Ex-Profi seit fünf Monaten ohne Trainer-Job / „Ich mache mich nicht verrückt“

Mike Barten und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

In Melchiorshausen ist Mike Barten als Defensiv-Allrounder gefragt. ·
+
In Melchiorshausen ist Mike Barten als Defensiv-Allrounder gefragt. ·

Melchiorshausen - Von Arne FlüggeGeduld ist eine Frage der Disziplin. Das hat Mike Barten bereits vor rund zehn Jahren erfahren müssen, als der damalige Profi von Werder Bremen wegen eines Knorpelschadens im Knie eineinhalb Jahre lang verletzt war. Und wie damals „werde ich mich auch jetzt nicht verrückt machen“, erklärt der heute 38-Jährige. Seit seiner Entlassung beim Regionalliga-Absteiger FC Oberneuland vor fünf Monaten ist der heutige Trainer Mike Barten arbeitslos. Die Suche nach einem neuen Job blieb bislang erfolglos.

Trotz aller Geduld, die Barten aufbringt, hätte er nichts dagegen, „wenn morgen ein Club anrufen würde und sagt: ,Sie sind unser neuer Trainer’“, schmunzelt der ehemalige Bundesligaspieler, der momentan von Arbeitslosengeld lebt. „Es geht mir nicht schlecht“, behauptet Barten, „doch es wäre schön, aus dem Trott herauszukommen und wieder einen Job zu haben.“

Einige Anfragen gab es schon, doch es war nichts dabei, was den gelernten Versicherungskaufmann zufriedengestellt hat. Barten ist Fußball-Lehrer, hat damit die höchste Lizenz erworben. „Da kann es nicht mein Anspruch sein, einen Bezirksligisten zu trainieren.“ Ansonsten stellt er keine großen Forderungen: „Ich bin da recht offen. Ein Regionalligist wäre wieder schön, oder auch ein ambitionierter Fünftligist, der aufsteigen möchte. Ich hätte natürlich auch nichts dagegen, als Co-Trainer im Profibereich zu arbeiten.“

Was Barten wichtig ist: „Es muss sportlich passen. Meine Vorstellungen und die des Vereins müssen übereinstimmen. Man muss gewisse Ziele haben.“ Nur um „die goldene Ananas“ zu spielen, sei nicht erstrebenswert: „Ich möchte etwas erreichen dürfen, etwas aufbauen und dann ein Teil von dem sein, was man mit dem Verein aufgebaut hat.“

Doch so einen Club zu finden, ist wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Durch die Umstrukturierung der Regionalligen ab der nächsten Saison, „haben viele Vereine schon damit begonnen, eine Truppe aufzubauen“. Trainer werden kaum gebraucht. Barten weiß aber: „Fußball ist schnelllebig. Da kann viel passieren.“

So befindet sich der Familienvater ständig im Austausch, hat sogar einen Berater angeheuert, der sich umschauen soll. „Zudem habe ich noch Kontakte bis hin zur Bundesliga. Warum sollte ich also nicht irgendwann in den Lostöpfen landen?“, fragt sich Barten: „Es ist das erste Mal, dass ich fünf Monate ohne einen Verein bin. Ich bin da recht zuversichtlich.“

Den Leerlauf nutzt Barten zu Fortbildungsmaßnahmen. Von Ende September bis Anfang Oktober hospitierte er bei seinem Ex-Trainer Thomas Schaaf. Klar, dass da Erinnerungen an seine aktive Zeit bei Werder wach wurden. „Ich habe schließlich 14 Jahre lang für den Verein gespielt, in der Bundesliga, im Europapokal. Das vergisst du nie“, erklärt Barten: „Ich habe bei Werder sehr viel Gutes erfahren, es gab aber auch negative Geschichten.“ Wie sein Knorpelschaden im Knie 2001, der eine eineinhalbjährige Pause zur Folge hatte. Anschließend ein Handbruch und die bittere Nachricht 2003, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. „Das war mein Karriere-Knick. Ich war am Anfang fix und fertig. Doch das Leben ging weiter. Und am Ende überwiegen immer die schönen Erinnerungen“, so der 38-Jährige.

Sportlich hält sich Barten seit Oktober beim Bremer Fußball-Landesligisten TSV Melchiorshausen fit, ist dort als Defensiv-Allrounder eingesprungen. „Der Trainer setzt mich da ein, wo Baustellen sind“, erklärt der Abwehrspieler, der unmittelbar nach seiner Zeit bei Werder ein halbes Jahr für den damaligen Oberligisten SC Weyhe gespielt hatte.

Am Sonntag treffen beide Teams nun im Derby aufeinander. „Da geht’s ums Prestige, da will sich keiner eine Blöße geben“, weiß Barten, der in Melchiorshausen viel Spaß hat. „Ich mache das gerne, doch so bald ich einen neuen Job in Aussicht habe, ist sofort wieder Schluss.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Überforderung im Sport vermeiden

Überforderung im Sport vermeiden

Warum Rasenroboter doch noch einen Gärtner brauchen

Warum Rasenroboter doch noch einen Gärtner brauchen

Fünf Spiele für Eltern und Kinder

Fünf Spiele für Eltern und Kinder

Das alte Smartphone im Netz zu Geld machen

Das alte Smartphone im Netz zu Geld machen

Meistgelesene Artikel

Warm-up für Wittmershaus

Warm-up für Wittmershaus

Sulinger Clubs heben eine Jugendfußball-Spielgemeinschaft aus der Taufe

Sulinger Clubs heben eine Jugendfußball-Spielgemeinschaft aus der Taufe

Der pfiffige Leo Heckmann

Der pfiffige Leo Heckmann

Die Bundesliga bleibt im Blickfeld

Die Bundesliga bleibt im Blickfeld

Kommentare