In der Jugend kickte er beim FC

„Neuzugang“ Lennart Greifenberg hat Rot für Grün eingetauscht und greift beim TuS Sulingen an

Lennart (li.) und Rolf Greifenberg
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Hin-  und  hergerissen: Vater Rolf Greifenberg hätte seinen Sohn Lennart auch gern wieder im Trikot des FC Sulingen gesehen, nachdem der Dress des TuS Bersenbrück wie auf diesem Bild in den Hintergrund gerückt war. Am Ende entschieden sich die Greifenbergs aber doch für den TuS Sulingen.

Lennart Greifenberg ist am vorläufigen Ende seiner kleinen Odyssee angelangt: Aus der höchsten deutschen A-Jugend-Klasse ging es für den heute 20-Jährigen über die Oberliga zum TuS Sulingen.

Sulingen – Es war ein schmerzhafter Moment – doch nachdem das runde Leder den kleinen Lennart Greifenberg mit voller Wucht am Kopf erwischt hatte, „habe ich mich auf dem Platz nur noch auf Fußball konzentriert“, erinnert sich der heute 20-Jährige an diese Schlüsselszene vor gut eineinhalb Jahrzehnten zurück. „Damals, als Vierjähriger, hat man im Spiel ja mal hier- und mal dorthin geguckt“, schildert Greifenberg grinsend.

Den Eckball bemerkte der Steppke nicht – und schon brummte die Birne. „Aber da wurde bei mir ein Schalter angeknipst.“ Nach diesem Moment bei den Kleinsten des FC Sulingen blieb Greifenberg fokussiert, wirbelte bis zur D-Jugend bei den Nordsulingern, etablierte sich beim ambitionierten JFV Rehden in der C-Jugend, feierte mit den JFV-A-Junioren den Aufstieg in die Regionalliga – ehe ihn nach der ersten Corona-Zwangspause eine kurze, aber intensive Odyssee über die Oberliga zurück in seine Heimatstadt führte. Zwar nicht zum FC, aber zum TuS Sulingen, wo der Lehramtsstudent zwar schon seit Januar zum Landesliga-Kader zählt, wegen des sportlichen Lockdowns samt Saisonabbruch aber faktisch als Neuzugang gilt.

TuS-Trainer Thorolf Meyer kann Greifenberg im zentralen Mittelfeld „überall bringen“

Seinen Trainer Thorolf Meyer hat er dennoch längst überzeugt. „Man merkt, dass Lennart während der Corona-Zeit viel für sich selbst trainiert hat. Und, dass er Verantwortung übernehmen kann. Nicht umsonst war er in Rehden zuletzt Kapitän“, weiß „Toto“ über Greifenbergs letztes Jugend-Jahr in der höchsten deutschen A-Junioren-Liga: „Er ist super ausgebildet. Ihn können wir überall im zentralen Mittelfeld bringen.“

Für Greifenberg scheint sich damit einiges zum Guten zu wenden, wie er selbst sagt: „Die Stimmung und die Qualität in der Mannschaft sind sehr gut, ich bin hier super aufgenommen worden. Auch mit den ersten Trainingseinheiten bin ich zufrieden. Wir sind zwar eine relativ junge Truppe, vielleicht fehlen auch noch ein, zwei Neue – aber Hauptsache, es wird nicht wieder ein 27-Mann-Kader wie beim TuS Bersenbrück.“

Viel Pech beim TuS Bersenbrück

Dorthin hatte es Greifenberg nach dem Abschied aus Rehdens A-Jugend gezogen. Die Nähe zu seinem Studienort Osnabrück und die Option auf Leistungsfußball in der Oberliga hatten im Sommer 2020 den Ausschlag für seine Wahl gegeben. Wie immer in seinem bisherigen Leben ging das nicht ohne den Rat seines Vaters Rolf, zu FC- und JFV-Zeiten lange Jahre Betreuer des Filius in diversen Mannschaften. „Mama und Papa haben mich immer unterstützt, in Sachen Fußball ist Papa mein erster Ansprechpartner. Und wir fanden die Möglichkeit, es in der Oberliga zu versuchen, auch am besten. Im Nachhinein muss man aber sagen, dass Bersenbrück für mich eine komplett verlorene Zeit war“, gesteht Greifenberg.

Tatsächlich hätte mehr Pech für ihn und den Verein kaum zusammenkommen können: Erst verstarb Ex-Profi und Co-Trainer Emil Jula im August 2020 plötzlich an Herzversagen, ein paar Wochen später fiel Chefcoach Farhat Dahech krankheitsbedingt aus. Björn Hoppe übernahm, musste die Kommandobrücke aber nach fünf erfolglosen Wochen wieder verlassen. Dahech kehrte zurück, „aber weil wir schon da unten drin steckten, hat er auf die erfahrenen Kräfte gesetzt“, fasst Greifenberg zusammen. Konsequenz: ein paar Plätze im Kader, aber keine einzige Oberliga-Minute, stattdessen ein paar Kreisliga-Partien in der TuS-Zweiten. „Auch vom Training her hat mich das nicht weitergebracht“, urteilt der Mittelfeldspieler.

Eine Wiederzusammenkunft mit Kindheitsfreund David Kinner

Weil wenig später – im Herbst – Corona die Saison abpfiff und durch die Pandemie auch die Vorlesungen an der Uni vielfach auf Online-Seminare umgestellt wurden, zog es Greifenberg zurück in die Heimat. Der TuS Sulingen lieh ihn aus, zu einem Mannschaftstraining kam es zwar nicht, „aber ich habe diese Zwangspause als Chance gesehen“. Erst kurierte er eine Bänderverletzung aus, dann nahm er das Training wieder auf: Laufeinheiten, Workout-Übungen und das Stemmen von eigenen Hanteln reichten ihm nicht – also tat er sich wieder mit seinem Freund aus Kindertagen zusammen. „Bis ich aus Rehden weggegangen bin, habe ich immer mit David Kinner in einer Mannschaft gespielt“, schildert Greifenberg die lange gemeinsame Zeit seit der G-Jugend beim FC Sulingen. Seit dem Lockdown kickten beide endlich wieder zusammen – zu zweit auf weiter Flur des Kunstrasenplatzes im Sulinger Sportpark, mindestens einmal pro Woche. Passformen, Technik- und Torschussübungen, unzählige Sprints – da hielten sogar immer mal wieder Spaziergänger an und „kiebitzten“. „Irgendwie hat sich das alles ganz gut angefühlt“, sagt Greifenberg über das Kicken vor „Publikum“.

Trotzdem hofft er, dass diese Zeit des Überbrückens der Vergangenheit angehört. Greifenberg will endlich wieder um Punkte oder Pokalrunden kicken. Denn „ich bin ein eher ungeduldiger Mensch“, sagt der junge Mann, der sich im defensiven Mittelfeld am besten aufgehoben sieht.

Weggefährten: Bis zu Lennart Greifenberg (links) Abschied aus der A-Jugend kickte er mit David Kinner (am Ball) zusammen. Das Bild zeigt die beiden im letzten A-Junioren-Regionalliga-Spiel des JFV Rehden vor dem Abbruch der Saison 2019/20 (gegen Weiche Flensburg).
Greifenberg (links) und Kinner (rechts) nach einem Hallenturnier mit der Jugend „ihres“ FC Sulingen.
Kinner (links) und Greifenberg (rechts) einige Zeit später auf dem FC-Platz.

Dass es für ihn nun in der Landesliga und nicht in der Oberliga weitergeht, sieht der 20-Jährige nicht als entscheidend an – denn sein Re-Start hätte ebenso gut in der Bezirksliga vonstatten gehen können. „Papa hätte mich ja auch gern beim FC Sulingen gesehen und hat alles versucht, mich zu überzeugen“, berichtet Lennart Greifenberg: „Es war schon ein Thema, dorthin zurückzugehen und um den Landesliga-Aufstieg mitzuspielen.“ Doch der Vater stellt klar: „Ich hatte überhaupt nichts gegen den TuS einzuwenden – schließlich habe ich ja selbst eine ,grüne’ Vergangenheit.“ Gern denkt er an seine Zeit von der E- bis zur Verbandsliga-A-Jugend (mit dem späteren Bundesliga-Profi Michael Schulz) sowie die ersten Herren-Jahre zurück, ehe er als Spielertrainer zu den Nordsulingern wechselte.

Unterdessen hat Sohnemann Lennart den Blick nach vorn nicht verloren: „So etwas wie Regionalliga in einem Verein wie Rehden traue ich mir schon noch zu“, meint er: Aber ich habe ja noch Zeit.“ Allzu viele verlorene Monate sollten nach zwei abgebrochenen Serien aber bitte nicht dazukommen, wünschen sich Vater und Filius.

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