WAS MACHT EIGENTLICH . . . ? Annegret Hollendieks goldene 50er mit DM-Titeln / Stark bis ins hohe Alter

Plötzlich kannte jeder das kleine Kirchweyhe

Unter ihrem Mädchennamen Annegret Thöle feierte die Weyherin ihre größten Erfolge: Mit Rot-Weiß Hamburg wurde sie Deutsche Meisterin im Team (linke Urkunde), und im Doppel sprang bei den int. Deutschen Meisterschaften Platz eins im Doppel heraus.
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Unter ihrem Mädchennamen Annegret Thöle feierte die Weyherin ihre größten Erfolge: Mit Rot-Weiß Hamburg wurde sie Deutsche Meisterin im Team (linke Urkunde), und im Doppel sprang bei den int. Deutschen Meisterschaften Platz eins im Doppel heraus.

Weyhe – Auch wenn Annegret Hollendiek ihren Tischtennisschläger schon 2007 an den Nagel gehängt hat, in Vergessenheit geraten ist die Grande Dame der SV Kirchweyhe keinesfalls. Was nicht sonderlich verwundert, da die 85-Jährige auf eine unglaublich erfolgreiche Karriere zurückblicken kann: Als erste Tischtennisaktive wurde sie 2004 im Kreis Diepholz zur Sportlerin des Jahres gewählt, was sicherlich auch mit dem Pfingstwochenende des Jahres 1952 zu tun hat.

Begeben wir uns also einmal auf eine Zeitreise. Bundeskanzler war damals noch Konrad Adenauer, bezahlt wurde mit D-Mark und Deutschland erholte sich langsam von den schlimmen Kriegsjahren.

Sport galt indes damals wie heute bereits als schöne Ablenkung – und Hollendiek hatte sich von Kindesbeinen an dem Tischtennissport verschrieben.

Unter Anleitung von Heinz Pahl (ebenfalls eine absolute SVK-Legende) avancierte sie schnell zur größten Nachwuchshoffnung der hiesigen Region.

16-Jährige sorgt in Niedersachsen für Furore

Mehr noch: Die 16-Jährige sorgte sogar in Niedersachsen für Furore, holte sich in der Mädchen-Konkurrenz den Landesmeistertitel und qualifizierte sich so für die Deutsche Meisterschaft in Hannover.

Bereits ein Riesenerfolg, sodass sich der Youngster ohne „größere Erwartungen“ in die Landeshauptstadt aufmachte, wie sich Hollendiek erinnert: „Ich hatte mir im Vorfeld nichts ausgerechnet. Ich wusste ja auch fast nichts über meine Gegnerinnen und bin deshalb völlig unverkrampft in die Spiele hineingegangen.“

Aber gerade diese Lockerheit erwies sich für die Kirchweyherin als riesiger Pluspunkt. Zudem flog Hollendiek als Außenseiterin lange Zeit praktisch unter dem Radar hindurch und wurde von der Konkurrenz übersehen. „Mich kannte ja keiner. Es waren so viele große Vereine vertreten, mit der SV Kirchweyhe konnte niemand etwas anfangen“, blickt die 85-Jährige mit einem Schmunzeln zurück.

Aber der Underdog aus dem Kreis Diepholz zeigte den „Großkopferten“, was eine Harke ist, reihte Sieg an Sieg, überstand souverän Runde für Runde und erreichte sensationell das Finale, wo die schier übermächtige Berlinerin Uschi Fiedler wartete.

Hollendiek bleibt tiefenentspannt

Doch selbst jetzt blieb Hollendiek laut eigener Aussage völlig tiefenentspannt: „Ich hatte ja rein gar nichts zu verlieren und habe einfach versucht, meine beste Leistung abzurufen.“ Was ihr in imponierender Manier gelang. Zwar waren alle Sätze hart umkämpft, doch am Ende triumphierte Hollendiek mit 3:0 und schnappte sich den Titel. Nebenbei gewann sie zusätzlich noch mit der Cellerin Marlies Skindoris Silber im Doppel – verlor jedoch trotz dieser Riesenerfolge zu keiner Zeit die Bodenhaftung. „Natürlich habe ich mich mächtig gefreut“, lächelt Hollendiek: „Aber es gab danach keine große Party. Ich habe eher still genossen. Zumal ich ja im Vorfeld nie mit zwei Medaillen gerechnet hatte.“

Tja, ein Jahr später kehrte die untadelige Sportsfrau sogar mit dreimal Edelmetall von den Deutschen Meisterschaften der Mädchen zurück: Ihren Einzeltitel konnte sie aufgrund der knappen Endspielniederlage gegen Hannelore Walz (Nordrhein-Westfalen) zwar nicht verteidigen, gewann allerdings diesmal zusammen mit Skindoris Gold im Doppel und an der Seite von Klaus Wacker (Thedinghausen) Bronze im Mixed.

Aber Hollendiek sorgte keineswegs „nur“ im Jugendbereich für Aufsehen. Auch bei den Erwachsenen reichte es zum ganz großen Wurf. Obwohl sie weiterhin in Kirchweyhe wohnte, gab sie dem hartnäckigen Werben der Bundesliga-Mannschaft von Rot-Weiß Hamburg nach und gewann mit den Hanseatinnen zweimal nacheinander (1954/1955) die Deutsche Meisterschaft. Selbst die ständigen Zugfahrten nahm Hollendiek gerne in Kauf („Die fünf Jahre in Hamburg möchte ich nicht missen“), hängte dann jedoch 1957 wegen der Geburt ihres ersten Sohnes den Schläger vorerst an den Nagel. Drei weitere Stammhalter später „kribbelte es aber wieder in den Fingern. Ich habe 1978 in Kirchweyhe nachgefragt, ob ich im Bedarfsfall aushelfen sollte. Aufdrängen wollte ich mich ja keinesfalls.“

Selbst im höheren Alter gilt Hollendieck als Leistungsträgerin

Typisch für ihre Bescheidenheit. Doch selbstredend avancierte Hollendiek nicht zum SVK-Notnagel. Im Gegenteil: Dank ihrer Spielstärke (und der Extraklasse von Topspielerin Nadine Stegemann) stieg Kirchweyhe bis in die Oberliga auf und schaffte in der ersten Saison sogar den Klassenerhalt. Nach dem Abgang von Stegemann war die Oberliga dann zwar nicht mehr zu halten, aber dafür etablierte Hollendiek die SVK zusammen mit Doppelpartnerin Martina Nöhren über Jahrzehnte hinweg in der Landesliga. Selbst im höheren Alter galt die abgebrühte Seniorin als absolute Leistungsträgerin und hinterließ bei ihrem endgültigen Karriereende 2007 sportlich wie menschlich eine große Lücke.

Ein beeindruckendes Lebenswerk, von dem Hollendiek in den Pfingsttagen des Jahres 1952 „noch nie zu träumen gewagt hätte. Ich war 16 und wollte einfach nur Tischtennis spielen. Als ich damals nach Hannover gefahren bin, habe ich keinen Gedanken an den Titel verschwendet. Es ging mir nur um den Spaß am Spiel. Das war eigentlich mein ganzes Leben lang so. Tischtennis gehörte immer fest zu meinem Leben dazu.“

Steckbrief

Name: Annegret Hollendiek

Alter: 85 Jahre

Wohnort: Weyhe-Lahausen

Beruf: Hausfrau

Größte sportliche Erfolge: Deutsche Meisterin bei den Mädchen im Einzel (1952) und Doppel (1953); zweimalige Deutsche Meisterin mit Rot-Weiß Hamburg (1954/1955). German-Open-Siegerin im Doppel mit Ulla Paulsen und Deutschland-Pokalsiegerin im Doppel mit Paulsen (beides 1955)

Vereine: SV Kirchweyhe, Rot-Weiß Hamburg

Privates: Verwitwet; vier Söhne

Langlebig: 1954 bekam Annegret Hollendiek vom 22-fachen Weltmeister Victor Barna bei einer Länderspielreise durch Großbritannien dieses Schlägerholz geschenkt.
Vor 60 Jahren war Annegret Hollendiek (damals Thöle) eine der besten Spielerinnen in Deutschland. repro: töb

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