Vertrauen in fleißige Kicker

Die meisten Trainer denken: Das war’s für diese Saison

Ungewisse Aussichten: „Zum Glück muss ich das nicht entscheiden“, sagt Stuhrs Trainer Christian Meyer über die Varianten, wie es mit der Saison weitergehen könnte.

Syke - Von Carsten Drösemeyer. Die Coronakrise hält Deutschland weiterhin in Atem – und dabei natürlich auch den Sport. Während die Fußball-Bundesliga aber zumindest zaghaft auf eine Fortsetzung der Saison mit „Geisterspielen“ hofft, ist die Lage im Amateurbereich unverändert unklar.

Walter Brinkmann als Trainer des Landesligisten TuS Sulingen regte wie schon berichtet ein „Einfrieren“ der Spielzeit bis ins neue Jahr an, andere würden gerne die Hinrundentabelle als Abschluss nehmen. Und wie sehen es die zwölf Diepholzer Bezirksligisten? Und wie halten die Clubs ihre Spieler bei Laune? Hier ein Überblick in tabellarischer Reihenfolge der Vereine:

TSV Wetschen

Für Trainer Thomas Otte ist eines sonnenklar: „Wir werden jede Entscheidung klaglos akzeptieren. Selbst eine Annullierung der Serie – und das sage ich als Spitzenreiter – würden wir hinnehmen. Fußball ist momentan echt nicht ganz so wichtig.“ Deshalb kontrolliert er auch nicht explizit den Fitnesszustand seiner Schützlinge: „Ich halte Trainingspläne für völlig übertrieben bei Hobbykickern. Natürlich sollen sich die Jungs fithalten. Aber das machen sie von alleine.“

SV Heiligenfelde

Ganz so groß ist das Grundvertrauen von SVH-Coach Torben Budelmann offenbar nicht: „Alle Spieler bekommen klare Laufpläne, die auch kontrolliert werden. Mit einer App bin ich so über den jeweiligen Fitnesszustand stets auf der Höhe.“ Einen Masterplan für den weiteren Saisonverlauf hat der Trainer des Tabellenzweiten indes auch nicht: „Zunächst habe ich über Playoffs nachgedacht, aber selbst da läuft uns langsam die Zeit davon. Ich befürchte, die Serie wird leider annulliert werden.“

FC Sulingen

Eine Befürchtung, die „Budel“ mit Trainerkollege Stefan Rosenthal vom Tabellendritten FC Sulingen teilt: „Es sieht wohl danach aus. Aber das wäre eine große Ungerechtigkeit gegenüber potenziellen Aufsteigern. Ich meine damit gar nicht uns, sondern ein Team wie Seckenhausen, das gerade so durch die Kreisliga rauscht. Dann sollte man eher die Hinrundentabelle als Abschluss werten.“ Falls indes doch noch gespielt werden kann, baut „Taler“ auf „Eigenverantwortung. Meine Truppe ist charakterlich so einwandfrei, dass sie konditionell nicht die Zügel schleifen lassen wird.“

TV Stuhr

Auch der Trainer des Tabellenvierten TV Stuhr Christian Meyer setzt auf die Vernunft seiner Kicker: „Empfehlungen werden schon gegeben, mehr aber auch nicht. Kein Spieler muss mir zeigen, dass er 50 Liegestützen am Tag gemacht hat.“

Und wie soll die Serie zu Ende gebracht werden? Meyer tut sich schwer: „Wer das entscheiden muss, erhöht nicht gerade seinen Freundeskreis. Die Brinkmann-Idee hätte Charme, aber was passiert dann mit den Transfers? Eine Annullierung wäre für jedes Spitzenteam unfair – und die Hinrundentabelle als Abschluss finde ich ebenfalls nicht ideal. Zum Glück muss ich das nicht entscheiden.“

TuS Sudweyhe

Den Vorschlag von Brinkmann lehnt Benjamin Jacobeit dagegen rundum ab: „Für mich klingt das unrealistisch und realitätsfremd. Ich rechne eher mit einer Annullierung. Obwohl vielleicht Fußball derzeit wie ,Brot und Spiele’ für die Leute wirken würde. Aber es muss erst medizinisch vertretbar sein. Vorher macht es keinen Sinn, die Saison doch zu Ende zu spielen. Es sieht nach Abbruch aus.“ Trotzdem überwacht der Coach des Tabellensechsten mit Argusaugen die Fitness seiner Spieler: „Die Jungs haben klare Kraft- und Stabilitätsprogramme an die Hand bekommen, und mit einer Laufapp schaue ich, ob sie sich daran halten.“

TuS Lemförde

David Schiavone vom Siebten aus Lemförde setzt hingegen auf Freiraum. Der TuS-Coach geht „von erwachsenen Menschen mit genügend Vernunft aus. Meine Jungs halten sich fit. Da bin ich mir sicher.“ Und auch zum Fortgang der Spielzeit vertritt Schiavone eine klare Linie: „Ich möchte die Saison unbedingt beenden. Selbst wenn die nächste dann später beginnen müsste. Alles andere wäre den Aufstiegskandidaten gegenüber zu ungerecht.“

TSV Bassum

Eine Meinung, mit der er bei Torsten Klein offene Türen einrennt. Der Trainer des Tabellenzehnten würde die Serie „notfalls erst im August fortsetzen. Dann tragen wir in Ruhe die restlichen Spiele aus, gehen in die Winterpause und beginnen die neue Spielzeit im März. Das wäre eine gerechte Lösung.“

Auch bei der Eigenverantwortung ist Klein mit Schiavone auf einer Linie: „Ich appelliere an die Vernunft der Jungs und halte nichts von Überwachung. Das würde eh nicht funktionieren.“

TuS Sulingen II

Ähnlich sieht es Mustafa Cali als Trainer des Elften TuS Sulingen II: „Eine richtige Kontrolle gibt es nicht. Ich gebe Vorgaben und hoffe, dass die Jungs sich an die Lauf- und Kraftübungen halten. Mit einer App kann ich das ja etwas verfolgen. Als Belohnung bekommt der Spieler dann ein Essen von mir, der am meisten getan hat.“ Anders als Schiavone und Klein möchte Cali die Saison allerdings „nicht um jeden Preis noch zu Ende spielen. Eine Annullierung wäre zwar für einige Teams schmerzhaft, aber für mich immer noch die gerechteste Lösung.“

TSV Okel

TSV-Spielertrainer Rico Volkmann bringt dagegen einen anderen Vorschlag ins Spiel: „Lasst uns die Ligen einfach aufstocken. Es gibt dann keine Absteiger, aber weiterhin Aufsteiger. Das würde designierte Kreisliga-Meister wie Seckenhausen zumindest nicht benachteiligen.“

Und wie hält es der Coach des 13. mit Trainingsplänen? „Die gibt es“, bestätigt Volkmann: „Aber auf reiner Vertrauensbasis.“

SC Twistringen

Genauso handhabt es laut Co-Trainer Michael Schultalbers der SCT: „Eine Kontrolle gibt es bei uns nicht. Wir vertrauen den Jungs. Die halten sich fit. Schließlich gibt es auf Youtube unzählige Videos dazu. Da müssen wir keine Vorgaben machen.“

Ohnehin geht Schultalbers davon aus, dass die „Blaumeisen“ in dieser Saison nicht mehr fliegen werden: „Vielleicht sehe ich das leicht aus Twistringer Sicht, da wir auf dem ersten Abstiegsplatz stehen. Aber ich rechne mit einer Annullierung. Die Zeit wird sonst viel zu knapp.“

SG Diepholz

Der Diepholzer Co-Trainer Johann Kschuev kommt zum gleichen Schluss: „Das Virus ist wohl leider auch noch im Mai da. Deshalb würde ich die Serie jetzt abbrechen und für nichtig erklären.“

Für den Fall der Fälle wäre die SGD laut Kschuev aber dennoch gerüstet: „Die Jungs waren nach der Winterpause schon topfit und werden auch weiterhin an ihrer Kondition arbeiten. Das müssen wir nicht extra überwachen.“

TuS Wagenfeld

Wagenfelds Spartenleiter Mark Wiedemann baut bei den Kickern des Tabellenletzten ebenfalls auf Eigenverantwortung: „Unser Trainer Jörg Rodewald hat den Spielern Vorgaben an die Hand gegeben, und daran werden die sich ganz sicher halten.“

Ähnlich überzeugt ist Wiedemann vom TuS-Klassenverbleib: „Es läuft alles auf eine Annullierung hinaus. Obwohl ich es favorisieren würde, wenn der jeweilige Klassenprimus aufsteigt und wir nächste Saison halt mit mehr Teams an den Start gehen.“

Leserumfrage auf kreiszeitung.de: Klare Mehrheit für Saisonabbruch

Das war eindeutig: Mehr als zwei Drittel der insgesamt 995 Leser, die sich an unserer Online-Umfrage über ein mögliches Fortsetzen oder Abbrechen der Sportsaison beteiligt haben, sprachen sich für ein vorzeitiges Ende der Spielzeiten im Handball und Fußball aus. Bei der Frage zur Wertung ging es allerdings denkbar knapp zu: 342 Wähler (das sind 34,37 Prozent) wünschen sich einen Saisonabbruch mit einer Wertung – dass es also Aufsteiger, aber keine Absteiger nach den aktuellen Tabellenständen gibt. 33,77 Prozent (nur sechs Leser weniger) hingegen sprachen sich für ein Annullieren der wegen der Coronakrise zurzeit ruhenden Serien aus: Alle Ergebnisse würden auf Null gestellt, sämtliche ausgetragenen Partien hätte es also nie gegeben, und zur neuen Saison starten die Ligen in der bisherigen Zusammensetzung.

An eine Verlängerung der Spielzeiten – ab wann auch immer – glauben offenbar wenige: Nur 22,01 Prozent der Teilnehmer (219 Stimmen) votierten für die Wiederaufnahme der Saison, notfalls mit Englischen Wochen bis zum Sommer hinein. Einen Kompromiss aus Abbruch und Fortsetzung schlug Leser Ulf Schierbaum aus Lembruch vor. Der frühere Fußballer und Trainer des SV „Friesen“Lembruch stellte Relegationen der zwei ersten und letzten Teams der Tabellen zur Diskussion. „Somit hätten die ersten und letzten beiden noch die Chance, sportlich etwas zu erreichen“, meinte Schierbaum und ergänzte: „Wenn es nur Aufsteiger gibt, bläht man die Ligen nur unnötig auf.“

Als vierte Option stand ein „Einfrieren“ der Saison zur Wahl, wie es etwa Walter Brinkmann als Trainer des Fußball-Landesligisten TuS Sulingen vorgeschlagen hatte: Demnach hätten alle Mannschaften ab sofort Pause und würden die Serie erst im nächsten Frühjahr fortsetzen. Mit dieser Möglichkeit wollten sich aber nur 98 Leser anfreunden (9,85 Prozent).

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