Zeit mit der Familie statt Training bei Viktoria Berlin

Muzzicato ist zurück in Bremen - wegen der Corona-Krise

Fußball im Kopf, Fußball auf dem Tisch – aber eben nicht auf dem Platz: Wegen der Corona-Zwangspause muss sich Benedetto Muzzicato momentan darauf beschränken, Trainingspläne zu erstellen und Daten auszuwerten. Und das fällt dem Ex-Rehden-Coach sichtlich schwer. Foto: muzzicato
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Fußball im Kopf, Fußball auf dem Tisch – aber eben nicht auf dem Platz: Wegen der Corona-Zwangspause muss sich Benedetto Muzzicato momentan darauf beschränken, Trainingspläne zu erstellen und Daten auszuwerten. Und das fällt dem Ex-Rehden-Coach sichtlich schwer. 

Berlin/Bremen - Es kommt schon mal vor, dass Benedetto Muzzicato nachts wach wird. Dann macht er das Licht seines meistens griffbereiten Handys an, schnappt sich Zettel und Stift – und schreibt eine taktische Idee für das nächste Training auf. Diese kleine Anekdote mag als perfektes Beispiel dafür dienen, wie fußballbesessen der 41-Jährige ist. „Meine Berateragentur und meine Frau sagen mir manchmal, dass ich mich da ein bisschen zurücknehmen muss. Das weiß ich auch, aber das muss ich eben noch lernen.“ Das Abschalten fällt ihm schwer, der ehemalige Trainer des Fußball-Regionalligisten BSV Rehden und aktuelle Coach von Viktoria Berlin (Regionalliga Nordost) kann nur schwer aus seiner Haut, denn: „Fußball ist mit das Allerwichtigste in meinem Leben. Meine Frau und ich kennen uns seit 24 Jahren – und sie weiß das seit dem ersten Tag.“

Aktuell, in Zeiten der Coronakrise, sieht der Deutsch-Italiener weder den Trainingsplatz in Berlin noch seine Spieler. Viktorias Anlage ist bis zum 19. April gesperrt – mindestens. Muzzicato hat die Zelte in der Hauptstadt vorübergehend abgebrochen, seine Wohnung in Charlottenburg verlassen und ist zu seiner Frau und den beiden Kindern Lia (10) und Eliano (6) in den Bremer Stadtteil Schwachhausen zurückgekehrt. Dort bleibt er wohl bis Mitte April.

Die Familie hat er seit seinem Amtsantritt im Juli 2019 „sehr wenig gesehen – nur etwa einmal im Monat. Das war nicht leicht.“ Umso mehr genießt er gerade die gemeinsame Zeit, die allerdings auch immer wieder unterbrochen wird. Dann, wenn Muzzicato arbeitet. Home Office. Täglich steht er, per Video- oder Telefonkonferenz, in Kontakt mit seinem Trainerteam – meistens mit dem Athletikcoach. Sie besprechen Trainingsinhalte oder wie es nach Corona weitergehen kann. Oder er wertet die Daten der Spieler aus, die alle Fitnessuhren und Gurte tragen, wenn sie zu Hause trainieren oder Laufen gehen. Mehr ist ja momentan nicht möglich. „Wichtig ist, dass sie fitbleiben und keine Substanz verlieren“, sagt Muzzicato: „Wir haben erst mal individuelle Trainingspläne bis zum 11. April gemacht und müssen ready to play sein, wenn es irgendwann wieder losgeht.“

Die Station vor Berlin: Knapp zwei Jahre hatte Benedetto Muzzicato (hier ein Bild vom Dezember 2018) das  beim Regionalligisten BSV Rehden.

Die fußballerische Zwangspause, von der auch er nicht weiß, wann sie endet, setzt Muzzicato hörbar zu. „Das ist momentan eine Qual“, gibt er zu. Zumal er „nicht mal selbst ein bisschen kicken kann, mit alten Bremer Kumpeln wie Viktor Pekrul oder Nils Laabs“. Doch er bleibt diszipliniert: „Ganz am Anfang habe ich die Gefahren ein bisschen unterschätzt, da bin ich ganz ehrlich. Aber wenn ich jetzt einkaufen gehe, dann nur alleine. Oder ich spiele mit den Kindern in unserem Garten. Oder gucke mir bei DAZN oder Youtube schöne, alte Fußballsachen an.“ Er möchte „ein Vorbild für meine Familie und meine Spieler sein“, betont Muzzicato: „Und wenn viele kluge Menschen predigen, dass man nicht rausgehen soll, sollte man da mitziehen.“ Mittlerweile gibt es ja sogar ein verschärftes Kontaktverbot.

Muzzicato erlebt die Coronakrise in Deutschland – er weiß aber auch, was in Italien, dem Heimatland seines Vaters Giuseppe, los ist. Dort, wo das Virus mit am heftigsten zugeschlagen hat. Sein Vater habe regelmäßig Kontakt zu Familienangehörigen im sizilianischen Catania, wo die Muzzicatos herkommen. „Dort ist es nicht ganz so schlimm wie etwa im Norden, aber insgesamt schon noch mal krasser als in Deutschland“, meint er. Man sehe in Videos die abendlichen Balkonkonzerte, einen Rest vom Dolce Vita – das große Leid aber nur selten: „Wenn man hört, dass ältere Menschen aus Krankenhäusern weggeschickt werden, weil kein Platz mehr da ist, ist das sehr traurig.“

Die Corona-Auswirkungen bekommen auch seine Eltern Giuseppe („Pippo“) und Janine mit Wucht zu spüren. Einst führten sie in ihrer Heimatstadt Bremerhaven das Restaurant „Trio“ – so benannt wegen der drei Söhne Benedetto, Fabrizio und Giuseppe. Das gaben sie auf, wollten kürzer treten. Doch nun sind sie Muzzicatos wieder im Geschäft, betreiben die Gastronomie eines Golfclubs in Cuxhaven. Momentan sind die Türen wegen Corona allerdings geschlossen. „Das ist hart“, sagt Muzzicato, der seinen Humor trotz der schwierigen Zeit aber nicht verloren hat: „Dann wird ihnen ja noch langweiliger. Und sie werden noch aggressiver.“

,,Schops der Richtige"

Vom Dorf in die größte Stadt Deutschlands – und dann auch noch in eine neue Liga. Nach seinem Wechsel vom BSV Rehden zu Viktoria Berlin brauchte Benedetto Muzzicato eine gewisse Eingewöhnungszeit. „Das erste halbe Jahr war schwer. Erst im Januar bin ich hier richtig angekommen“, sagt der 41-jährige Trainer. Inzwischen bezeichnet er die deutsche Hauptstadt als „mein zweites Zuhause“ und sagt: „Ich fühle mich nun sehr berlinisch und brauche auch kein Navi mehr.“

Sportlich läuft die Saison durchwachsen. Die ambitionierte Viktoria (Muzzicato: „Hier sind alle Profis“) ist aktuell Achter, vor allem die vielen Unentschieden (elf) verhinderten eine bessere Platzierung. „Wir haben die beste Defensive, aber leider mit die schwächste Offensive“, erzählt Muzzicato (Torverhältnis 20:17 nach 21 Spielen). Dennoch findet er: „Ich bin zufrieden, wir spielen einen guten Ball.“ Sein Team befinde sich in einem Übergangsjahr und wolle in der kommenden Saison voll oben angreifen.

Seine Zeit in Rehden (September 2017 bis Juni 2019) hat Muzzicato noch in bester Erinnerung: „Der Draht zu den Verantwortlichen war super, die Mannschaft homogen. Ich würde mir gerne bald mal wieder ein Spiel angucken.“ Er pflegt nach wie vor Kontakte zu einigen Spielern wie Addy-Waku Menga und Josip Tomic oder Co-Trainer Michael Hohnstedt: „Es ist insgesamt gut gelaufen beim BSV. Ich denke, ich habe meinem Nachfolger etwas Gutes hinterlassen.“ Heiner Backhaus, den Muzzicato schon lange kennt, ging aber nur ein halbes Jahr später wieder. Nun hat Maarten Schops das Sagen beim Regionalligisten. Eine prima Wahl, findet Muzzicato: „Maarten ist ein sehr guter Trainer. Auf lange Sicht ist er der richtige Mann für den Job. Auch, weil er den Verein so gut kennt.“

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