Nordsulingens Allzweckwaffe 

Bjarne Meyer überzeugt in mehreren Mittelfeld-Rollen

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Außen, Achter, Zehner: Bjarne Meyer (am Ball) ist im Mittelfeld des FC Sulingen variabel einsetzbar, fast unkaputtbar – und ziemlich torgefährlich. 

Sulingen - In der Halbzeitpause stellte Stefan Rosenthal am Sonntag um – von der Mittelfeld-Raute aufs bewährte 4-1-4-1-System des FC Sulingen. Dafür musste Bjarne Meyer jedoch auf die rechte Mittelfeldseite des Bezirksligisten rücken, „und sein Blick zeigte mir, dass er damit gar nicht einverstanden war“, berichtete FC-Trainer Rosenthal aus der Kabine.

Um dem Augenkontakt mit dem 19-Jährigen zu entgehen, „habe ich lieber schnell wieder auf die Taktiktafel geguckt“. Gut 45 Minuten später, nach dem 3:0-Sieg des Tabellenzweiten über den TuS Drakenburg, nahm „Thaler“ Meyer zur Seite: „Da musste ich ihm sagen, dass der Trainer manchmal doch Recht hat. . .“ Richtig! Denn Meyer entschied mit seinen beiden Toren nach der Pause das Spiel – übrigens sein 17. von 17 möglichen Startelf-Einsätzen für die Nordsulinger. Nur 30 Minuten verpasste er seit August durch vier späte Auswechslungen. Ein erstaunliches Pensum für einen, der gerade aus der A-Jugend gekommen ist. „Manchmal bin ich schon kaputt, zum Beispiel zuletzt am Sonntag“, gesteht der Rechtsfuß mit Blick auf seine Herausnahme in Minute 78. Gelegentliche Blessuren kämen ebenfalls mal dazu, „aber ich will mich durchbeißen, weil wir sowieso schon so viele Verletzte haben. Und dann bin ich froh, wenn ich mal zurückzahlen kann.“

Schwarz auf weiß stellt sich das Zurückgezahlte während jener 1 500 Spielminuten in bisher sieben Toren dar. Nicht protokolliert ist die Zahl seiner Assists. Doch es waren viele, erinnert sich Rosenthal: Dieses „hohe Maß an Effizienz im letzten Drittel“ habe meherere Ursachen, erläutert der Coach – und nennt als Beispiele Meyers hohes Tempo bei Umschaltsituationen, seinen konsequenten Zug zum Tor und die „gute Übersicht für den letzten Pass“. Zudem bringe er eine für sein Alter „enorme körperliche Robustheit“ mit.

Davon hat sich der Blondschopf spätestens in der abgelaufenen Saison einiges zugelegt – parallel bei den Bezirksliga-A-Junioren der JSG Bruchhausen-Vilsen und der Ersten Herren seines Heimatvereins TSV Süstedt, dem er mit acht Toren zum Sprung in die 1. Kreisklasse verhalf. Danach „wollte ich es höherklassig probieren, und wenn ich es nicht geschafft hätte, wäre ich eben wieder nach Süstedt gegangen. Aber dass es so gut klappt und ich immer spiele, konnte ich natürlich nicht erwarten“, freut sich der Azubi.

Rosental begründet dies mit der Vielseitigkeit, „Abgezocktheit und Spielintelligenz“ des als Achter, Zehner oder eben außen einsetzbaren Allrounders: „Ungeachtet des ganzen taktischen Geredes: Bjarne hat einfach immer Bock zu kicken. Anders als bei anderen in seiner Altersklasse hat das bei ihm absolute Priorität – ohne Nebenkriegsschauplätze.“ Wegen des so oft bemühten Geburtstags der Oma eine Übungseinheit oder gar ein Spiel zu verpassen, „käme ihm nicht in den Sinn. Stattdessen kommt die ganze Familie samt Oma und Opa für die Spiele zu uns auf den Platz.“

Der bescheidene Meyer sieht die Gründe für seinen Stammplatz eher darin, „dass bei uns so viele Leute ausgefallen sind – auch auf meiner Position.“ Gleichwohl stimmt er zu, dass ihm der familiäre Rückhalt sehr wichtig ist: „Meine Eltern, Großeltern und mein jüngerer Brunder, wenn er nicht selbst spielen muss, sind fast immer dabei. Es ist doch schön, wenn alle so zusammen den Sonntag verbringen.“

Vater Stephan Meyer, der mit Rosenthal als Spieler früher mehrfach die Klingen kreuzte, war es auch, der ihm zum Wechsel geraten habe: „Er kannte ,Thaler’ und wusste, dass er und der Verein gute Arbeit leisten“, berichtet sein Filius, der im Sommer in Sulingen seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann begonnen hat. Arbeit von 8 bis 17.15 Uhr, danach zweimal die Woche oft direkt zum Training – ein ziemliches Pensum, doch Meyer macht es Spaß: „Wir haben einen Top-Trainer, der sich mit jedem Gegner intensiv auseinandersetzt, der Zusammenhalt im Team ist super. Ich habe mich schon beim Probetraining auf Anhieb wohlgefühlt.“

Seitdem ist er aus dem Kader „nicht mehr wegzudenken“, betont Rosenthal. Einmal grübelten er und sein Trainerpartner Frank Fischer ´jedoch, ob sie ihm nicht zu viel zumuten. Doch erstens ließ die personelle Lage mal wieder keine Pause für den „Neuen“ zu, zweitens „war er in so einer tollen Verfassung, dass wir uns fragten, warum wir ihn bremsen sollten“.

Also blieb Bjarne Meyer drin – und hofft, mit den Nordsulingern den eingeschlagenen Weg fortsetzen zu dürfen: „Für den Rest der Saison wünsche ich mir, dass wir alle gesund und möglichst lange da oben bleiben. Platz zwei und 35 Punkte – das hätte vorher wohl keiner von uns erwartet.“

Für weitere positive Überraschungen würde er sogar wieder die rechte Mittelfeldseite besetzen, „wenn es uns hilft“, verspricht Nordsulingens Allzweckwaffe.

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