Ex-Fußballcoach Rainer Fischer bleibt fit

Mit 80 immer noch Ausbilder

Mit dem Rad zum Bauchmuskeltraining in den Jeebel: Rainer Fischer tut auch mit 80 noch viel für seine Fitness.
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Mit dem Rad zum Bauchmuskeltraining in den Jeebel: Rainer Fischer tut auch mit 80 noch viel für seine Fitness.

Jahrzehntelang machte Rainer Fischer als Ausbilder die Bremer Polizisten fit. Doch was macht der ehemalige Fußball-Trainer heute eigentlich so? Wir haben nachgefragt.

Weyhe-Lahausen – Der dicke Ast am Baum im Jeebeler Wäldchen ist an einer Stelle ziemlich abgewetzt. Rundherum ist nur Moos. Hier treibt Rainer Fischer zwei- bis dreimal pro Woche sein ,,Unwesen“. Der Lahauser hängt sich dran und macht etliche Klimmzüge am Stück. 50 Meter weiter in Richtung Okel steht eine Holzbank. Fischer legt ein Handtuch drauf, macht Sit-Ups für die Bauchmuskulatur, stützt sich danach mit den Händen an der Bank ab und pumpt, um die Arm- und Schultermuskulatur zu stärken.

Zum Abschluss folgen weitere 50 Meter entfernt in einer kleinen Holzhütte noch Kata-Übungen (eine Form des Karate) für die Körperkoordination. Ganz schön heftig, wenn man bedenkt, dass der Mann gerade 80 Jahre alt geworden ist. Aber Fischer, der als Fußball-Trainer im Nordkreis und auch in Bremen tätig war, bildete bis zu seiner Pensionierung 2001 stolze 33 Jahre die angehenden Bremer Polizisten im Sport aus. Über diese Tätigkeit und dass er immer noch so eine Art Ausbilder ist, haben wir uns mit Rainer Fischer unterhalten.

Sport gestern/heute

Als Sportausbilder der Bremer Polizei machte Fischer seine Schützlinge nicht nur in der Halle fit. Er war darüber hinaus auch für die Schwimm-Ausbildung zuständig. So ganz nebenbei war er noch Taucher und nahm an Einsätzen zur Bergung von Kampfmitteln oder gar Leichen teil. An einen Einsatz erinnert sich der Braungurt-Träger im Karate noch ganz genau: ,,Das war in Bremerhaven bei einem Treffen von Bundesministern auf einem Schiff. Da mussten wir rund ums Schiff tauchen, um vielleicht Dinge aufzuspüren, die da nicht hingehörten . . .“ Über 400 Meter stand Fischer in der Landesauswahl der Bremer Polizei und betreute viele Jahre erfolgreich die Fußball-Auswahl der Bremer Polizei. Aber auch auf dem Trampolin machte er eine gute Figur. ,,Bei einer Polizei-Schau im Weserstadion sind wir mal über Jeeps gesprungen. Das war wirklich eine Show“, schmunzelt Fischer. Neben schon erwähnter Fitness (auch in der eigenen Wohnung mit Geräten) fährt Fischer regelmäßig Rad, ,,weil mir in Weyhe zu viel Autoverkehr ist.“

Aber noch immer kommt der Ausbilder in ihm durch. Einmal pro Woche (wegen der Coronakrise seit Frühjahr 2020 nicht mehr) trifft sich Fischer freitags mit pensionierten Ex-Kollegen zum munteren Kicken auf dem Kuhhirten. Von 65 bis 82 Jahren ist alles dabei. Bevor es aufs Kleinfeld geht, steht ein Erwärmen auf dem Programm. Man muss nicht lange rätseln, wer da den Ton angibt.

Harter Trainer-Hund

Als Trainer ließ er seine Spieler in der Vorbereitung am Werdersee ackern. Aber an eine andere Begebenheit erinnert sich Fischer noch mit Freunde: ,,In einem Winter lag am Werdersee mal meterhoch der Schnee. Da war ich Trainer in Buntentor. Die Jungs meinten wohl, dass das Training ausfallen würde.“ Von wegen. Fischer bat im hüfthohen Schnee zur Einheit. Aber der Ex-Coach stellt auch fest: ,,Ich habe nicht daneben gestanden und die Spieler machen lassen. Ich habe alles mitgemacht.“ Das konnte Felix Magath sicher nicht von sich sagen . . .

Lage des Fußballs

„Fußball wird immer gespielt – auch nach der Coronakrise. Wir müssen uns momentan eben an die Vorgaben aus der Politik und Wissenschaft halten“, sagt Fischer.

Fußball-EM im Juni

Von dem Vorhaben der Uefa, Zuschauer in die Stadien zu lassen, hält Fischer gar nichts: „Es wird da immer Chaoten geben, die die Vernünftigen gefährden.“

Lieblingsverein

Einen echten hat der Ex-Trainer nicht. Doch er freut sich, wenn der SV Werder gewinnt, „denn Bremen braucht unbedingt einen Verein in der Bundesliga“. Ins Stadion geht Fischer nicht, „weil mir da das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt. Es ist einfach zu teuer, aber ich schaue mir viele Spiele im Fernseher an.“

Trainer-Duo

Dass mehrere Trainer ein Team coachen, ist längst keine Seltenheit mehr. Fischer ist auch dafür, Aufgaben wie Athletik- oder Torwarttraining zu verteilen, „aber in letzter Instanz bin ich dafür, dass nur einer den Hut aufhat“.

Umgang mit Polizisten

Dass Polizisten schon mal heftig angegangen werden, hat Fischer hautnah erlebt. Bei Demonstrationen des „Schwarzen Blocks“ in Hamburg 1968 spielten sich tumultartige Szenen ab. „Ich war da zur Sicherung, und wir wurden mit Steinen beworfen. Heutzutage sind die Angriffe noch mehr geworden. Früher war die Polizei auch in Einzelstreifen unterwegs. Das ist jetzt nicht mehr denkbar. Deshalb ist aus Sicherheitsgründen immer ein Duo unterwegs – eine schlimme Entwicklung.“

Schon geimpft?

Fischer wurde gerade 80, zählt damit zur Risikogruppe 1 und hätte sich schon impfen lassen können. Doch der Lahauser hat es bislang noch nicht getan: „Ich bin da eher abwartend. Mit AstraZeneca lasse ich mich auf keinen Fall impfen. Ich lebe allein und kann meine Kontakte sehr gut steuern. Momentan sehe ich noch den großen Zwang für mich, dass ich mich impfen lassen müsste.“

Das war das Kirchweyher Team aus dem Jahre 1978. Ganz links ist Trainer Rainer Fischer zu sehen. repro: töbelmann

„Deich rauf, Deich runter“ am Werdersee

Kirchweyhe – In der Bremer Landes- oder Bezirksliga waren die Drillinge Hubert und Hermi Budelmann (es gehört noch Schwester Hannelore dazu) vor knapp einem halben Jahrhundert gefürchtet. „Man hat uns damals den Spitznamen Mörderkuhle gegeben. Wohl deshalb, weil wir hinten doch ziemlich aufgeräumt haben“, schmunzelt Hubert Budelmann, der jetzt 69 Jahre alt ist.

Dass Hubert und Hermi nebeneinander verteidigten, war dem damaligen Trainer Rainer Fischer zu verdanken. „Ich war eigentlich Mittelstürmer und habe das auch gerne gespielt. Fischer hat mich aber eher in der Deckung gesehen und mich zum, so hieß das damals, Vorstopper gemacht. Am Anfang habe ich mich damit schwer getan, aber nach und nach wurde es besser“, erinnert sich Hermi Budelmann.

Über ihren Ex-Coach, unter dem sie vier Jahre gespielt haben, sagen die Fußballer nur Gutes: „Er war ein harter Trainer, der viel Wert auf die Fitness gelegt hat. Aber er konnte auch sehr gesellig sein und ist nach den Spielen nicht sofort weggefahren.“

Während der Vorbereitung war von Geselligkeit aber oft nichts zu spüren. „Das ging richtig zur Sache“, sagt Hubert Budelmann. Als Sportausbilder bei der Bremer Bereitschaftspolizei lag der Werdersee quasi gleich neben Fischers Dienststelle am Niedersachsendamm. „Deich rauf, Deich runter. Das hat ganz schön geschlaucht. Aber danach durften wir wenigstens bei der Polizei duschen“, ergänzt Hermi Budelmann.

Beide Budelmänner sind sich aber einig darin, „dass wir von Rainer Fischer viel gelernt haben. Es waren durchweg vier anstrengende, aber auch schöne Jahre.“

Hubert und Hermi Budelmann erinnern sich an ihren Ex-Trainer Rainer Fischer.

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