Comeback mit 43 Jahren

Oldie Oliver Heuer hat „einfach wieder Bock auf Handball“

 Kreisläufer Oliver Heuer (43) von den Hunte-Aue Löwen II wirft.
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Er hebt wieder ab: Kreisläufer Oliver Heuer (43) legt sich für die Hunte-Aue Löwen II ins Zeug – mindestens bis zum Ende der Saison.

Ohne Corona würde er jetzt wieder regelmäßig am Kreis wirbeln: Oliver Heuer, 43 Jahre jung, hat die Lust auf Handball gepackt. Er lebt sie aus bei den Hunte-Aue Löwen II in der Verbandsliga.

  • Oliver Heuer ist nach langer Pause wieder da.
  • Tochter Matilda gibt ihm den Extra-Kick.
  • Corona kann ihn nicht bremsen.

Barnstorf/Lohne – Vor allem mit seinem Speed und seiner Beweglichkeit hat er die gegnerischen Abwehrformationen reihenweise aufgerissen. Oliver Heuer war schwer zu stellen, schwer zu greifen, schwer zu stoppen – selbst von Handballern aus der Regionalliga oder gar der Dritten Liga. Die Glanzzeiten sind allerdings schon recht lange her. Vor zehn Jahren hörte der Kreisläufer bei der HSG Barnstorf/Diepholz auf (und kam 2013/14 noch mal kurz zurück). Doch nun ist er plötzlich wieder da. Ziemlich überraschend. Mit mittlerweile 43 Jahren spielt er erneut für die Barnstorfer, die mittlerweile Teil der neugegründeten HSG Hunte-Aue Löwen sind – in der „Zweiten“, die in der Verbandsliga zu Hause ist. Der Hauptgrund für seine Rückkehr klingt simpel: „Ich hatte einfach wieder Bock auf Handball.“

Oliver Heuers Sehnsucht nach mehr Bewegung

Nun ist es nicht so, dass Heuer in seiner Freizeit nur noch auf der Couch herumlag. Er spielte zwischenzeitlich beim TuS Wagenfeld und später einige Jahre bei Blau-Weiß Lohne. Erst vor drei Jahren zog er einen Schlussstrich. „Es reichte dann auch mal“, erinnert er sich: „Ich habe mich gefragt: Wenn die jungen Leute teilweise keinen Bock zum Training haben, warum schleppe ich mich da immer hin?“ Statt weiter selbst zu spielen, wechselte er an die Seitenlinie und war bis 2019 Co-Trainer bei Lohnes erster Damenmannschaft. Und wenn dort die Beteiligung an den Einheiten mal zu wünschen übrig ließ, „habe ich volles Programm mitgespielt“. Allerdings eben nicht regelmäßig und längst nicht so intensiv wie einst. Stattdessen ging er öfter laufen und ins Fitnessstudio, „aber nicht mehr so oft wie früher, zumal es auch ziemlich teuer ist“. Mit der Zeit, so schildert es Heuer, wuchs dann die Sehnsucht nach seiner alten Sportart. „Ich habe gemerkt, dass ich mich mehr bewegen will. Wenn man seit dem neunten Lebensjahr immer Handball gespielt hat, fehlt einem das irgendwann.“

Es war ein geiles Gefühl, wieder aufzulaufen und ein paar Bälle zu schmeißen

Oliver Heuer über sein Comeback

Es brauchte allerdings zwei Aha-Erlebnisse, um ihm den endgültigen Stups zu geben, es noch mal zu versuchen. In der vergangenen Saison sah er ein Spiel der „Zweiten“ gegen TvdH Oldenburg und dachte, „dass ich echt Lust hätte, wieder dabei zu sein“. Er fragte, ob er mittrainieren darf. Er durfte. Zu einem Testspiel vor der Saison nahm er dann seine Tochter Matilda (4) mit. „Sie findet Handball total gut und ist beim Warmmachen neben mir hergelaufen“, erzählt Heuer mit hörbarer Begeisterung: „Das war für mich ein zusätzlicher Ansporn und hat mich bestätigt, dass es richtig ist, noch mal einzusteigen.“

Sein Pflichtspiel-Comeback gab er am 10. Oktober beim 31:26 gegen die Eickener SpVg. Heuer kam von der Bank („ich kann mich hinten anstellen“), spielte insgesamt etwa 30 Minuten und warf drei Tore. „Das erste war gleich ein Heber, den Torwart ausgeguckt, ein Super-Gefühl“, schwärmt der 43-Jährige: „Da dachte ich: Kerl, du kannst es ja noch.“ Muskelkater habe er hinterher kaum gehabt, sagt er: „Aber ich merke schon, dass ich keine 20 mehr bin und ein bisschen mehr tun muss, etwa im konditionellen Bereich. Wenn es gelegentlich zwickt und zwackt, zum Beispiel noch mehr dehnen. Ich höre in meinen Körper rein.“

Ich kann wirklich nichts Schlechtes über ihn sagen - selbst wenn ich suchen würde

Malte Helmerking, Coach der HSG Hunte-Aue Löwen II

Insgesamt habe er festgestellt, auch in puncto Verbandsliga-Tempo noch gut mithalten zu können – auch wenn er nicht mehr ganz so drahtig daherkommt wie vor 15 Jahren. Heuer versucht, zweimal pro Woche aus seinem Wohnort Lohne zum Training zu kommen – momentan sind es zwei Laufeinheiten. Dass die „Löwen“ nach nur zwei Partien durch die Corona-Zwangspause ausgebremst wurden und erst 2021 weiterspielen dürfen, verdirbt ihm nicht den Spaß. Deshalb gleich wieder aufhören? Auf keinen Fall! „Ich ziehe diese Saison voll durch“, verspricht der kaufmännisch-technische Angestellte: „Und wenn ich mich gut fühle und es zeitlich schaffe, hänge ich vielleicht auch noch eine dran.“ Eine Rückkehr in die „Erste“ (Oberliga) ist jedoch kein Thema. „Ich glaube eher nicht“, sagt Heuer und lacht.

Coach Helmerking begeistert: „Olli ist ein Segen für uns“

Heiner Thiemann war „erstaunt“, dass Oliver Heuer sein Comeback bei der HSG Hunte-Aue Löwen II gegeben hat. Aber auch „erfreut“, dass ein Ehemaliger zurück im Verein ist. Der Coach der „Ersten“ glaubt durchaus, dass das Ganze funktionieren kann: „Oliver ist etwas fülliger geworden, hat sein handballerisches Rüstzeug aber nicht verloren.“ Thiemann kennt den inzwischen 43-Jährigen schon ewig und hat ihn als „guten, schnellen und wendigen Mann“ in Erinnerung. Von der E- bis zur B-Jugend und dann auch jahrelang im Herrenbereich war der 69-Jährige Heuers Trainer. Zuletzt hat er ihn beim Revival-Turnier in Aktion gesehen. Beim XXL-Ehemaligentreffen der HSG (immer kurz vor Weihnachten, in diesem Jahr wegen Corona jedoch nicht) war Heuer zwei-, dreimal dabei.

Die frischesten Eindrücke vom Rückkehrer hat freilich Malte Helmerking (35), der Coach der Verbandsliga-Mannschaft und ehemalige Mitspieler Heuers in der „Ersten“: „Wir wohnten beide in Barnstorf und sind damals zusammen zu den Heimspielen gefahren, haben uns immer gut verstanden.“ Weil Helmerking natürlich um die Qualitäten des Ex-Teamkollegen weiß, war er heilfroh, als dieser von seinen Comeback-Plänen berichtete. „Er ist ein Segen für uns! Diesen Handball-Sachverstand und dieses Spielverständnis – das hat man oder hat man nicht. ,Olli‘ hat es“, schwärmt Helmerking und fügt grinsend an: „Wie fies es zum Beispiel ist, wenn er seine Sperren stellt, weiß ich aus eigener, schmerzhafter Erfahrung.“ Heuer sei „noch immer sehr robust“ und könne der Mannschaft mit seiner Erfahrung enorm helfen. „Vor dem Tor ist er ein abgezockter Typ“, findet Helmerking. Und auch abseits des Spielfeldes bringt sich Heuer bereits voll ein und „drängelt sich nicht in den Vordergrund“. Als die „Löwen“ zwischen den Lockdowns nach einer Location für ihren Teamabend suchten, „hat sich ,Olli‘ sofort gemeldet und im Garten des Hauses seiner Freundin alles organisiert. Auch als Mensch ist er top.“

Zwar reiche die Ausdauer aktuell noch nicht für 60 Minuten, und besonders im Abwehrverhalten müsse Heuer noch zulegen – dennoch ist er für Helmerking schon jetzt eine wertvolle Option. Gemeinsam mit Dimitri Hofmann bildet er „ein sehr gutes Gespann“ am Kreis. Und sollte der Lohner tatsächlich über die Saison hinaus bei der HSG weitermachen, wäre Helmerking begeistert: „Das würde ich sofort unterschreiben.“

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