„Nichtwähler“ alarmieren Henze

Saison-Zukunft der Fußballer: 1000 Clubs landesweit ohne Meinung

Immerhin: „Der Termin fürs nächste Hallenmasters steht“, witzelt der Diepholzer Fußballkreis-Vorsitzende Andreas Henze (rechts, hier bei der Siegerehrung der vorherigen Auflage Anfang Januar mit Pascal Löhmann vom Sieger TuS Sulingen). Ob und in welcher Form es aber mit der Freiluftsaison weitergeht, weiß auch er nicht. ARCHIVFOTO: REHNERT
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Immerhin: „Der Termin fürs nächste Hallenmasters steht“, witzelt der Diepholzer Fußballkreis-Vorsitzende Andreas Henze (rechts, hier bei der Siegerehrung der vorherigen Auflage Anfang Januar mit Pascal Löhmann vom Sieger TuS Sulingen). Ob und in welcher Form es aber mit der Freiluftsaison weitergeht, weiß auch er nicht.

Diepholz - Zwei Tage nach dem deutlichen Votum der Fußballvereine für einen Saisonabbruch ist Andreas Henze noch immer nachdenklich. Die fast 71-prozentige Ablehnung der Idee des Niedersächsischen Fußballverbands, der sich für ein „Einfrieren“ der Spielzeit bis zum Spätsommer ausgesprochen hatte, stört den Vorsitzenden des Fußballkreises Diepholz dabei weniger, „denn es ist ein demokratischer Prozess – und dass dabei auch subjektive Sichtweisen eine Rolle spielen, ist völlig normal.“

Viel mehr grübelt Henze über die Zahl der „Nichtwähler“ bei dieser so wichtigen Entscheidungsfindung: „Dass sich von 2 600 Vereinen in Niedersachsen fast 1 000 gar nicht zurückgemeldet haben, ist schon eine Hausnummer.“ Handelt es sich vielleicht um Gleichgültigkeit kleinerer Clubs mit nur einer Mannschaft? Oder um die schlichtweg von einigen Spartenleitern übersehene Aufforderung zur Abstimmung? Oder, und das wäre laut Henze „das Schlimmste“, um Frust, weil der Verband sowieso entscheide, wie er wolle?

Das lässt sich wohl nie ganz klären. Sicher scheint hingegen, dass der NFV in Barsinghausen angesichts des überdeutlichen Nein zu seinem Vorschlag praktisch nicht mehr mit einem halbwegs geregelten Saisonende planen kann. Rein rechtlich dürfte er die Serie zwar (wann auch immer) durchziehen, weil sich sowohl das Präsidium als auch der Verbandsvorstand einstimmig für diese Unterbrechung ausgesprochen hatten. Vielleicht muss er sogar auf eine Fortsetzung drängen, da er laut Satzung für einen sportlich fairen Wettkampf bis zum Ende zu sorgen hat: Aufgabe des NFV ist demnach, „. . . in Wettbewerben der Amateur-Spielklassen die Meister, in Pokalwettbewerben die Sieger ermitteln zu lassen und die hierzu notwendigen Regelungen im Rahmen seiner Ordnungen zu treffen“. Alles andere öffnet Tür und Tor für juristische Auseinandersetzungen.

Henze könnte sich daher vorstellen, dass die Entscheidung über Pause oder Abbruch doch noch nicht endgültig feststeht. „Ich hoffe aber im Sinne der Glaubwürdigkeit, dass der Verband jetzt nicht sagt: Schön, dass die Vereine eine Meinung haben – wir haben eine andere.“

Stattdessen sollen die am Freitag in der Videokonferenz gesammelten Argumente der Vereine an die Kreisvorsitzenden nun geordnet und vielleicht erneut zur Diskussion gestellt werden. Am Dienstag tagt der Verbandsvorstand erneut, um weitere Schritte zu besprechen. Zudem warten die Funktionäre gespannt auf die nächsten Entscheidungen von Bundes- und Landespolitik. Denn die bisherigen Einschränkungen gelten zunächst bis zum 3. Mai. „Vielleicht helfen uns Neuigkeiten von dort ja bei unserer Entscheidungsfindung“, wünscht sich Henze: „Bisher hat sich beim Verkünden von Maßnahmen ja noch niemand zum Amateursport geäußert.“

Mit der Resonanz aus den Fußball-Abteilungen seines Gebiets ist er hingegen sehr zufrieden. Nur acht von 66 Clubs hatten sich nicht gemeldet, mit den übrigen gab es teils angeregte Diskussionen – bis zur abschließenden Videokonferenz am Mittwochabend, die Henze als zusätzliche Informationsmöglichkeit eingerichtet hatte. Die oft kreativen Vorschläge „haben mich sehr gefreut“, schildert der Bassumer.

Zwischen Samstag und Mittwoch hatte er allein gut 20 Stunden Kommunikation mit den Club-Verantwortlichen aufgewendet – telefonisch oder per Mail. Weiterer Aufwand durch das Lesen und Gewichten der Alternativ-Ideen noch gar nicht mitgerechnet. „Diese Zeit spielt bei so etwas Wichtigem aber keine Rolle“, beschwichtigt Henze.

Als einer von nur vier Kreisverbänden stimmte Diepholz mehrheitlich für das NFV-Konzept, die 29 übrigen schmetterten es ab. Laut Henze hänge dies auch mit teils fehlenden Hintergrundinformationen zusammen: „Nicht überall wurde klar dargestellt, welche Auswirkungen ein Saisonabbruch hat.“ Im Fall der kompletten Annullierung würden nämlich die Aufstiegsaspiranten in die Röhre gucken, bei Aufsteigern ohne gleichzeitige Absteiger „könnten wir unsere 3. Kreisklassen abmelden“. Die drei Staffeln würden nämlich faktisch ausbluten, weil sie Aufsteiger abgeben müssten, aber „nichts von unten bekämen“. Gravierender gestalte sich das Problem jedoch weiter oben: „Da gab es ja aus einem Kreis den Vorschlag, in jedem Bezirk nicht mehr mit einer, sondern mit zwei Landesligen zu spielen – das wären dann insgesamt acht in Niedersachsen“, rechnet Henze vor: „Da würden sich dann im Jahr darauf die Oberligisten angesichts der acht Absteiger bedanken.“

Möglicherweise startet der NFV daher noch eine Offensive mit solchen Hintergrund-Informationen. Doch eine anschließende erneute Abstimmung „bei so einem deutlichen Ergebnis macht keinen Sinn“, denkt Henze.

Info: Extra-Verbandstag als Video-Konferenz? 

Will der Niedersächsische Fußballverband die Saison abbrechen, muss dies das höchste Gremium beschließen – der Verbandstag. Die Vollversammlung hätte in diesem Herbst ohnehin tagen müssen – wie immer im Drei-Jahres-Rhythmus. Zurzeit besteht das Problem in der Masse der Menschen: Allein fast 300 Delegierte kamen da 2017 zusammen – Ehrengäste, Mitarbeiter und Medienvertreter noch nicht mit eingerechnet. Angesichts der Coronakrise läuft es zumindest für den außerordentlichen Verbandstag, der „nur“ den Saisonabbruch beschließen müsste, auf eine Videokonferenz hinaus. „Der DFB hat dafür bereits aus rechtlicher Sicht grünes Licht gegeben“, erklärte der Diepholzer Fußballkreis-Vorsitzende Andreas Henze.

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