona nicht mehr wichtig, Fußball zu spielen. Das muss man so akzeptieren.“

„Olympia in Tokio? Das kann man nicht machen“

Japan-Insider: Ein Publikumsliebling verließ im Frühjahr 2020 Fußball-Landesligist TuS Sulingen: Taiki Hirooka zog es nach Düsseldorf. Zum Abschied positionierte sich der Japaner klar zu den bis dato noch geplanten Olympischen Spielen in seiner Heimat: „Olympia in Tokio? Das kann man nicht machen.“

Auf zu neuen Ufern

Es gibt also Wichtigeres als den Sport – so dachten auch andere außer Schops. Fußball-Kreisligist TVE Nordwohlde etwa bot für die Dorfbewohner einen Einkaufsservice an, Bezirksligist FC Sulingen sammelte Spenden für einen Kinderpflegedienst – und dessen Trainer Stefan Rosenthal half frühmorgens beim Auffüllen von Supermarktregalen. „Jetzt bin ich systemrelevant“, scherzte „Taler“. Auch die Kreisliga-Kicker des TV Neuenkirchen zeigten sich solidarisch – vor allem gegenüber ihrem früheren Mitspieler und Trainer Michael Geisler, als selbstständiger Einzelhändler in der Modebranche besonders hart vom Lockdown getroffen. Also spendete die erste Herrenmannschaft einen großen Teil aus ihrer Mannschaftskasse dem Unternehmer.

Gute Tat statt Mannschaftsfahrt: Philip Kaluza (r.) und Timo Lües (l.) vom TV Neuenkirchen überraschten ihren vom Lockdown betroffenen Ex-Trainer Michael Geisler mit einer Spende.

Der Corona-Kalender: Die ersten drei Monate im Sport-Lockdown

13. März 2020: Tags zuvor hatte der Reitverein Diek-Bassum noch auf sein großes Dressur- und Springturnier hingewiesen, nun sagten die Gastgeber das mehrtägige Ereignis ab. Auch die Korbballer zogen Konsequenzen – und strichen den für dieses Wochenende geplanten letzten Bezirksoberliga-Spieltag.

14. März 2020: Die Trainer der Fußball-Bezirksliga schalten um auf Einzeltraining und schicken ihren Kickern Hausaufgaben auf die Smartphones. Laufen, Liegestütze, Workout-Übungen – viel mehr geht angesichts gesperrter Plätze und Hallen sowie der ebenfalls verordneten Schwimmbad- und Fitnessstudio-Schließungen nicht. Trainer Stefan Rosenthal vom FC Sulingen warnt davor, Corona auf die leichte Schulter zu nehmen: „Die Angst vor dem Virus ist genauso berechtigt wie die vor dem Verlust der Vernunft“, sagt er.

17. März 2020: Der TSC Hansa Syke sagt das Formations-Tanzturnier der 2. Bundesliga und Landesliga ab.

18. März 2020: Die Korbball-Spielplaner blicken auf den Nordpokal voraus, um den 32 Mannschaften aus der Region kämpfen sollen. Das Finalturnier ist für den 19. Dezember in Moordeich vorgesehen – eigentlich ein komfortabler Zeitraum. Doch es sollte anders kommen.

25. März 2020: Die Organisatoren der Rallye „Rund um die Sulinger Bärenklaue“ sind mit der Verschiebung ihres Events in den August zu optimistisch, wie sich zeigen sollte.

26. März 2020: Der Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) verschiebt den Start der anstehenden Sommersaison von Anfang Mai auf den 6./7. Juni.

30. März 2020: Erstmals seit Beginn der Fußball-Zwangspause zweifeln auch die Verantwortlichen der Verbände offiziell an einer Saisonfortsetzung. Bezirks-Spielausschuss-Chef Thorsten Schuschel meint: „Wenn wir im April keine Spiele mehr austragen dürfen, dann wird es nichts mehr.“ Und Michael Steen als Vorsitzender des Spielausschusses im Kreis Diepholz blickt sogar noch weiter voraus: „Ich bin mir momentan nicht einmal sicher, ob die neue Spielzeit im August losgehen kann.“

1. April 2020: Der Deutsche Tischtennis-Bund erklärt bundesweit die Saison von der Frauen-Bundesliga bis in die untersten Kreisklassen für beendet.

4. April 2020: Die Präsidien des Norddeutschen und des Niedersächsischen Fußballverbands beschließen in einer Video-Konferenz die Verlängerung der vorübergehenden Pause. Ursprünglich sollte der Ball wegen der Pandemie bis 19. April ruhen, nun warten die Offiziellen die weiteren behördlichen Anordnungen ab und verzichten auf ein konkretes Datum des anvisierten Wiederbeginns.

8. April 2020: Der Handball-Verband Niedersachsen bricht die Saison ab. Darauf verständigten sich die Mitglieder des Präsidiums einstimmig während einer Telefonkonferenz. Es gibt keine Absteiger. Die Aufsteiger werden über die Quotientenregelung ermittelt.

15. April 2020: Riesenerleichterung bei den Landesliga-Volleyballerinnen des SV Dimhausen: Einen Spieltag vor dem Saisonabbruch rangierte der Aufsteiger auf dem Relegationsrang und hätte noch absteigen können. Nun ist der Klassenerhalt gesichert.

16. April 2020: Die Verantwortlichen des MSC Schwarme vollziehen die Vollbremsung – und sagen das für den 26. Juli geplante Schwarmer Rennen wegen der Pandemie ab.

19. April 2020: Der Niedersächsische Fußball-Verband schlägt ein Einfrieren der Saison und eine Wiederaufnahme ab dem Zeitpunkt vor, wenn die Pandemie es wieder zulässt. „Das wäre das Sinnvollste“, meint auch der Diepholzer Kreisvorsitzende Andreas Henze.

20. April 2020: Werder Bremens Bundesliga-Geisterspiele treffen den Bremer Fußball-Verband hart: Weil der einen Teil der Eintrittsgelder bekommt, fehlen ihm pro Partie jetzt 14 500 Euro. Der BFV muss Kurzarbeit anmelden.

24. April 2020: Niedersachsens Fußballvereine sind mehrheitlich für einen Abbruch der Saison. Von den rund 2 600 Vereinen gaben allerdings nur 1 649 ihre Stimme ab.

1. Mai 2020: Auch der für den 26. Juli geplante Silbersee-Triathlon verschwindet aus dem Kalender für 2020.

6. Mai 2020: Pure Erleichterung: Heute darf es auf den Freiluftsportanlagen im Landkreis Diepholz wieder losgehen! Aktive aus Sportarten, die draußen betrieben und ohne Körperkontakt praktiziert werden können, dürfen ihren Trainingsbetrieb aufnehmen. Dazu gehören Leichtathletik, Tennis, Golf und Reiten. Aber auch Training in Mannschaftssportarten ist nicht mehr tabu, wenn in Kleingruppen und ohne Körperkontakt geübt wird.

8. Mai 2020: Als einer der ersten Fußballclubs nutzte der TSV Melchiorshausen die gelockerten Vorschriften und trainierte nach fast zwei Monaten wieder auf Rasen. TSV-Trainer Lars Behrens bat zum Aufgalopp ohne Grätschen und Rempeln. Als Schwerpunkt hatte er sich das kontaktlose Fußball-Tennis ausgesucht. Die Spieler genossen es.

14. Mai 2020: Der Saisonabbruch im Bremer Fußball-Verband (BFV) rückt näher. Die Vereine sprachen sich in einer Videokonferenz mit deutlicher Mehrheit dafür aus.

17. Mai 2020: Auch der große DFB muss in der Corona-Krise sparen – und tut das an der Basis: Der weltgrößte Sportverband dampfte das Honorar für seine Stützpunkttrainer drastisch ein, das sich ohnehin nur auf 307 Euro monatlich belief. Wertschätzung für die viele Arbeit mit Talenten sieht anders aus.

20. Mai 2020: Der Norddeutsche Fußballverband verkündete das vorzeitige Ende für seine Jugend-Regionalligen. Die A-Junioren des JFV RWD Rehden, als Aufsteiger bis zur Zwangspause im Zuge der Coronakrise Viertletzter der Regionalliga und so auf dem ersten Abstiegsplatz, sind damit gerettet. Doch der ehrgeizige Coach Drilon Gashi wirkt eher betrübt als erleichtert: „Ich bin davon überzeugt, dass wir es auch sportlich geschafft hätten.“

21. Mai 2020: Auch die Saison der Männer-Regionalliga Nord wird abgebrochen, der Aufstieg in die 3. Liga geht an Tabellenführer VfB Lübeck. Das beschloss das Präsidium des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) einstimmig. Zudem soll es keine Absteiger geben. Die Regionalliga Nord ist damit die erste der insgesamt fünf vierten Ligen, die sich für den Abbruch entscheidet.

25. Mai 2020: Im Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) wird es auch im Sommer Punktspiele für Damen, Herren, Altersklassen und Jugend geben. Dies hat das Präsidium mit dem Verbandsbeirat einstimmig beschlossen.

4. Juni 2020: Zum ersten Mal in seiner Geschichte Mal fand ein außerordentlicher Verbandstag des Bremer Fußball-Verbandes (BFV) gänzlich digital statt – und es gab große, wenn auch erwartbare Neuigkeiten: Die Saison wird abgebrochen.

5. Juni 2020: Sie hatten sich auf die Saison in der Nordliga gefreut, doch die Herren 30 des FTSV Jahn Brinkum haben doch noch zurückgezogen. Mannschaftsführer Tobias Killer begründet den Schritt so: „Ich habe jetzt mal genau die Hygienevorschriften gelesen. Da vergeht einem der Spaß am Tennis. Das fängt mit der Anreise nur mit zwei Spielern im Auto an, geht über die fehlenden Duschmöglichkeiten weiter und hört längst noch nicht bei der vielleicht fehlenden Verpflegung auf.“

7. Juni 2020: Es geht weiter: Der Bundesligakader des 1. Squash-Clubs Diepholz hat unter strengsten Hygienemaßnahmen den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. „Alle sind froh, dass es nach Wochen der Entbehrung wieder losgeht“, unterstreicht der Diepholzer Spielertrainer Dennis Jensen.

Rubriklistenbild: © Wiechert

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