Adventskalender

Leidenschaft und Akribie – das Trainerleben von Brinkums Mike Gabel

Mike Gabel
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Einblicke in die Gedankenwelt, die Fußballverrücktheit und in die Trainings- sowie Matchvorbereitung von Mike Gabel: Der Trainer der Brinkumer SV arbeitet zwischendurch gerne mal mit der Taktiktafel, und am Spieltag dürfen die drei Zettel für Aufstellung, Keynotes sowie Eckenvarianten in der Kabine nicht fehlen.

Mike Gabel ist fußballverrückt. Das gibt er gerne zu. Genau diese Eigenschaft macht ihn als Trainer des Brinkumer SV unter anderem aus. In einer weiteren Geschichte unseres „Adventskalenders“ erzählt der 39-Jährige von seinem Alltag am Brunnenweg – und wie dieser Gabel auch Zuhause beschäftigt.

Brinkum – Manchmal liegt Mike Gabel abends im Bett und denkt an Fußball. Dann greift er zum Tablet, öffnet eine App und fängt an zu zeichnen. Übungen, Trainingsinhalte, die er unter der Woche seinen Spielern näherbringen möchte. „Ich male mir irgendwas zusammen“, erzählt der Coach des Bremen-Ligisten Brinkumer SV, „was mir halt so durch den Kopf geht.“

Seine Gedanken überträgt er dann vom technischen Hilfsmittel auf Papier und taucht eine Stunde vor Trainingsbeginn am Brunnenweg auf. Denn „ich bin der Einzige, der das aufbauen kann, das ist in meinem Kopf“, meint er mit einem Lächeln – keine Aufgabe für die Co-Trainer also.

Das Ganze ist ein Einblick in Gabels Gedankenwelt, in seine Fußballverrücktheit und in seine Trainings- sowie Spielvorbereitung. Gerne arbeitet der 38-Jährige auch mit Power-Point-Präsentationen, die er zuvor am Laptop erstellt hat. Drei verschiedene finden sich in der Brinkumer WhatsApp-Gruppe wieder. „Fünf Seiten für den Spielaufbau, zehn bis zwölf Seiten für Pressinglinien plus Varianten bei Standards für und gegen uns“, erklärt Gabel. Dort gehe es um Grundsätzliches, die Arbeit mit und gegen den Ball, denn darauf lasse sich der Fußball „am Ende immer herunterbrechen“. Kleinigkeiten würden natürlich dauernd geändert, betont der Coach: „Ich ergänze das Ganze dann an der Taktiktafel.“

Wenn es etwas Wichtiges ist, was das Team besser macht, darf das jeder. Omar kommt manchmal an und meint: „Ich möchte auch noch mal was sagen.“ Denn häufig sind es Esin und Haso, das ist ein bisschen ein ungeschriebenes Gesetz. Aber Omar wird irgendwann auch das Sprachrohr einer Mannschaft werden.

Mike Gabel über Omar Kujabi, Esin Demirkapi, Hasan Dalkiran und die Hierarchie bei Ansprachen in der Mannschaftskabine

Dreimal in der Woche trainieren die Brinkumer, dienstags geht es mit der Aufarbeitung des zurückliegenden Spiels – und dabei vor allem viel Lob – los, es gibt einen Ausblick auf die Woche und dann eine reguläre Einheit oder (mindestens alle zwei Wochen) ein verletzungspräventives Athletiktraining mit Klaus Lange. Donnerstags, bei der „wichtigsten Einheit der Woche“ (Gabel), entsteht über zwei Stunden die größte Intensität, „da machen wir viel“. Zum Beispiel die Lieblingsspielform des Trainers, das „Vier gegen Vier plus Drei. Es sind also immer sieben Mann im Ballbesitz, die anderen versuchen ihn zu erobern. Alle müssen rennen, es geht nonstop. Das ist brutal anstrengend.“ Entsprechend gibt es freitags meist nur ein „Anschwitzen“, erklärt der Trainer: „Da wollen wir uns Selbstvertrauen holen mit einem Wettbewerb, also einem Abschlussspiel oder Turnier.“

In allen drei Einheiten steht natürlich die Matchvorbereitung im Vordergrund, der Plan ist ausgearbeitet. Denn „am Spieltag ist es dafür zu spät“, meint Gabel. Da schreibt er neben die in der Kabine hängende Aufstellung nur noch die für die jeweilige Begegnung wichtigen Keynotes – in der Regel drei bis fünf (zum Beispiel: Laut sein in Pressing-Momenten). Jeder Spieler soll sie verinnerlichen, wie er es auch mit den sieben Teamversprechen (eines davon: Bedingungsloser Einsatz) getan hat. Ob für das Match noch eine Portion Extra-Motivation nötig ist, entscheidet Gabel während des Aufwärmens: „Das mache ich aus dem Gefühl heraus, wie ich die Mannschaft in dem Moment wahrnehme.“

Eine mögliche Brinkumer Aufstellung samt Keywords.

Und nach Rücksprache mit Kevin Artmann. Der spielende Co-Trainer sei „super wichtig für mich“, unterstreicht der Chefcoach: „Er spielt eine riesige Rolle, wir telefonieren eigentlich mindestens eine Stunde pro Tag.“ Gesprochen wird dann über alles Mögliche – unter anderem auch über Teamführung, verrät Gabel: „Wir haben einen großen und guten Kader, es geht darum, mit welchen Spielern wir sprechen, wie wir sie anpacken müssen.“

Artmann kann dem Brinkumer Trainer also auch bei dessen schwerstem Job unter die Arme greifen. „Ich mag alle Spieler im Kader von Herzen gerne. Sie müssen wissen: Ich entscheide mich nicht gegen, sondern für irgendjemanden“, sagt er: „Jede Woche ist es die schlimmste Entscheidung, als Trainer aufstellen zu müssen.“

Es sind Prozesse, die Mike Gabel manchmal um den Schlaf bringen. Und dann greift er zum Tablet.

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