START IN DIE SAISON Verletzter Taiki Hirooka freut sich auf Trainer-Job in Sulingen

Die neue Chance lindert den Schmerz

Röntgenbild auf dem Smartphone: Das AC-Gelenk in der linken Schulter von Taiki Hirooka war herausgesprungen. Der Mittelfeldmann wird zumindest drei Monate nicht auf dem Fußballplatz des TuS Sulingen stehen dürfen. Foto: Krüger

Sulingen - Von Cord Krüger. Es nervt ihn. So sehr, dass Taiki Hirooka oft an diesem Dreieckstuch herumzupft. Doch der Mittelfeldmann des TuS Sulingen muss noch länger mit jenem Fremdkörper leben, der seinen linken Arm in der abgewinkelten Stellung hält. „Immerhin: In zwei Wochen darf ich wieder joggen. Eigentlich könnte ich dann auch mit dem Ball arbeiten – aber eben nicht spielen. Das dauert noch mindestens drei Monate.“ Hirookas ansteckendes Lächeln verschwindet, als er aus der TuS-Vereinsgaststätte ins Fußballstadion des Landesligisten blickt. Sein neuer Trainer Walter Brinkmann hatte viel mit dem versierten Japaner vor. „Walter wollte mich zum Führungsspieler aufbauen, ich sollte mehr Verantwortung übernehmen – und jetzt diese Sch. . .-Verletzung.“ Es ist das einzige böse Wort jenes Gesprächs, das aus dem so höflichen Hirooka herauspurzelt.

Sein Malheur passierte in Sulingens erstem Auftritt während des Württemberg-Cups: Im Spiel gegen den TSV Okel fiel der 29-Jährige nach einem Foul auf die Schulter. Die Bänder des AC-Gelenks, das Schulterdach und Schlüsselbein verbindet, rissen. In der Klinik fixierten die Ärzte das Schlüsselbein mit Drähten. Die bleiben nun drei Monate drin, ehe sie wieder operativ rauskommen.

Doch Hirooka wäre nicht Hirooka, wenn er nicht schnell wieder lächeln und nach vorn blicken würde. Da trifft es sich umso besser, dass Brinkmann zusätzlich noch anderweitig mit ihm plant. Denn der 57-Jährige baut ihn ins Trainerteam des von ihm geleiteten DFB-Stützpunkts Sulingen ein. Dort kommen die vielversprechendsten Talente des Kreises zusammen. „Montags ist Training, an den Wochenenden bin ich mit den Kreisauswahlen auf Turnieren, zwischendurch sichte ich die besten Spieler in den Clubs“, beschreibt der Mann aus Japans Millionen-Metropole Osaka seine zusätzlichen Aufgaben – neben dem Hauptjob in einer großen Sulinger Firma für Export- und Industrieverpackungen und den wöchentlich drei Einheiten plus Spielen mit der ersten TuS-Herren. Hirooka freut sich auf die Zeit im Stützpunkt. Der B-Lizenz-Inhaber möchte jetzt seine DFB-Elite-Lizenz in Angriff nehmen, denn „nach meiner aktiven Zeit will ich ja Trainer werden.“ Sein Idol in der Branche: Pep Guardiola. „Ich lese gerade ein Buch über ihn und sehe mir die Dokumentationen von Manchester City an“, verrät der 1,73-Meter-Mann mit funkelnden Augen: „Seine Philosophie fasziniert mich.“

Klar, dass er damals, im August 2013 und noch im Dress des BSV Rehden, sofort nach dem Abpfiff des Rehdener DFB-Pokal-Auftritts gegen Bayern München Guardiola suchte. „Meine Mitspieler liefen herum, um Trikots zu tauschen. Aber ich wollte unbedingt zu Pep und ihm die Hand geben.“ Er schaffte es, und der Starcoach sagte ihm nach dem achtbaren 0:5 des BSV: „Gut gespielt.“

Hirooka selbst hatte ebenfalls schon einige Trainer – allein fünf in seinen vier Jahren beim Regionalligisten in Rehden. „Alle waren gut. Björn Wnuck hat mich begeistert, wie er mit jungen Leuten gearbeitet hat. Andreas Petersen war total lustig, und mit Alexander Kiene und Fabian Gerber hatten wir den meisten Erfolg.“ Als sein großes Vorbild nennt er jedoch Maarten Schops, der ihn in den vorigen vier Serien beim TuS Sulingen gecoacht hatte: „Einerseits hat Maarten ein tolles Training angeboten, andererseits war er früher selbst Profi.“ Doch an ein Engagement auf diesem Level als Übungsleiter denkt er nicht: „Die A-Lizenz ist erstmal kein Thema für mich.“

Sprachliche Barrieren muss der ehrgeizige Sulinger nicht befürchten, denn er hat alle Unwägbarkeiten deutscher Grammatik bestens verinnerlicht. Wenn Taiki Hirooka etwas macht, dann eben richtig.

Entsprechend akribisch tüftelte er im stillen Kämmerlein an Trainingsplänen für die Sulinger B-Junioren, die er in der Winterpause übernommen hatte. „Dann war alles fertig, am nächsten Tag sagte einer nach dem anderen ab – und ich konnte vieles wieder vergessen“, berichtet der 29-Jährige: „In dem Alter lassen sich die Jungs immer was Kreatives als Ausrede einfallen!“ Anfangs ärgerte ihn das. „Aber später habe ich Alternativpläne erstellt – für unterschiedlich viele Leute.“ Spaß machte ihm die Arbeit mit der Bezirksliga-B-Jugend trotzdem. „Aber ich musste lernen, lauter zu werden“, gesteht der Mann, der sonst auf dem Platz meist klaglos Fouls einsteckt. Immerhin: Es blieb bei körperlichen Attacken. Fremdenfeindliche Äußerungen trafen ihn bisher fast nie. „Ich kann das aber überhören. Es ist eben ein Stück deutsche Kultur“, meint Hirooka – und lacht wieder.

Insgesamt denkt der 29-Jährige, dass er alles richtig gemacht hat. „Deutschland ist mein Traumland. So, wie es gelaufen ist, war es gut. Und meine Freundin hätte ich sonst auch nie getroffen.“ Elli stammt aus Sulingen – und sie mosert nicht, wenn ihr Taiki so oft wegen des Fußballs fort ist. Dass wegen seiner Verletzung nun der gemeinsame Italien-Urlaub platzte, „hat sie natürlich auch geärgert. Aber sie versteht mich und sagt: Gesundheit geht vor.“ Wie wahr.

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