NACHSPIELZEIT

Marcel Stutters Metamorphose

Normalerweise führt der Weg eines Fußballers mit den Jahren ja einen oder zwei Mannschaftsteile nach hinten - Von Cord Krüger. vom Stürmer zum Zehner, vom Zehner zum Sechser und von dort manchmal noch ins Abwehrzentrum. Bekanntestes Beispiel aus unseren Breiten: Marc Pallentien, Knipser der 90er und frühen 2000er Jahre, heute mit zarten 45 Jahren nach wie vor Erstherren-Spieler, als Innenverteidiger des Kreisliga-Fünften Barnstorfer SV.

Bei Marcel Stutter, einem früheren Vorkämpfer des BSV Rehden, vollzog sich die Metamorphose in umgekehrte Richtung – vom Sechser zum Stürmer. Als solcher kehrte er am Samstag mit dem frisch gebackenen Regionalliga-Meister VfL Wolfsburg II zurück an seine alte Wirkungsstätte.

Erinnerungen an Heldentaten wurden wach – an einen Stutter im dreck- und auch mal blutbeschmierten BSV-Trikot. Von Herbst 2014 bis Sommer 2016 zog das Kraftpaket im defensiven Mittelfeld der Schwarz-Weißen zig Offensivkräften den Stecker – nie unfair (keine Rote Karte), bisweilen archaisch-kompromisslos, selten durch Hypnose. Da kamen schon mal zwei Gelbsperren pro Saison zusammen – wie 2015/16, seiner letzten für Rehden vor dem Wechsel nach Wolfsburg. In seinem ersten Jahr für die Wölfe blieb sich Stutter dahingehend treu und führte die teils neun Jahre jüngeren Teamkollegen auf seine Art an den Männersport heran (zwölf „Gelbe“ in 29 Spielen).

Jetzt, da vorn in der Spitze, kassiert der 31-Jährige deutlich weniger Kartons – nur zwei in der gerade beendeten Spielzeit. Im Alter wird man anscheinend ruhiger und freut sich sogar über Blumen – wie jenes Gebinde, mit dem BSV-Vorsitzender Friedrich Schilling VfL-Kapitän Stutter zur Meisterschaft gratulierte.

Vielleicht kommt für den Jungen aus Kamen nun noch eine weitere Auszeichnung dazu: Morgen Abend in Wolfsburg und im Rückspiel am Sonntag in München geht’s für die Wölfe gegen Bayern München II um den Aufstieg in die Dritte Liga. Wir wünschen viel Erfolg – selbst auf die Gefahr hin, Stutter live in Rehden so schnell nicht mehr zu Gesicht zu bekommen.

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