Muskelspiel der Musketiere

Sulingens Handballer feiern mit Aufstieg größten Erfolg

Mit 203 Saisontoren hatte Jan Mohrmann (beim Wurf) großen Anteil am Aufstieg der Handballer des TuS Sulingen. - Foto: Flügge

Sulingen - Von Arne Flügge. Der kleine Thees sitzt auf Papas starkem Arm, drückt sich ganz fest an ihn, mag gar nicht loslassen. „Er hat mich in der letzten Zeit schon ziemlich vermisst“, sagt Jan Mohrmann – und knuddelt sein 15 Monate altes Söhnchen.

Nicht etwa, dass der Shooter von Handball-Landesligist TuS Sulingen zuletzt den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte zu ausgiebig gefeiert hätte – nein: Drei Tage vor dem finalen Triumph beim 30:25 in Fredenbeck und dem damit verbundenen Verbandsliga-Aufstieg hat Mohrmanns Ehefrau Laila Brüderchen Benno zur Welt gebracht. Klar, dass Jan Mohrmann da nur wenig Zeit für Thees hatte.

Mittlerweile ist die Familie wieder in ihrem Haus im Sulinger Ortsteil Lindern vereint, von wo aus Mohrmann die Edensporthalle, seit dem Sommer sein neues sportliches Wohnzimmer, fast schon sehen kann. „Für Nachwuchs im Club habe ich jedenfalls schon mal gesorgt“, schmunzelt der 33-Jährige.

Nach vielen Jahren in höheren Ligen hatte der Förderschullehrer aus beruflichen, vor allem aber familiären Gründen, den Oberligisten Nordhemmern/Mindenerwald, für den er die vergangenen fünf Jahre gespielt hatte, verlassen und sich den Sulingern angeschlossen. Er, der Ausnahmehandballer, von dem sein Trainer Hartmut Engelke sagt, dass er „noch immer jedem Drittligisten gut zu Gesicht stehen“ würde, wollte kürzer treten. Ein Glücksfall für die Sulinger. Sympathisch, geradlinig, zurückhaltend und sportlich ein absolutes Ass – Mohrmann glänzte auf Anhieb als Leader, Abwehrstratege und mit sagenhaften 203 Saisontoren, davon nur 22 Siebenmeter. „Ich habe noch nie große Probleme gehabt, mich in eine neue Mannschaft einzufinden.“ Doch der zweifache Familienvater will sich nicht im Vordergrund sehen. Der Star sei die Mannschaft, nicht er. „Natürlich versuche ich, Führungsspieler zu sein. Doch wir sind ein eingeschworenes Team. Und nur als solches kannst du dann auch sportlich das Maximale herausholen“, sagt er: „Ich möchte nicht herausgehoben werden, nur weil ich vielleicht ein paar Tore mehr als andere geworfen habe. Wir haben diesen Erfolg als Einheit geschafft.“ Eine wohltuende Bescheidenheit.

Gleichwohl hatte Trainer Engelke bereits nach der Verpflichtung Mohrmanns erkannt, dass der TuS Sulingen in dieser Saison etwas reißen könnte. „Der damalige Vorstand hatte mich gefragt, was für eine Platzierung ich mir vorstellen könnte“, berichtet der Coach, „ich sagte: Mit Jan Rang drei bis eins.“ Gesagt, getan. Aber natürlich weiß auch der 48-Jährige, dass ein Mann allein nicht aufsteigen kann. Der Erfolg habe daher viele Väter, erklärt Engelke. Vor allem sei da der Teamgeist zu nennen. „Du kannst nicht erfolgreich sein, wenn du keine Geschlossenheit zeigst. Die Stärke der Mannschaft ist ihre interne Klarheit“, sagt der Trainer. Die Sulinger hätten über die Saison hinweg 17 Spieler eingesetzt, andere Vereine wie Beckdorf oder Fredenbeck bis zu 35 Akteure: „Da ist es dann schwer, Abläufe zu automatisieren.“

Engelke ist seit zwei Jahren Trainer des TuS Sulingen. „Die Mannschaft hat sich sehr gut weiterentwickelt, von daher war ich immer optimistisch“, erklärt der Übungsleiter. Ein Verdienst aber auch von ihm selbst. „Hartmut hat an unserem Erfolg einen großen Anteil. Er hat richtig gute Arbeit geleistet. Er hat die Richtung vorgegeben“, lobt Mohrmann. Und Kapitän Jannik Knieling hebt besonders die Fähigkeit Engelkes heraus, Spieler zu entwickeln, weiter zu bringen. „Er kann jeden Einzelnen immer noch verbessern. Das beste Beispiel ist für mich Benjamin Demel“, erklärt Sulingens Kapitän, „,Bobo’ war noch nicht so lange beim Handball dabei, und er hat sich als Rechtsaußen mittlerweile extrem entwickelt.“

Knieling blickt wie alle anderen auch erwartungsvoll der Verbandsliga entgegen. Große personelle Veränderungen wird es nicht geben (siehe Kasten). „Jeder dieser Spieler hat es verdient, in der Verbandsliga zu spielen“, betont Engelke: „Wir haben eine funktionierende Mannschaft. Jeder, ob Stammspieler oder nicht, ist gleich viel wert. Keiner muckt auf, wenn er mal weniger spielt. Alle stellen sich in den Dienst der Mannschaft, da gibt es keine Animositäten. So etwas habe ich in meiner Trainerkarriere selten erlebt.“

Und da verstand es sich von selbst, dass sich die ganze Mannschaft samt Trainer am Freitag in Lindern versammelte. Jan Mohrmann hatte zur „Pinkel-Party“ eingeladen. „Neuer Club, ein tolles Team, Aufstieg und als Krönung noch Bennos Geburt. Irgendwie ist es ein perfektes Jahr für mich“, strahlt er. Über Pfingsten geht es nun noch auf Abschlussfahrt nach Norderney. Mit Jan Mohrmann? „Nein, vorerst sind mehrtägige Männerfahrten ausgesetzt.“ Den kleinen Thees, immer noch fest auf Papas starkem Arm, freut das riesig – er lacht.

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