Serie „Ungewöhnliche Sportarten“

Padel liegt im Trend – und ist sogar Jürgen Klopps Lieblingssport

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Aus der Luft, so wie hier bei Kristian Wichmann (l.), wird der Ball beim Padel viel gespielt. Doppelpartner Jörg Brunotte schaut zu.

Jürgen Klopp erzählte kürzlich Überraschendes: Bei ihm dreht sich gar nicht alles um Fußball, er ist ein großer Fan von Padel-Tennis! Der Teammanager des FC Liverpool hat diese Sportart erst vor einigen Jahren entdeckt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mit 47 Jahren oder so die beste Sportart meines Lebens kennenlerne. Ich spiele das fünfmal die Woche. Das ist sensationell“, verriet der 51-Jährige im Sky-Interview.

Was ist das für eine Sportart, die derzeit im Schatten des klassischen Tennis von sich reden macht? Eine Sportart, die in Spanien und vielen Ländern Südamerikas nach Fußball zweiter Nationalsport ist? Und warum haben in Deutschland so wenige diese Sportart auf dem Schirm? „Noch“ muss es heißen. Padel wird immer populärer – unter anderem auch in Weyhe. Viele, die Padel ausprobieren, bleiben auch dabei. Gerade Tennisspieler reizt das Konzept häufig. Das könnte daran liegen, dass Padel dem Tennis überaus ähnlich ist. Ball, Schläger, Netz – trotzdem gibt es auch bei den Ähnlichkeiten durchaus entscheidende Unterschiede. Beim Padel sind die Bälle etwas weicher, der Platz ist kleiner, die Schläger haben keine Bespannung, und das Netz hängt tiefer.

Ein Selbstversuch. Besuch auf dem Court des TC 71 Weyhe. Sieht erst mal aus wie ein Tennisplatz in klein. Mit Glaswänden an den Grundlinien hochgezogen und einem Zaun an den Einzellinien. Das T-Feld ist gut zu erkennen, allerdings fehlen die Doppellinien. Mir wurde erzählt, Padel würde fast nur im Doppel gespielt. Aber wie soll das gehen, auf einem so kleinen Platz? Bevor ich den betrete, bekomme ich zunächst den Schläger. Was zur Hölle soll das denn sein? Viel zu klein und ohne Bespannung. Aus Schaumstoff besteht die Fläche, erzählt Kristian Wichmann, mein heutiger Mentor. Völlig eigenartig. Noch komischer ist nur das Bändchen, das ich um mein Handgelenk legen muss, damit ich meinem Partner beim Spielen nicht erschlage. Ja klar – als ob ich keinen Schläger festhalten könnte. Aber ist ja auch egal, eigentlich will ich nur auf den Platz.

Den lässt mich Wichmann dann auch betreten. Er selbst steht auf der anderen Seite des Netzes, spielt mir den Ball an. Mit der guten alten Topspin-Vorhand dresche ich diesen gegen die hintere Wand. Wichmann unterbricht den Ballwechsel. Was habe ich falsch gemacht? Offensichtlich alles, denn jetzt darf ich mir eine Predigt anhören: „Erstens: Topspin spielst du beim Tennis, von dem Gedanken musst du wegkommen“, erklärt Wichmann: „Zweitens: Haust du den Ball direkt gegen die Wand, ist er aus. Das ist kein Squash, der Ball muss erst auf dem Boden aufkommen.“ Aber wofür ist die Wand denn dann gut? „Wenn der Ball lang kommt, nimmst du ihn nicht aus der Luft. Du lässt ihn aufspringen, gegen die Wand prallen, stellst dich richtig und schlägst ihn dann rüber.“ Als ich dem Drang, den Ball volley zu nehmen, dann endlich widerstehe und schaffe, was von mir verlangt wird, geht es rund. Ein Match. Zwei gegen zwei. Ich Anfänger mit drei fortgeschrittenen Spielern. Na, das kann ja was werden.

Aufschlag von unten. Das ist grundsätzlich so, nicht nur bei Anfängern. Und dann ab ans Netz. Serve-and-volley ist das Motto. Der Ball kommt zurück – und landet von meinem Schläger aus im Netz. „Spiel den Ball rüber, du darfst keine Fehler machen“, darf ich mir anhören. Danke für den Tipp. Fehler mache ich normalerweise immer absichtlich. Egal, weiter geht es. Immer das gleiche Spiel. Das Team mit Aufschlag steht vorn, das andere hinten. Viele Lobs, viel Überkopf und am Ende verliert derjenige, der den Fehler macht – wie in jedem Sport. Aber dieser hat etwas Besonderes, finde ich. Eine Kombination aus Tennis, Squash und Badminton. Das hat etwas, vielleicht probiere ich das häufiger mal aus...

Ein perfektes Beispiel dafür, dass diese Mischung tatächlich viele Spieler nicht wieder loslässt, ist Wichmann selbst. Der „Virus“ hat den zweiten Vorsitzenden des TC 71 Weyhe, bei dem der Sport ausgeübt werden kann, „im Oktober 2017 befallen – und nicht wieder losgelassen“, erzählt er begeistert: „Es ist einfach perfekt für mich. Ich habe 30 Jahre lang intensiv Fußball gespielt, aber mit zunehmendem Alter und abnehmender Leistungsfähigkeit hat der Spaß nachgelassen. Irgendwann habe ich auch wieder mit Tennis angefangen, dort hat mir aber die Geselligkeit gefehlt.“ Also fand Wichmann Padel: „Ich habe wieder das Mannschaftsgefühl. Außerdem bin ich, im Gegensatz zum Fußball, nicht an feste Termine gebunden. Ich kann spielen, wenn es Beruf und Familie zulassen.“

Zudem ist der 41-Jährige begeistert vom Doppelmodus, in dem der Sport (fast) immer gespielt wird: „Ich liebe es, mich mit meinem Partner in ein Match reinzukämpfen und sich gegenseitig zu pushen.“ Das sei ein weiterer Vorteil gegenüber dem Tennis: „Durch die Möglichkeit, zwischen den Spielpartnern zu variieren, hat man oft sehr ausgeglichene Matches.“ Beim Tennis ist das anders. Selbst wenn Doppel gespielt wird, ist häufig ein schwächerer Spieler dabei, den die Gegenseite dauernd anspielt. Beim Padel sei dieser Leistungsunterschied einfacher auszugleichen.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass bei Wichmanns TC Weyhe die Sparte Padel Einzug erhielt? „Als kleiner Tennisclub hatten wir Probleme, neue Mitglieder zu gewinnen. Für uns stellte sich die Frage: Wie wollen wir den Verein am Leben erhalten?“, erklärt Spartenleiter Alexander Schwarz: „Wir haben die Entwicklung der letzten fünf Jahre (vor 2016 d. Red.) beobachtet und festgestellt, dass auch in Spanien die Tennisanlagen immer mehr verwaisten und erst durch die neuen Padel-Courts wieder Leben zurückkehrte. Diesen Effekt hatten wir uns auch für unseren Verein gewünscht.“

Und tatsächlich trug das Projekt Früchte, die Mitgliederzahl wurde von 50 (20 Aktive) 2016 auf 103 (73 Aktive) mehr als verdoppelt. Und das soll noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Beim TC ist mittlerweile bereits ein zweiter Platz in Planung, 2020 soll er zur Sommersaison fertig sein. Wichmanns Wunsch: „Wir erhoffen uns dadurch einfach mehr Möglichkeiten, den Sport zu betreiben. Außerdem wollen wir mehr Kinder heranführen. Für mich wäre es zum Beispiel ein Traum, wenn ich zum Padel fahre und meine Kids mit den Kids der anderen auf dem zweiten Court spielen könnten.“ Zudem hätten die Weyher durch die größere Anlage weitaus bessere Aussichten, auch überregionale Turniere zu veranstalten.

Bislang steht nämlich neben kleineren Turnieren nur die von Wichmann entwickelte Bremen-Liga auf dem Platzbelegungsplan. Doch das System, das sich der Betreiber eines Spargel- und Erdbeerhofes für diese Liga überlegt hat, bringt wie der Sport selbst auch Besonderheiten mit sich: „Wir haben acht Gruppen à vier Spieler, die grob nach Spielstärke eingeteilt worden sind. Jeder spielt in seiner Gruppe ein Match gegen die jeweiligen anderen beiden. Dementsprechend gibt es drei Matches pro Gruppe, die an einem Tag in etwa zwei Stunden gespielt werden. Daraus ergibt sich eine Tabelle – der Erste steigt eine Gruppe auf und der Letzte steigt eine Gruppe ab. Dadurch gibt es Runde für Runde neue Spielpaarungen, und nach einiger Zeit hat sich jeder in seinem Leistungsbereich eingependelt.“ Das System mache es ihm einfach, neue Spieler schnell in die Liga für Frauen und Männer zu integrieren.

Wenn er wollte, könnte also auch Jürgen Klopp in die Liga eintreten. Das ist jedoch vermutlich ähnlich utopisch wie ein Dazustoßen von Fußball-Superstar Zlatan Ibrahimovic. Trotzdem hat Wichmann auch mit dem exzentrischen Schweden etwas gemein. Ibrahimovic eröffnete nämlich vor kurzem im schwedischen Jönköping ein Padel-Zentrum. Sie verfolgen also beide das gleiche Ziel: Diese derzeit in Nordeuropa noch so unbekannte Sportart größer und der breiten Masse bekannt zu machen.

Regeln und Kontakte

Die Regeln vom Padel-Tennis sind schnell erklärt. Beim Aufschlag darf der Ball nicht über Hüfthöhe getroffen werden und muss ins schräg gegenüberliegende T-Feld gespielt werden. Einmal darf er auf dem Boden aufprallen, danach darf er auch die Wände berühren. Trifft man mit seinem Schlag zunächst die Wand, ist der Ball aus. Gezählt wird wie beim Tennis: 15, 30, 40 und dann Einstand oder Spiel. Für einen Satz braucht man sechs Spiele, bei 6:6 entscheidet der Tiebreak bis sieben.

Wer den Sport nun selbst ausprobieren möchte, kann sich bei Kristian Wichmann, dem zweiten Vorsitzenden des TC 71 Weyhe, unter der Rufnummer 0175 8925636 oder Spartenleiter Alex Schwarz unter der Telefonnummer 0172 435703 melden.

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