Sogar an der amerikanischen Ostküste wird abgestimmt

Mosegaard-Hansen mobilisiert Dänemark

Syke - Von Arne HelmsDie Frage war unvermeidlich. „Wie kann denn jemand aus Amerika für mich stimmen, von dem ich noch nie etwas gehört habe?“, sagte Christian Gerlach ziemlich ungläubig dreinguckend. Aus Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina hatte die Kreiszeitung ein Stimmformular erreicht; online natürlich – und damit wäre Gerlachs Frage genau genommen schon beantwortet. Doch den Fußballer trieb nach seiner Wahl auf Platz zwei – genau dort hatte ihn übrigens auch die Stimme aus den USA eingeordnet – natürlich eher diese Frage um: Warum?

Der Torwart hatte zwar „allen gesagt, dass sie Werbung für mich machen sollen“. Aber an der amerikanischen Ostküste? „Nein, keine Ahnung“, grübelte der 29-Jährige. In drei Wörtern: „Ich bin überwältigt.“ Die Überraschung war gelungen. Da wird es Gerlach seiner Wählerin verzeihen, dass er nur zweite Wahl war.

Denn eigentlich, gab Marjana Ahrenshop zu, als sie aus Charlotte anrief, „eigentlich hätte ich am liebsten dreimal für Dennis gestimmt“. Dennis‘ Nachname ist Landwehr, und zusammen ergibt das den mit 13 Jahren schon extrem erfolgreichen Dennis Landwehr des Grafen-Schwimmteams Hoya-Bruchhausen.

Marjana Ahrenshop, seit sieben Jahren beruflich und familiär in Charlotte fest verwurzelt, ist Landwehrs Großtante. Zu Weihnachten war die 40-Jährige zu Hause in Sulingen. Landwehrs Nominierung war gerade raus. „Und als Familie muss man doch zusammenhalten“, so Ahrenshop, die von ihrem Großneffen sichtlich beeindruckt ist: „Er strebt sehr präzise nach seinen Zielen – und das in seinem Alter. So wie ich alles dafür getan habe, in die USA zu kommen, tut Dennis alles fürs Schwimmen. Wenn man diese Ziele dann erreicht, schafft das . . .“ – Ahrenshop zögert kurz und setzt dann fort: „Sorry, normalerweise rede ich am frühen Morgen Englisch. Wenn man diese Ziele erreicht, schafft das ein super Feeling.“

Das ganz große Ziel vom Sportler des Jahres hat der Schwimmer zwar verfehlt; Landwehr wurde Fünfter, und zum Podestplatz fehlten knapp 300 Punkte. Doch er wird es verschmerzen, dem 13-Jährigen gehört die Zukunft. Es wäre schon verwunderlich bei solch einem Ausnahmetalent, sollte Marjana Ahrenshop nicht noch einmal die Chance bekommen, für ihren Großneffen zu stimmen.

Vor der nächsten Abstimmung könnte ein Anruf bei Julie Mosegaard-Hansen lohnen. Die 14-Jährige mit dänischen Wurzeln wurde gestern Dritte bei den Sportlerinnen des Jahres – auch weil sie es zuvor wie keine Zweite verstanden hatte, Stimmen aus der Heimat zu fischen. „Das war wohl meine Familie, die da ordentlich geholfen hat“, verriet Mutter Mette, wie es zu mindestens 14 Sportlerwahl-Stimmen aus Dänemark gekommen ist.

Die Mosegaards aus dem Norden Europas waren damit Vorreiter eines Trends, der auf die gesamte Veranstaltung übertragbar ist: Die Sportlerwahl hat internationalen Touch. Ob José aus Madrid, Grégory aus Torcé-en-Vallée oder Eugenie aus London – sie alle haben mit abgestimmt. Von insgesamt 7 723 gültigen Stimmen kamen zusätzlich zu den 14 dänischen drei aus den USA, eine aus Frankreich, eine aus Portugal, eine aus England und eine aus Spanien.

Um es mit den Worten von Christian Gerlach zu sagen: „Wahnsinn, was das für Kreise gezogen hat.“

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