ZOLLSTOCK-GESPRÄCH mit Peter Orantek vom SK Kirchweyhe

„Ich schreibe ein Buch über Schach“

Mail-Partien im „Homeoffice“: Beruflich hat Peter Orantek (li., hier mit Kreiszeitungs-Redakteur Gerd Töbelmann) nichts mehr zu tun, beschäftigt ist er aber noch immer.
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Mail-Partien im „Homeoffice“: Beruflich hat Peter Orantek (li., hier mit Kreiszeitungs-Redakteur Gerd Töbelmann) nichts mehr zu tun, beschäftigt ist er aber noch immer.

Peter Orantek setzt große Hoffnungen in die Impfkampagne, damit der Ligabetrieb im Schachsport endlich wieder Fahrt aufnimmt. Zudem verrät der Vorsitzende des SK Kirchweyhe im „Zollstock-Gespräch“, wie die Schachspieler online über die Runden kommen.

  • - Eigentlich sollte im Dezember die Endrunde um den deutschen Mannschaftspokal im Schach in Weyhe stattfinden. Nun ist der Mai angedacht.
  • - Einreise-Verbote aus Nicht-EU-Ländern erschweren die Planungen beim SK Kirchweyhe.
  • - Peter Orantek freut sich auf das Wald-Baden.

Kirchweyhe – Das war wirklich eine große Enttäuschung für Peter Orantek. Der Vorsitzende des Schachklubs Kirchweyhe (SKK) hatte im vergangenen Jahr viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung der Endrunde um den deutschen Mannschaftspokal gesteckt. Der sollte am 5. und 6. Dezember in Kirchweyhe über die Bühne gehen. Doch nach einer Schaltkonferenz mit allen Beteiligten wurde die Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie im November abgesagt.

Jetzt soll am Wochenende 8./9. Mai 2021 ein neuer Anlauf unternommen werden. Im Rahmen eines „Zollstock-Gesprächs“ gibt der 68-Jährige auch Einblicke in sein neuestes Schach-Projekt und wie er die Diskussion um das Impfen sieht.

Welche sind Ihre sportlichen Vorsätze für das Jahr 2021?

Im Mai wollen wir die verschobene Endrunde um den deutschen Mannschftspokal in Kirchweyhe ausrichten. Hoffentlich wird das nicht wieder verschoben oder sogar abgesagt. Mit unserer ersten Mannschaft, die Tabellenführer in der Oberliga ist, würde ich gern in die 2. Liga aufsteigen. Mit der zweiten Mannschaft haben wir den Aufstieg in die Verbandsliga Nord schon geschafft.

Thema Lockdown: Was würden Sie anders machen? Welche Einschränkungen halten Sie für übertrieben?

Im Schach fällt die komplette Saison 2020/2021 aus. Dafür finden Nachholspiele der Saison 2019/2020 statt. Durch den Lockdown fallen alle Online-Ersatzturniere aus oder werden oftmals unterbrochen. Online hat besondere Regeln. Zum Beispiel: keine Ligen, keine Aufstiege, keine Abstiege. Die Einreise der Großmeister ist nur aus der EU erlaubt – für Spieler aus Nicht-EU-Ländern gilt das nicht. Bei Kirchweyhe fehlen also alle Serben oder Mongolen. Wir durften zwei Ausländer aus unserer Aufstellung streichen, um zwei in Deutschland wohnhafte Spieler nachzumelden. Das ist gleichbedeutend mit einer großen Schwächung des Teams. Wenn unsere erste Mannschaft als Tabellenführer der Oberliga nicht aufsteigt, liegt das am Einreise-Verbot der Nicht-EU-Länder. Wenn unsere Pokal-Mannschaft nicht Deutscher Pokalsieger 2020 wird, hat das Einreiseverbot aus Serbien dazu wesentlich beigetragen.

Was ist Ihr nächstes/neues Corona-Projekt?

In Zusammenhang mit unserer Stiftung der Vereinsheim-Bau an der Kirchweyher Straße. Dann werden wir genügend Platz haben, um auch mal für Spiele der ersten Bundesliga gerüstet zu sein.

Welcher ist Ihr Lieblingsort, um Kraft zu tanken beziehungsweise um zur Ruhe zu kommen?

Der Wald. Ich genieße die Ruhe und kann da Kraft tanken.

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Coronazeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktuell größer denn je?

Der Schachklub Kirchweyhe bietet Mail-Partien an, die von vielen Spielern genutzt werden. Zu jedem Zug wird dem schwächeren Spieler eine Analyse gesendet, durch die ein besseres Spielverständnis und eine Stärkung stattfindet. Das ist eine tolle Sache.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Ich schaue kaum Fernsehen. Ich arbeite daran, ein Buch über Schach zu schreiben.

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

Als Rentner habe ich beruflich nichts mehr zu tun. Aber das Mail-Schach ist eine Art von Homeoffice für mich. Für jede beendete Partie verleiht der Verein eine Urkunde. Bei besonders guten Partien erhält der schwächere Spieler zur Urkunde einen Preis.

Corona-Impfung: Ja oder Nein?

Die ist besonders interessant für alle ausländischen Spieler, die durch Impfung mit Impfpass eine Einreise-Genehmigung in die EU erhalten können. Wir sind auf diese Spieler angewiesen. Deshalb bin ich ganz klar für die Impfung, um das Risiko am engen Schachtisch einzudämmen. Ich persönlich würde mich sofort impfen lassen. Ich gehöre zu einer Gruppe, die sofort dran wäre, aber leider gibt es noch nicht genügend Impf-Dosen. Ich hoffe, dass sich das bald ändert.

An der Kirchweyher Straße entsteht ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Dort werden auch einige Räume dem Schachklub Kirchweyhe zur Verfügung stehen. Der Club- und Stiftungsvorsitzende Peter Orantek fiebert dem Baubeginn schon entgegen.

Stadion, Konzert, Theater, Urlaub? Was machen Sie zuerst, sobald es wieder erlaubt ist?

Das tägliche Wald-Bad. Da kann ich völlig abschalten und zur Ruhe kommen. Vor unseren Spielen mit der ersten Mannschaft machen wir das auch und gehen zum Krafttanken in den Wald.

Welche sportliche Schlagzeile wollen Sie 2021 über sich oder den Verein lesen?

Dass wir weiterhin keinen einzigen Corona-Fall in unserem Verein haben, dazu ein coronafreies Bio-Haus gebaut haben und sich sportlich alle Mannschaften durch Aufstiege profiliert haben. Ich hoffe, wir haben im Verein die Corona-Zeit positiv genutzt.

Keine Beiträge für Vereinsmitglieder: Stiftung macht es möglich

Manch einer wird sich vielleicht fragen: Wie wurde etwa das „Schachschloss“ an der Kirchweyher Bahnhofstraße, oder wie wird das neue Gebäude an der Kirchweyher Straße eigentlich finanziert. Aus Beiträgen der Mitglieder des Schachklubs Kirchweyhe (SKK) ist das wohl kaum zu stemmen.

Richtig. Die großen Aktivitäten des SKK sind nur möglich, weil es eine Stiftung mit dem Namen „127Schach-Stiftung“ gibt. Deren Vorsitzender ist Peter Orantek, der zugleich auch Vereinschef ist.

Die Stiftung verfügt in Celle und Kirchweyhe über diverse Immobilien. Für die SKK-Mitglieder hat das den großen Vorteil, dass sie keine Mitgliedsbeiträge bezahlen müssen. Auf dem Grundstück an der Kirchweyher Straße in Kirchweyhe entsteht demnächst (durch die Stiftung finanziert) ein Wohn- und Geschäftshaus, wo auch der Schachklub seine Räumlichkeiten haben wird.

„Das haben wir extra so geplant, dass wir dort dann auch Spiele in der 2. oder später vielleicht 1. Bundesliga austragen können. Dafür sind bestimmte Größen der Räumlichkeiten vorgegeben“, sagt Orantek.

Der SKK belegt in der Oberliga in der unterbrochenen Saison aktuell den ersten Platz, hat aber noch zwei Nachholspiele auszutragen. Die sollen im Februar/März über die Bühne gehen. Ob es wegen der Corona-Krise so kommt, ist noch unklar. Als Tabellenzweiter sitzt der HSK Lister Turm den Kirchweyhern dicht im Nacken. Und gegen die Hannoveraner muss Kirchweyhe im Kampf um den Zweitliga-Aufstieg noch antreten.

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