ADVENTSKALENDER 65-Jährige wäscht und pflegt die Trikots des Barnstorfer SV

Mit Christa Becker wird’s blitzsauber

Die Hosen wandern in eine Trommel, die Shirts in die andere. „Alles auf einmal in eine Maschine – dann wird’s knitterig“, erklärt Christa Becker, die seit rund zehn Jahren die Ausstattung der Kreisliga-Fußballer vom Barnstorfer SV wäscht.
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Die Hosen wandern in eine Trommel, die Shirts in die andere. „Alles auf einmal in eine Maschine – dann wird’s knitterig“, erklärt Christa Becker, die seit rund zehn Jahren die Ausstattung der Kreisliga-Fußballer vom Barnstorfer SV wäscht.

Barnstorf – Nach dem Spiel ist vor der Wäsche! Wenn im Sundering-Stadion der Abpfiff ertönt und Christa Becker bis zu ihrem Haus am Ortsrand die Fußballer des Barnstorfer SV jubeln oder schimpfen hört, weiß sie: Da kommt wieder Arbeit auf sie zu. Die 65-Jährige kümmert sich mit Hingabe darum, dass die Kreisliga-Kicker bis zu ihrem nächsten Spiel wieder im frisch gereinigten Dress blitzsauber auflaufen. Für unseren Adventskalender öffnet die Barnstorferin ihre Kellertür – und die Klappen ihrer beiden Waschmaschinen.

„Seit ungefähr zehn Jahren mache ich das“, erzählt die resolute Frau: „Angefangen hat alles mit meinem Neffen, als der die Erste trainiert hat.“

Trainer Behrens: „Davon können andere nur träumen“

Der heißt Oliver Marcordes und hatte seine Tante damals einfach mal gefragt, ob sie sich künftig dem Trikotsatz seines Teams annehmen könne. Ein Glücksfall für den Club, wie Marcordes’ „Nach-Nachfolger“ Jörg Behrens noch heute hervorhebt. „Davon können die meisten anderen Vereine nur träumen. Meistens muss das innerhalb der Mannschaft geregelt werden, wer wäscht“, weiß der BSV-Coach aus seiner eigenen aktiven Zeit.

Die Spieler des aktuellen Kaders „kennen das nicht anders, als dass ich das mache“, sagt Christa Becker. Und sie tut es gern – schließlich bedeutet der Barnstorfer SV ihr und ihrer Familie mehr: Sohn Michael hielt jahrelang für den damals noch höherklassig spielenden BSV die Knochen hin, Tochter Sabrina spielte im eigenen Frauenteam. Heute unterstützt sie ihre Mama vorwiegend organisatorisch bei den Wasch-Einsätzen. „Wir sind ein kleiner Familienbetrieb“, sagt sie schmunzelnd. Behrens hält mit ihr Kontakt, wann seine Jungs wieder ihre Ausrüstung brauchen – so lange lagern die Mannschaftskoffer im Keller der Familie. „In dem einen hier liegen die goldenen Auswärtstrikots, im anderen die grünen Heimtrikots“, erläutert Sabrina Lehmann. Nach dem Reinigen und Trocknen legt die Mutter alles feinsäuberlich zusammen und platziert es in der Reihenfolge der Rückennummern übereinander. Ganz oben finden dann also die Keeper Torben Kolkhorst oder Mario Nolting ihre Nummer 1.

Wenn die teils arg strapazierten Klamotten in Beckers „Katakomben“ zurückkehren, fährt die Waschfrau mindestens zweigleisig: Die Shirts stopft sie in eine Trommel, die Hosen in die nächste. „Alles auf einmal in eine Maschine – das ginge gar nicht. Jedenfalls nicht, ohne dass alles knitterig werden würde.“ Und das Bügeln komme für sie nicht infrage: Der Polyester „würde unterm Eisen doch nur festkleben“.

Auch mit den Stutzen hat sie nichts mehr zu tun – die müssen die Akteure dann doch selber waschen. „Denn so an die 20 Paare, teilweise noch auf links gedreht und in den Koffer geschmissen, riechen nicht so angenehm . . .“

„Haben die Jungs ganz gut erzogen“

Insgesamt können die beiden Frauen aber nicht klagen. „Mittlerweile haben wir die Jungs ganz gut erzogen“, sagt Sabrina Lehmann und schmunzelt.

Wenn nur immer alles vollständig angeliefert werden würde! „Ich stehe regelmäßig mit Sabrina in Kontakt“, gesteht BSV-Trainer Jörg Behrens: „Da schreibt sie dann, dass wieder mal ein Trikot oder eine Hose fehlt. Und manchmal ist es schon blöd, wenn die nassen Sachen erst einen oder zwei Tage später bei ihr abgegeben werden.“

Der anrüchige „Rekord“ liegt sogar bei einer Woche im weitgehend luftdicht verschlossenen Mannschaftskoffer. „Im heißen Sommer“, ergänzt Christa Becker. Da trat selbst sie in den Warnstreik: „Damals musste eine Mutter das Ganze waschen.“

Ansonsten habe sie noch nie geschimpft, wenn die Jerseys zu dreckig, schmierig oder lehmig abgegeben wurden, lobt Behrens die gute Seele der „Ersten“.

„Alles mit dicken Motten“ wandert in die alte Maschine

Sauber bekommen hat sie bisher ohnehin alles. „Manchmal brauchen die Hosen aber einen zweiten Waschgang“, schildert Christa Becker. „Und wenn irgendetwas mit richtig dicken Motten oder dem hartnäckigen Kalk zurückkommt, weiche ich die Stücke in der Badewanne ein oder wasche sie das erste Mal in meiner alten Maschine vor. In der neuen will ich so viel Sand nicht haben.“

Gelegentlich muss die mehrfache Großmutter sogar zu Nadel und Faden greifen. „Ist doch klar, dass ich das wieder zusammennähe, wenn ich sehe, dass etwas kaputtgerissen ist.“

Irgendwie fehlt   jetzt doch was – gerade an den Wochenenden.

Christa Becker ist während der Winterpause fast ein bisschen langweilig.

Seit gut vier Wochen haben die Fußballer und ihre fleißigen „Ausrüsterinnen“ aber Winterpause. Unterbeschäftigt ist Christa Becker, die mit ihrem Mann seit gut 30 Jahren nebenher auch noch allnächtlich das „Diepholzer Kreisblatt“ austrägt, zwar nicht. „Aber irgendwie fehlt jetzt doch was – gerade an den Wochenenden.“ Früher hatte sie parallel noch die Shirts der Altherren-Kicker gewaschen, seitdem die sich aber zu einer Spielgemeinschaft zusammengetan haben, muss sie sich darum nicht mehr kümmern. Und in „normalen“ Wintern brauchte der Barnstorfer SV seine Trikots wenigstens noch für Hallenturniere. Doch auch hier hat Corona bekanntlich rigoros dazwischengegrätscht.

Trikots, Trainingskleidung, Kapitänsbinden: Alles hat Christa Becker feinsäuberlich im Mannschaftskoffer zusammengelegt – fertig für den nächsten Einsatz.

Also wartet Christa Becker ab, bis es ab März „im Grünen“ wieder losgeht. „Ich möchte das auf jeden Fall noch ein paar Jahre machen“, versichert die 65-Jährige. Und damit sie nichts verpasst, hat sie Tochter Sabrina, die per Smartphone die Spielpläne checkt und Kontakt zu Coach Behrens hält.

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