WAS MACHT EIGENTLICH . . . ? Friedhelm Gaede denkt gern an Wietzer Zeit zurück

„Mini-Magath“ liebte die Sandkuhle

„Jungs, und da geht’s jetzt rauf!“ Wietzens Ex-Trainer Friedhelm Gaede steht mitten in der Glissener Sandkuhle.
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„Jungs, und da geht’s jetzt rauf!“ Wietzens Ex-Trainer Friedhelm Gaede steht mitten in der Glissener Sandkuhle.

Lemke – Was macht eigentlich Friedhelm Gaede? Eine berechtigte Frage, da der 70-Jährige gerade im Nienburger Raum noch in aller Munde sein dürfte. Erst kickte er einst vor fast 3 000 Zuschauern als eleganter Stratege für den TuS Steyerberg, dann führte „Vize“ als Trainer den TSV Wietzen von der 1. Kreisklasse bis in die Bezirksliga. Ob so ein „Wunder“ heute noch möglich wäre und woher sein legendärer Spitzname stammt, das verrät uns Gaede im folgenden Gespräch.

Herr Gaede, wo erreichen wir Sie gerade?

Ich komme von meinem Sohn Maurice und habe mein jüngstes Enkelkind Amelie besucht.

Dann konnte ihr der stolze Opa doch bestimmt das Friedhelm-Gaede-Denkmal in Wietzen zeigen . . .

(lacht laut) Darauf warte ich immer noch. Das ist ja leider nie gebaut worden.

Dabei haben Sie insbesondere im Jahr 2013 für ein regelrechtes Fußball-Wunder gesorgt.

Den Begriff halte ich für überhöht. Aber als ich 2013 in Wietzen als Nachfolger für Uwe Sieling eingesprungen bin, sah es für den TSV in der Tat ziemlich hoffnungslos aus. Bis zum rettenden Bezirksliga-Ufer waren es 13 Punkt Rückstand.

Es folgten 13 Spiele ohne Niederlage und die Rettung in der Relegation. Können Sie sich daran noch gut erinnern?

Natürlich. Das war ja für unser kleines Dorf ein absolutes Highlight. Vor über 500 Zuschauern haben wir im entscheidenden Match Scharrel mit 3:2 geschlagen und den Klassenerhalt gefeiert. Ein unvergessliches Ereignis.

Zuvor hatten Sie aber auch schon einige Jahre erfolgreich in Wietzen gearbeitet.

Das stimmt. Im Jahr 2002 habe ich beim TSV in der 1. Kreisklasse angefangen, bin dann 2005 in die Kreisliga und vier Jahre später in die Bezirksliga aufgestiegen. Bis zu meinem Ausstieg 2012 hat sich Wietzen dort auch etabliert. Für ein kleines Dorf keine so schlechte Leistung.

Was war das Erfolgsrezept?

Wir hatten eine tolle Mischung im Team aus erfahrenen und jüngeren Spielern. Ich denke da an unseren Schlussmann Torsten Klein als Anführer oder die Fiterer-Brüder. Dazu noch Talente wie mein Sohn Maurice, Edeltechniker der Sorte Otto Cobzas und Kämpfer vom Schlag eines Majid Derwisch. Es passte einfach. Aber ein anderer Punkt war fast wichtiger.

Welcher denn?

Das Team hatte eine tolle Moral, einen gesunden Ehrgeiz und war total intakt. Nicht umsonst haben die Jungs auch privat viel zusammen unternommen. Es war wirklich eine schöne Zeit.

Und der alte Trainerfuchs Friedhelm Gaede passte auch zum TSV Wietzen?

(lächelt) Ich denke schon. Aber ich habe mich nie mit meinen Spielern verbrüdert. Eine gewisse Distanz zu den Jungs war notwendig. Trotzdem kam meine Art in Wietzen wohl gut an.

Obwohl Ihre Spieler Sie in der Vorbereitung häufig zum Teufel gewünscht haben dürften.

(grinst) Sie spielen auf die Läufe im Markloher Park und die Schufterei in der Glissener Sandkuhle an?

Ganz genau. Steckte damals ein kleiner Felix Magath in Ihnen?

Also ein Felix Magath hat keinem seiner Spieler geschadet. Und auch ich habe halt viel Wert auf Disziplin gelegt. Meine Mannschaften sollten immer topfit in eine Saison hinein gehen, und das ist mir auch gelungen.

Könnte man mit Ihren Trainingsmethoden denn auch heute noch erfolgreich arbeiten? Oder würden die Spieler dann meutern?

(schmunzelt) Mittlerweile wäre ich wohl ein sogenannter Laptop-Trainer. Aber im Ernst. Eigentlich sollte harte Arbeit auch heute noch möglich sein. Aber mit den ganzen Jungstars wäre das wohl nicht mehr so einfach. Naja, mittlerweile ist das nicht mehr mein Bier.

Ein Comeback auf der Trainerbank schließen Sie komplett aus?

Ja, restlos. Ich hätte schon 2013 nach dem geschafften Klassenerhalt aufhören sollen, habe dann aber wider besseres Wissen noch eine Saison drangehängt. Das war eine meiner schlechteren Entscheidungen.

Warum? Was lief schief?

Uns verließen nach der Rettung einfach zu viele Leistungsträger auf einmal. Der Abstieg in die Kreisliga war vorprogrammiert. Mittlerweile kickt Wietzen sogar nur noch in der 2. Kreisklasse. Aber zumindest engagieren sich einige meiner ehemaligen Schützlinge wieder beim TSV. Es geht also hoffentlich auch mal wieder nach oben.

Aber definitiv ohne die Hilfe von Ihnen?

Ja, meine Zeit als Trainer ist vorbei. Direkt nach meinem Rücktritt wusste ich zwar mit den freien Sonntagen oftmals wenig anzufangen, doch mittlerweile ist es in Ordnung. Ich gehe jetzt einfach schön mit meiner Frau spazieren oder schaue mir ein Regionalliga-Match in Rehden an. Ich stand ja auch wirklich lange genug in der Verantwortung.

Fehlen noch zwei kurze Fragen zum Abschluss. Die erste betrifft Ihren Lieblingsverein Hamburger SV . . .

(seufzt) Das hatte ich befürchtet. Zum HSV möchte ich mich eigentlich nicht mehr äußern. Wieder einmal haben die mich schwer enttäuscht. Meiner Meinung nach ist der HSV jetzt nur noch ein normaler Zweitliga-Club. Der Verein wird wohl in naher Zukunft nicht wieder aufsteigen.

Und die letzte Frage: Woher stammt Ihr legendärer Spitzname „Vize“ ?

(schmunzelt) Der ist eigentlich ziemlich fies. Ich bin damals in Steyerberg in sechs Jahren gleich dreimal Vizemeister geworden. Seitdem hieß es nur noch „Vize“ Gaede.

Von Carsten Drösemeyer

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