Nach mehr als fünf Jahrzehnten ist für Trainer Günter Weniger Feierabend

Ein Freund des wahren Boxens

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Günter Weniger trainierte jetzt zum letzten Mal beim TuS Syke. Er ist dem Boxsport seit Jahrzehnten verfallen, liebt das Trainer-Dasein, auch wenn dieses zuweilen ziemlich desillusionierend sein kann.

Syke - Von Daniel Wiechert. Es wirkt wie ein Appell. In Reih und Glied stehen sie da – die Boxer des TuS Syke. Elf sind es heute. Scheinbar nach Größe aufgestellt. Ihre Arme hinter dem Körper verschränkt. Im gebührendem Abstand, mindestens zehn Meter, steht ihr Trainer Goodwill Ames. Er verkündet Günter Wenigers Abschied. Ames sagt all das, was man so sagt bei Verabschiedungen.

Er spricht von einer „Ikone des Boxsports“, die den Verein verlasse. Auch der Präsentkorb mit Schokolade, den der 17-jährige Ali Soltan übergibt, gehört zwingend zu den Insignien eines „Goodbyes“. Doch dann: Soltan gibt Weniger etwas zögerlich die Hand, der 74-Jährige zieht ihn an sich, umarmt ihn. Soltan guckt perplex, fällt ihm dann aber auch in die Arme. Sekunden vergehen. Als die beiden sich trennen, sind Wenigers Augen rot. Und feucht. Die Szene spielte sich jetzt in der Syker Sporthalle Am Riederdamm ab. Und sie zeigt, wie schwer es Weniger fällt, loszulassen. Es war sein letztes Training beim TuS. Er genoss noch einmal die Nähe, die Kameradschaft zu seinen Jungs.

„Jungs“, das sagt er oft. Wahrscheinlich schon seit 1961. Damals trainierte er zum ersten Mal Boxer. Schüler. In Bassum. Er selbst stieg damals in den Ring. Im Feder- und Leichtgewicht. Mit Erfolg.

Weniger war Anfang der 70er Vizemeister in Niedersachsen, 1972 verlor er nur knapp nach Punkten gegen den amtierenden Deutschen Meister Werner Ruzicka. 70 Kämpfe bestritt er, auch zehn internationale. „Ich hab‘ früher erst Fußball in Neuenkirchen gespielt. Aber ich wollte immer schon Kampfsport machen – diesen fairen Kampf Mann gegen Mann“, sagt ein in Gedanken verlorener Weniger, bevor er betont: „Aber nur im Amateurbereich. Für den Profibereich hatte ich nie etwas übrig. Das waren damals Halbwelten.“

Zwielichtig, anrüchig – etwas, was Weniger nicht mag. Er steht lieber ein für andere, engagierte sich früher als Betriebsratsvorsitzender. Damals, als er noch als Maurer und Fliesenleger schaffen ging.

Wer mit ihm redet, hat das Gefühl, einen in sich ruhenden Mann vor sich zu haben. Einen, der verteidigt, was ihm wichtig ist. Über Leute, die den Boxsport für etwas Rohes, gar für etwas Gewalttätiges halten, sagt er geringschätzig: „Die haben überhaupt keine Ahnung.“ Nur um dann ins Detail zu gehen: „Boxen ist nicht aufeinander losschlagen. Boxen ist Ausdauer, Gelenkigkeit, Technik. Der Bewegungsablauf ist extrem anspruchsvoll. Du musst üben, üben, üben. Leider hat kaum noch jemand diese Geduld...“

Weniger wird melancholisch. In der Stimmungslage: Früher war alles besser. Die Jugendlichen hätten heute nicht mehr genügend Ehrgeiz, sagt er. Doch vor allem die Sprunghaftigkeit nervt ihn, geht ihm richtig gegen den Strich. „Die Jungs“ – da ist es wieder – „waren früher motivierter. Heute sagen die Athleten an einem Tag für die Wettkämpfe zu. Ich melde sie an, nur damit sie dann am nächsten Tag absagen. Mal kommen sie zum Training, mal nicht. Das schlägt mir auf den Magen. Das will ich nicht mehr.“ Ein Grund dafür, warum nun Schluss ist. Der andere ist die Gesundheit. Ein Knie macht nicht mehr mit, zudem leidet Weniger inzwischen unter Asthma.

Deshalb endet nun seine Zeit als Trainer beim TuS Syke. Seit 1994 hat er hier gecoacht. Und hat sich trotz all der Probleme nicht seinen Glauben an die Macht des Sportes nehmen lassen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir eine große soziale Funktion haben. Bei uns wird Fairness gelehrt und Integration gelebt“, unterstreicht Weniger: „Alle verfolgen das Ziel, erfolgreich zu sein. Dabei merken sie, dass es nur geht, wenn man möglichst stark zusammenhält.“

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