START IN DIE SAISON Rehdens Ältester beeindruckt

Menga – der demütige Malocher

„Heute freue ich mich über ein Tor von mir viel mehr als früher“, sagt Addy-Waku Menga. Denn der 35-jährige Stürmer und Kapitän des BSV Rehden hat schon viele Karrieren begnadeter Kollegen viel zu früh enden sehen. Foto: Krüger
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„Heute freue ich mich über ein Tor von mir viel mehr als früher“, sagt Addy-Waku Menga. Denn der 35-jährige Stürmer und Kapitän des BSV Rehden hat schon viele Karrieren begnadeter Kollegen viel zu früh enden sehen.

Rehden - Fast geschafft. Es müsste seine 18. bis 20. Saisonvorbereitung gewesen sein, die Addy-Waku Menga im Leistungsfußball nun so gut wie hinter sich hat. Am Samstag beginnt für ihn und den BSV Rehden endlich wieder das normale Leben des Regionalliga-Alltags. Wie hat er die Wochen der größten Schinderei des Jahres überstanden? „Ich lebe noch“, sagt der 35-Jährige und lacht, während er sich auf eine Bank in den Rehdener Waldsportstätten plumpsen lässt.

War dieser Sommer mit dem neuen Chefcoach Heiner Backhaus härter als der vorige unter Benedetto Muzzicato? „Oh ja“, gesteht der Stürmer – und grinst wieder. Backhaus, so hatten die Trainings-Kiebitze schon nach den ersten Tagen verraten, lasse mehr Kondition bolzen. „Aber das ist gut. ,Muzzi’ hat super gearbeitet, Rehden hatte unter ihm die beste Saison. Aber auch der neue Trainer verfolgt einen Plan. Den haben wir voll verinnerlicht, weil wir viel Zeit miteinander verbringen konnten. Er gibt ein hohes Tempo vor. Jetzt sind wir fast bei 100 Prozent und können kaum erwarten, dass es losgeht.“

Sich selbst verordnete Menga wieder Extra-Schichten – zusätzlich zu den oft zwei Einheiten täglich mit der Mannschaft. „In meinem Alter muss man mehr tun“, schildert der Mann mit 28 Erst- und Zweitliga-Einsätzen, 181 Drittliga-Spielen und 197 Regionalliga-Partien auf dem Buckel: „Ich bin fast jeden Tag gelaufen oder war im Gym an den Geräten.“ Denn der Osnabrücker, in seiner Heimatstadt nach über 200 Spielen für den VfL längst Legende, will die Zeit als Fußballer noch so lange wie möglich auskosten. 

Bisher deutet nichts auf ein Karriereende hin: In den Tests war der frühere kongolesische Nationalspieler (zwei Länderspiele) reichlich unterwegs, holte sich von hinten Bälle ab, knipste regelmäßig aus dem Sturmzentrum, flankte von rechts, half im Mittelfeld aus. Sein Trikot aus der noch von Muzzicato bestellten und unverschämt eng geschnittenen Kollektion sitzt wie eine zweite Haut, Menga ist fit. „Es ist erstaunlich, mit welcher Demut Addy jedes Mal die Sache angeht – egal, gegen wen wir spielen“, lobt Backhaus seinen Ältesten: „Deshalb war für mich keine Frage, wer unser Kapitän ist. Selbst, wenn Addy mal auf der Bank sitzt, findet er von dort oder in der Kabine immer die richtigen Worte.“ Der derart Geadelte bezeichnet das Amt „als Ehre, aber ich habe mich dadurch nicht verändert. Ich habe immer meine Meinung gesagt und versucht, den Jüngeren zu helfen.“

Und jünger als „AWM“ sind alle im Kader – doch er steht zu seinen fast 36 Lenzen, verpasste sich selbst bei Facebook auch mal den Hashtag „#deropa“. Vielleicht, weil er weiß, dass eine solch lange Laufbahn nicht selbstverständlich ist. Das Karriereende seines vier Jahre jüngeren Kumpels Michael Hohnstedt, ebenfalls in Osnabrück zum Publikumsliebling gereift, Menga vor einem Jahr nach Rehden gefolgt und dem BSV nun immerhin als Co-Trainer erhalten geblieben, traf ihn hart: „Ein Mann mit dieser Kreativität und Spielintelligenz muss aufhören, weil der Körper streikt – das tat auch mir richtig weh“, flüstert Menga nachdenklich: „Man muss froh sein, noch gesund zu sein. Ich bin jetzt noch dankbarer dafür.“

So sehr, dass „ich mich über ein Tor von mir heute viel mehr freue als früher“, räumt Rehdens bester Knipser der Vorsaison ein. 13 Mal schlug er zu – und trug so maßgeblich zur Rettung der Schwarz-Weißen bei. „Aber von nichts kommt nichts“, bemüht er ein deutsches Sprichwort. Deshalb quält er sich weiter. Gedanken ans Kürzertreten, an eine Liga tiefer unter ebenfalls noch professionellen Bedingungen, habe er nie verschwendet: „Ich bin Rehden unheimlich dankbar, dass ich hier weitermachen darf. Ich muss mir oder anderen zwar nichts mehr beweisen, aber es macht einfach Spaß. Und ich bin nahe an unserem Zuhause, bei meiner Familie. Die ist mir das Wichtigste – und meine Energiequelle.“

Weil er dieses Umfeld nie missen mochte, unterschrieb Menga meist bei Clubs in Schlagdistanz zu Osnabrück – neben dem VfL bei Werder II, Preußen Münster und Rehdens Regionalliga-Konkurrent VfB Oldenburg. Wehen Wiesbaden und Hansa Rostock bildeten da die Ausnahmen. Da kam vor zwei Jahren die Offerte aus Rehden wie gerufen. Seitdem hat sich für den Routinier viel getan. Menga hat sein Fachabitur „gebaut“ und sein Modelabel weiter vorangebracht. T-Shirts, Basecaps, Hoodies und andere Kleidung mit dem AWM-Logo finden immer mehr Abnehmer. „Es macht mich schon stolz, wenn die Leute meine Sachen mögen, und ich fahre die Ware auch oft selbst aus“, schildert Menga: „Dabei habe ich gemerkt, dass ich auch ein bisschen Talent im Marketing habe. Aber es soll ein Hobby bleiben.“

Denn für die Zukunft nach der Fußballer-Zeit hegt er andere Pläne: „Ich will mich bei der Stadt Osnabrück bewerben“, verrät der Offensivmann: „Ein Praktikum bei der Ausländerbehörde hat mir gezeigt: Das ist es für mich.“ Dort kann er weiterhin Menschen helfen. Und nicht nur den Jüngeren, wie beim BSV Rehden.

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