WAS MACHT EIGENTLICH . . .? Der ehemalige Handballtrainer Werner Rohlfs genießt seinen Ruhestand

Otto Rehhagel von Brinkum

Terrasse statt Sporthalle: Der ehemalige Handballcoach Werner Rohlfs genießt seinen sportlichen Ruhestand. Mittlerweile lebt der frühere Trainer des FTSV Jahn Brinkum und Harpstedter TB in Tostedt bei Hamburg.
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Terrasse statt Sporthalle: Der ehemalige Handballcoach Werner Rohlfs genießt seinen sportlichen Ruhestand. Mittlerweile lebt der frühere Trainer des FTSV Jahn Brinkum und Harpstedter TB in Tostedt bei Hamburg.

Werner Rohlfs gehört zweifelsohne zu den erfolgreichsten Handballtrainern der Region. Der ehemalige Bundesligaspieler trainierte unter anderem den FTSV Jahn Brinkum oder die Harpstedter Regionalliga-Handballerinnen. Mittlerweile genießt der 72-Jährige seinen wohlverdienten Ruhestand. Einen weiteren Trainerjob kann sich der pensionierte Lehrer nicht vorstellen.

  • Handballtrainer Werner Rohlfs führte Brinkum bis in die Oberliga.
  • Mit dem Harpstedter TB ging es sogar bis in die Regionalliga.
  • Mittlerweile steht das Reisen aber an erster Stelle.

Tostedt – Eines dürfte sicher sein: An diesen Geburtstag wird sich Martin Pogorzalski wahrscheinlich sein Leben lang erinnern. Und Werner Rohlfs allemal. Aber der Reihe nach. Wir schreiben die 1990-Jahre. Rohlfs hatte gerade den FTSV Jahn Brinkum sensationell von der Bezirksliga in die Handball-Oberliga geführt, als das schwere Auswärtsspiel beim VfL Fredenbeck auf dem Plan stand.Und die erste Halbzeit verlief vielversprechend. Pogorzalski, der an diesem Tag Geburtstag hatte, legte einen starken Auftritt aufs Parkett, als das Schiedsrichter-Gespann zur Halbzeit pfiff. Alles verlief wie immer. Doch während Rohlfs’ Pausenansprache verspürte Pogorzalski plötzlich ein menschliches Bedürfnis und verschwand unbemerkt aufs stille Örtchen. Als die Mannschaften zum Wiederanpfiff die Platte betraten, war einer nicht da. „Mir fiel es erst gar nicht auf“, gesteht Rohlfs: „Erst die Unparteiischen haben mich darauf hingewiesen, dass einer unserer Spieler fehlte.“ Plötzlich fiel es Rohlfs wie Schuppen von den Augen. Mit hochrotem Kopf sprintete der Brinkum-Trainer zurück in die Umkleidekabine – auf der Suche nach Pogorzalski. „Auf einmal hörte ich ein Klopfen aus der Toilette, die ich kurz vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit abgeschlossen hatte – samt Pogorzalski.“ Also befreite Rohlfs den hilflosen Rückraumspieler aus seiner misslichen Lage. Pogorzalski kehrte in die Sporthalle zurück und fuhr am Ende einen souveränen Sieg mit dem Underdog aus der Gemeinde Stuhr ein. Ende gut, alles gut.

Eine Anekdote, die dem 72-jährigen Rohlfs aus seiner Brinkumer Amtszeit bis heute im Gedächtnis geblieben ist: „Das war schon sehr kurios. Es gibt natürlich viele schöne Erinnerungen. Aber diese ist besonders hängen geblieben.“

Hängen geblieben ist Rohlfs auch in Brinkum. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo Anfang der 1980er-Jahre trainierte der ehemalige Bundesligaspieler des TV Grambke-Bremen den Jahn von 1986 bis 2003. Er ist so etwas wie der Otto Rehhagel von Brinkum. Es sei eine sehr schöne Zeit gewesen, sagt er. Und vor allem eine erfolgreiche. Nie wieder spielten die Brinkumer nach der Rohlfs-Ära höherklassiger. Rohlfs, der in den 1980er-Jahren bereits für zwei Jahre als Spielertrainer in Brinkum angeheuert hatte, formte die Mannschaft von einem durchschnittlichen Bezirksligateam zu einer Mannschaft, die in der Oberliga zeitweise ganz oben mitspielte.

Werner Rohlfs: „Meine Frau Angela ist nach langer Krankheit gestorben“

Heute geht es der ehemalige Sportlehrer eher gelassen an. Vom Handballsport hat sich der 72-Jährige mittlerweile verabschiedet. „Ich habe meine Trainertätigkeit 2017 beim Oberligisten HSG Delmenhorst ausklingen lassen“, sagt er. Es war auch das Schicksalsjahr des Werner Rohlfs. „Meine Frau Angela ist damals nach langer Krankheit gestorben. Das hat mein Leben ganz schön verändert.“ Nach dem Verlust seiner Ehefrau zog sich Rohlfs auch von seinem Lieblingssport zurück. Doch er hat den Wechsel von der Trainerbank in den Sportruhestand gut gemeistert, wie er sagt: „Bis auf die wenigen körperlichen Malaisen, die man so hat, wenn man eben älter wird, geht es mir gut.“ Mittlerweile lebt Rohlfs mit seiner neuen Partnerin im beschaulichen Tostedt in der Nähe von Hamburg. Der Handball spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. „Das Reisen steht mittlerweile an erster Stelle“, verrät Rohlfs.

Dennoch erinnert sich der Handballtrainer im Ruhestand an seine Brinkumer Epoche gerne zurück: „Es war eine tolle Zeit. Sonst hätte ich ja nicht die Hälfte meiner Trainertätigkeit dort verbracht.“ Dass er es im Verein so lange ausgehalten hat, daran hat auch der damalige Manager Heinz-Wilhelm „Ente“ Düßmann großen Anteil, wie Rohlfs verrät: „Willy hatte einen großen Anteil am Erfolg. Mindestens die Hälfte. Ohne ihn hätten wir es nicht in die Oberliga geschafft.“

Der Weg dorthin war anfangs jedoch steinig. „Werner war ja vorher schon mal Brinkum-Trainer“, berichtet Düßmann, „ist damals aber zurück nach Cloppenburg gegangen. Ich überzeugte ihn jedoch, wieder nach Brinkum zu kommen.“ Doch statt Oberliga wie vorher, musste Rohlfs mit dem Team noch einmal ziemlich weit unten anfangen.

„Wir haben als Aufsteiger sofort den Oberliga-Sprung geschafft“

Als Rohlfs Brinkum 1986 übernahm, spielte der Club in der Bezirksliga. Düßmann: „Der sportliche Rückschritt war damals keine leichte Zeit.“ Erst 1991 gelang uns der Aufstieg in die Verbandsliga. „Wir haben dann aber kontinuierlich und gezielt am Oberliga-Aufstieg gearbeitet“, blickt Düßmann zurück. Und dann ging es auf einmal ganz schnell. „Wir haben als Aufsteiger sofort den Oberliga-Sprung geschafft“, strahlt Rohlfs noch heute: „Haben uns in der Liga etabliert.“ Und anschließend zu einer etablierten Mannschaft gemausert.

„Wir wollten immer einen kleinen Schritt näher kommen“, berichtet der 70-jährige Düßmann: „Anfänglich stand der Oberliga-Klassenerhalt im Fokus. Dann haben Werner und ich gesagt: Jetzt wollen wir auch mal unter die ersten Drei kommen. Und es hat geklappt. Danach sind wir dann unter den ersten Fünf gelandet. Wir waren schon eine dominante Truppe. Immerhin war die Oberliga damals alles andere als eine schwache Liga. Es war die erfolgreichste Zeit des Vereins. Es gab ja nicht nur das Herrenteam, sondern wir hatten auch eine A-Jugend und eine B-Jugend in der Oberliga. Wir waren damals eine echt tolle Abteilung, ein tolles Team. Das war ja nicht nur Werner Rohlfs und ich, sondern dahinter steckten ja auch noch einige andere.“

Doch 2003 war auf einmal Schluss. Und daran soll die Kreiszeitung nicht ganz unschuldig gewesen sein. „Wir haben uns damals von den Medien reinreden lassen“, schmunzelt Rohlfs: „Auf einmal fing die Kreiszeitung an zu schreiben, dass jetzt doch endlich mal der Aufstieg in die Regionalliga in Angriff genommen werden müsste. Davon haben wir uns beeinflussen lassen“, ist sich Rohlfs heute noch sicher.

Daraufhin baute der ehemalige Bundesligaspieler das Brinkumer Team um: „Wir haben noch mal stärkere Spieler verpflichtet. Aber am Ende stimmte die Mischung nicht. Es war ein Versuch, der leider gescheitert ist.“ Dennoch blieb Rohlfs noch eine weitere Spielzeit. Die Abnutzungserscheinungen waren aber deutlich zu spüren.

Sven Engelmann: „Ohne Werner Rohlfs wäre Brinkum niemals so erfolgreich gewesen“

Zum Ende der Ära Rohlfs gehörte auch ein gewisser Sven Engelmann zur Mannschaft. „Ohne Werner Rohlfs wäre Brinkum niemals so erfolgreich gewesen. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe die Mannschaft ja wieder heruntergewirtschaftet“, schmunzelt der ehemalige Cheftrainer der HSG Stuhr, der von 2001 bis 2003 unter Rohlfs spielte: „Er hat die Menschen weiter geformt – auch mich. Auch wenn ich schon ein bisschen älter war, hat er mir noch mal einen Schliff gegeben. Er hat sehr gute Arbeit geleistet.“

Eine Anekdote ist Engelmann aus seiner Rohlfs-Zeit besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir hatten mal eine Spielanalyse. Er klärte unsere Torhüter über einen gegnerischen Spieler auf, sagte: ,Meistens wirft er flach. Ab und zu wirft er auch halbhoch. Aber meistens wirft er flach, wenn er nicht gerade hoch wirft.‘ Da haben wir uns köstlich amüsiert, ihn damit immer wieder aufgezogen. Das ging über Jahre.“

Doch besonders das Training ist Engelmann in Erinnerung geblieben: „Werner war ein sehr guter Handballtrainer, mit sehr guten Trainingsprogrammen. Heute ist das natürlich ein bisschen anders. Aber damals hat das Training unter Werner richtig Spaß gemacht. Natürlich gab es auch mal eine Scheiß-Einheit mit Zirkeltraining. Aber er war immer sehr akribisch, hat uns immer gut vorbereitet. Werner war ein sehr guter Fachmann. Und auch ein ganz toller Mensch.“

Kapitel Frauen-Handball

2003 war das Kapitel Brinkum aber zu Ende. Es musste also etwas Neues her. „Dann kam das Kapitel Frauen-Handball“, berichtet Rohlfs: „Mich hatte es schon immer gereizt, mal eine Damenmannschaft zu trainieren.“ Also wechselte Rohlfs zu den Regionalliga-Frauen des Harpstedter TB. Rohlfs blieb von 2003 bis 2007 dort. In der Saison Saison 2005/06 belegte die Mannschaft einen starken vierten Platz. Rohlfs: „Wir hatten uns vor der Saison auf Platz fünf oder sechs gesehen.“ Höhepunkt der Spielzeit war für den Handballtrainer jedoch der Sieg in Magdeburg. 20 Sekunden vor Schluss hielt Schlussfrau Nina Lampe einen Siebenmeter und sicherte ihrem Team somit den Sieg. „Da war der Jubel natürlich groß“, freut sich Rohlfs noch heute.

Anschließend zog es ihn zum Ligakonkurrenten HSG Hude/Falkenburg: „Wir waren damals Liganeuling. Alle dachten, wir steigen sofort wieder ab. Am Ende haben wir aber einen starken siebten Platz belegt.“ Nach vier Jahren, zwei davon in der Regionalliga, war auch in Hude Schluss. Rohlfs: „Danach wollte ich eigentlich aufhören. Und das nicht zum ersten Mal. Doch dann bin ich noch einmal bei der HSG Delmenhorst gelandet.“

Erst dort endete dann endgültig Rohlfs aktive Trainerkarriere: „Bis auf eineinhalb Jahre habe ich durchgängig als Trainer gearbeitet.“

Prioritäten haben sich geändert

Wer jetzt auf die Idee kommen sollte, Werner Rohlfs als Trainer seiner Handball-Mannschaft verpflichten zu wollen, wird leider enttäuscht. „Auch wenn ein lukratives Angebot auf dem Tisch liegen sollte, sage ich definitiv nein. Es ist nicht so, dass ich es mir nicht noch mal zutrauen würde. Aber ich möchte verreisen, das geht dann alles nicht mehr. Man muss unheimlich diszipliniert sein, das war ich 40 Jahre lang. Die Prioritäten haben sich mittlerweile geändert. Jetzt sind eben die jüngern Leute dran. Ich bin sehr glücklich wie es jetzt ist.“

Auch wenn er heute nicht mehr in den Turnhallen der Region unterwegs ist, die Freundschaften von damals haben gehalten. So steht Rohlfs bis heute noch im regen Austausch mit Heinz-Wilhelm Düßmann oder Inge Breithaupt, die er bei der HSG Hude/Falkenburg beerbte. „Wir treffen uns noch. Unser Verhältnis war damals schon freundschaftlich, und es ist bis heute so geblieben“, freut sich Düßmann: „Werner ist ja eher ein introvertierter, ruhiger Typ. Aber wehe, es wurde gefeiert. Dann gab es kein Halten mehr. Das war unglaublich.“

Und die nächste Feier steht bereits in den Startlöchern. „Ende August sehen wir uns endlich mal wieder“, freut sich Düßmann bereits: „Dann treffen wir uns zu einer Planwagenfahrt in der Lüneburger Heide. Und natürlich ist dann auch der Handball immer ein großes Thema...“

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