Abbruch im Umbruch – SC Weyhe entzieht seinem Trainer das Vertrauen

„Pistole“ abgeschossen

+
„Die Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde, ist ein Schlag für mich“, sagt Dirk Pistol.

Weyhe - Von Arne Helms. Dirk Pistol sollte beim SC Weyhe einen Umbruch begleiten. Gestern aber, eineinhalb Jahre nach dem Einstieg des Trainers, brach der Fußball-Landesligist mit dem 38-Jährigen.

Die sportliche Talfahrt hat offenbar ein Fass zum Überlaufen gebracht. Bis zum Saisonende übernimmt Holger Finken eine Mannschaft, die auch mit sich selbst zu kämpfen hat.

Morgens teilte Spartenleiter Thorsten Wirth Pistol mit, dass der Verein über das Jahresende hinaus nicht mehr mit ihm plane; die Entscheidung sei im fünfköpfigen Abteilungsvorstand einstimmig gefallen. Die Blöße, noch zwei weitere Partien an der Seitenlinie zu stehen, wollte sich der B-Lizenz-Inhaber aber nicht geben. Pistol, Spitzname „Pistole“, nahm sofort seinen Hut, sichtlich gezeichnet: „Die Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde, ist ein Schlag für mich.“ Pistol und Co-Trainer Jörg Habighorst, dessen Bleiben offenbar gewünscht war, der sich aber mit Pistol solidarisch erklärte und seine Arbeit ebenfalls beendet, hätten sich ein frühzeitiges Gespräch gewünscht, in dem mögliche Lösungen diskutiert werden. Stattdessen wurden sie nun vor vollendete Tatsachen gestellt.

„Wir müssen die Alarmglocken läuten, damit der Abstieg möglichst schnell kein Thema mehr ist“, erläuterte Spartenleiter Wirth einen Grund für die blitzartige Trennung nach fünf Niederlagen am Stück und nur noch vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Bei Pistol sehe der Vorstand jedoch „keine ausreichende Motivationslage, um die Mannschaft voranzubringen“, so Wirth, der mit seinen Vorstandskollegen eine „Resignation bei den Trainern“ ausgemacht haben will. Auch im Umgang mit einigen Quertreibern in der Mannschaft hätte man sich ein härteres Durchgreifen gewünscht. Diesen Fehler räumt Pistol ein. Mehr als mal zwei, drei Leute in die Zweite zu schicken, sei aber angesichts zahlreicher Verletzter unmöglich gewesen, „ich habe mich bei unseren Spielen ja schon selbst eingewechselt“. Eine mangelnde Beteiligung beim Training könne er sich ebenfalls nicht ankreiden, „ich kann die Jungs ja nicht herprügeln“.

Auch dem Vorwurf der fehlenden Motivation tritt der Gescholtene entgegen: „Ich bin auf dem Platz eben der Ruhigere, kein Koleriker. Das wusste man, als man mich geholt hat.“ Wer seine Ansprachen in der Kabine kenne, „der weiß, was Sache ist“. Der implizierte Vorwurf lautet: Der Vorstand weiß es nicht.

Finken will angeblich

keine Dauerlösung sein

Pistol, der vor eineinhalb Jahren nach dem Abschied einer kompletten Mannschaft mit dem Neuaufbau in Weyhe beauftragt worden war und sich die Spieler dafür nicht gerade aussuchen konnte (Wirth: „Wir sind an der Situation auch nicht komplett schuldlos“), verweist darauf, dass mit ihm zu Saisonbeginn keine konkreten Zielvorgaben besprochen worden seien. Angetreten sei er zudem unter der „Voraussetzung, drei bis vier Jahre Zeit zu haben“.

Gerade der Blick in die Zukunft fehlte Wirth und seinen Kollegen jedoch bei Pistol. Es reiche nicht, als Erste-Herren-Trainer in Weyhe zweimal pro Woche zum Training zu kommen, sagte Wirth, der sich der schwierigen Charaktere im Team durchaus bewusst ist – und es gerade deswegen gerne gesehen hätte, wenn sich Pistol häufiger auf die Suche nach frischem Blut gemacht hätte. „Ich bin selbst Trainer (Co-Trainer der A-Junioren, Anm. d. Red.)“, erklärt Wirth, „und bei unseren Spielen stehen dauernd Herrentrainer an der Seite.“ Nur Dirk Pistol, der selbst abwinkt („Da haben wir nie drüber gesprochen“), den hat Wirth für seinen Geschmack zu selten gesehen. Und das ist mit den Zielen des Vereins („In zwei, drei Jahren wollen wir wieder ein Aufstiegskandidat sein“) nicht vereinbar. Sich mitten in der Saison von Pistol zu trennen, sei laut Wirth geschehen, „um einem neuen Gesicht die Chance zu geben, rechtzeitig mit neuen Spielern zu sprechen“.

Holger Finken, der in Weyhe schon 1988 als A-Jugend-Trainer einstieg, bis ins Jahr 2000 die Erste Herren coachte und aktuell die D-Jugend betreut, wird das nicht sein – „weil Holger überhaupt keine Ambitionen hat, die Mannschaft längerfristig zu übernehmen“, berichtete Wirth. Finken habe sich aber bereit erklärt, bis zum 30. Juni 2013 die Verantwortung zu übernehmen.

Ihrer Verantwortung ist sich übrigens auch die Mannschaft bewusst, die sich gestern Abend ausgiebig unterhalten wollte. „Wir haben ein paar Probleme“, spielte Kapitän René Hanke auf einige Disziplinlosigkeiten an, die unter Pistol allerdings auch schon weniger geworden wären. Er könne Thorsten Wirth zwar verstehen, „aber aus meiner Sicht wäre es auch mit Dirk weitergegangen“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Meistgelesene Artikel

Neue „Löwen“-Aufgabe für Mateusz Chylinski

Neue „Löwen“-Aufgabe für Mateusz Chylinski

Neue „Löwen“-Aufgabe für Mateusz Chylinski
Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater
Robert Obst hat Rehden verlassen

Robert Obst hat Rehden verlassen

Robert Obst hat Rehden verlassen
Berater Burdenski: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“

Berater Burdenski: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“

Berater Burdenski: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“

Kommentare