Lokalsport-Kolumne

Nachspielzeit: Ich, der Nagus?

Ein Beitrag von Arne Flügge. Wenn „Porno“ in der Mitte völlig blank steht, „Palette“ im Vorfeld tiefstapelt, „Memo“ zum Flugkopfball abtaucht, „Geisel“ sich befreien kann und „Wickie“ erneut die rettende Idee hat – dann ist Showtime im Fußball. Spitznamen gehören dazu, wie der Senf zur Stadionwurst.

Und das bis in die höchsten Ligen. Wer erinnert sich nicht gern an „Ente“ Lippens, den stürmenden Watschelmann aus Essen, an „Häuptling Silberlocke“, den Ex-Bundestrainer Jupp Derwall, oder an „Fischken“. Fischken? Ja, das war Willi Multhaup, Werders Meistertrainer 1965. Seine Eltern hatten in der Heimat ein Fischgeschäft. Multhaup gilt übrigens als Erfinder des Liberos und holte so mit Helmut Jagielski, genannt „Jaggel“, auf der „5“ den Titel. Der erste „Kaiser“ kommt also aus Bremen!

So, nun aber genug abgeschweift. Zurück zur Gegenwart. Und da hat es mich richtig hart erwischt – zumindest redaktionsintern. Eigentlich wollte ich darüber schweigen. Doch ich muss es einfach mal loswerden. Ein Kollege, der den Clown nicht nur täglich frühstückt, sondern ihn schon mit der Muttermilch aufgesaugt haben muss, nannte mich vor einiger Zeit plötzlich Nagus. Er erhöhte dann vom Großen Nagus auf den Riesennagus. Das sei irgendeine Filmfigur, wie er sagte. 

Ich kannte diesen Nagus nicht und habe mir auch nichts dabei gedacht. Nur, dass der Kollege mal wieder ein ausgiebiges Frühstück gehabt haben muss. Bis ich jetzt durch Zufall beim Googeln auf ihn gestoßen bin – nicht auf den Kollegen, auf den Nagus natürlich.

Arne Flügge

Was für ein Schock: Diese hässliche Fratze aus Star Trek – und ich? Da vergleicht mich der Kollege tatsächlich mit diesem Schreckgespenst?

Selbstversuch: Ich stelle mich vor den Spiegel, auf meinem Handy ein Nagus-Foto. Ich vergleiche. Und komme zu dem Schluss: Meine Gesichtsfalten sind längst nicht so tief eingefurcht, zudem habe ich Haare auf dem Schädel. Die riesigen Ohren muss ich in meinem Job aber tatsächlich manchmal haben. Unterm Strich ist der Große Nagus also das Abbild eines Sportreporters, der seit über 30 Jahren fast täglich im Einsatz ist? Danke, Kollege, vielen Dank.

Vor allem aber habe ich mit der fetten, verwarzten Knolle, die der Nagus seine Nase nennt, so meine Probleme. Und daher sollte mein Kollege mal schnell Abbitte leisten...

Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass der Große Nagus bei Star Trek oder wie das heißt hässlich wie die Nacht, aber mit viel Macht ausgestattet ist. Er ist der uneingeschränkte Herrscher, der Boss in seiner Truppe, sein Wort ist Gesetz. Vielleicht hat der Kollege ja diese Seite des Nagus’ gemeint, als er mir den Spitznamen verpasst hat. Wie? Nein?! Ist klar. Wäre ja auch zu schön gewesen.

P.S: Ich habe übrigens seit fast 40 Jahren einen Spitznamen: Dottore – der Doktor. Woher? Ganz einfach: Mein Papa ist Arzt.

Vergesst also den Nagus. Und sucht bei mir nicht die tiefen Furchen, die verwarzte Nase und die Mega-Löffel, wenn wir uns das nächste Mal auf dem Sportplatz sehen . . .

Zur letzten Nachspielzeit: Lebende Legende voller Leidenschaft

Rubriklistenbild: © dpa

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