NACHSPIELZEIT

Schöner Abend? Von wegen!

Freitagabend. Toller Rasen. So um die 20 Grad. Perfektes Fußball-Wetter. Co-Trainer Herbert Raffetseder wollte das Match der A-Junioren der JSG Drebber im Bezirkspokal gegen Sachsenhagen genießen. Auf der Bank vielleicht mit den Ersatzspielern den einen oder anderen Spruch austauschen oder den Jungs auf dem Feld Mut machen. Alles entspannt, denn Matthias Schmidt (ebenfalls eigentlich Co-Trainer) hatte an der Linie für den erkrankten Marco Wilke das Sagen.

Doch es kam, wie so oft im Sport, wieder einmal ganz anders. Beim Ausfüllen des elektronischen Spielberichts stellte sich heraus, dass die Technik nicht spurte. Also zurück zur Dino-Zeit des Ausfüllens. Zum Glück konnte Drebbers „Co“ noch Papierbögen auftreiben. Einen davon brachte er zum Gegner, dessen Betreuer kurz zuckte, dann aber brav ausfüllte. Als Raffetseder das Papier wieder an sich nahm, um das eigene Team einzutragen, ging sein Puls etwas in die Höhe. Grund: Sachsenhagen hatte sein Team da eingetragen, wo eigentlich die Namen und Passnummern der Gastgeber stehen. Okay. Dann eben mit Drebber in die freien Zeilen für den Gast. Immer im Hinterkopf: „Das muss ich später ja auch noch dem Schiri erklären.“

Doch mit dem entspannten Schauen des Spiels (Drebber führte da schon mit 1:0) war es nichts. Der Mann von der Presse, also ich, wollte auch die Namen haben. Nicht so einfach. „Sorry, aber unser Kopierer im Vereinsheim ist leider defekt“, zuckte Raffetseder nur mit den Schultern. Okay. Also abschreiben vom Papier. Dabei kam ich bis zur Nummer fünf. „Den hab’ ich noch nicht eingetragen, weil ich seinen Nachnamen nicht kenne. Ist ja noch früh in der Saison“, entschuldigte sich Raffetseder. Auch die Jungs auf der Bank wussten nicht viel mehr als „Niklas“. Als Niklas dicht an der Seitenlinie stand, fragte ihn Drebbers „Co“: „Niklas, wie heißt Du mit Nachnamen?“ Der Angesprochene erschrak fast, wollte er doch gerade einen Sachsenhagener Angreifer neutralisieren, um dann kurz „Heitz!“ zu schreien und sich wieder seinem Gegenspieler zuzuwenden.

Kurz vor der Pause ging Drebber mit 2:0 in Führung. Auch das bekam Raffetseder nicht mit, weil er sich mit dem Uralt-Spielbericht schon auf den Weg zur Schiri-Kabine gemacht hatte, um dem guten Mann den Sachverhalt zu erklären.

Dann wenigstens die zweite Halbzeit und den Einzug in die zweite Runde genießen. Pustekuchen: Sachsenhagen glich tatsächlich noch aus und gewann danach auch noch das Elfmeterschießen. Dabei hätte es für Raffetseder ein so schöner Abend werden sollen . . .

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