Litauer gibt morgen Heimdebüt für die HSG Barnstorf/Diepholz gegen Bremervörde

Marius Kasmauskas – ein „Kracher“ aus Klaipeda

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Marius Kasmauskas im Trikot des Bundesligisten HSG Wetzlar: Dieses Bild ist fünf Jahre alt. Ab sofort will es der ehemalige Profi für die HSG Barnstorf/Diepholz krachen lassen.

Diepholz - Von Cord KrügerEs war die Vorentscheidung im Titelkampf der Handball-Oberliga: Durch ein 23:26 im Gipfeltreffen beim TSV Bremervörde büßte die HSG Barnstorf/Diepholz im April ihren Platz an der Sonne ein. Am Ende verzichteten beide Teams auf den Aufstieg, so dass es morgen um 18.30 Uhr erneut zu diesem Duell in der angestammten Klasse kommt – nun allerdings in der Diepholzer Mühlenkamp-Halle und auch sonst unter anderen Vorzeichen. „Wir freuen uns auf unser erstes Heimspiel, haben etwas gutzumachen, diesmal sind Nils Mosel und Denis Maksimovich fit – und wir haben jetzt Marius Kasmauskas“, zählt HSG Trainer Heiner Thiemann die Unterschiede auf.

Besagter Kasmauskas bestritt nach kurzfristig erhaltener Freigabe am Samstagabend beim Barnstorfer 30:27 in Schwanewede sein erstes Oberliga-Spiel und zeigte, dass er nach einer langen Verletzung wieder da ist. „Marius ist ein kompletter Handballer, sehr torbezogen, technisch stark und mit einem guten Auge für seine Mitspieler. Er wird uns weiterhelfen“, ist Thiemann überzeugt. Die Rote Karte nach vier Treffern verzieh ihm der Coach – doch der 32-Jährige selbst hatte ein schlechtes Gewissen: „Ich habe dem Trainer danach gesagt, dass ich jetzt kein Krafttraining mehr mache – die Deckung in der Oberliga ist doch etwas weicher als in der Bundesliga“, grinst der Hüne.

Vor fast elf Jahren wechselte der gelernte Industrekaufmann in den deutschen Profi-Handball. Aufgewachsen in der nordlitauischen Hafenstadt Klaipeda, war er bei Erstligist Dragunas Klaipeda zum gefährlichen Rückraummann und Nationalspieler gereift. Im November 2001 fand er beim VfL Hameln in der Bundesliga eine neue Herausforderung, ehe er sich Zweitligist Eintracht Hildesheim anschloss. „Es war meine beste Zeit, das Team hat gut zusammengehalten“, sagt er über die Eintracht, mit der er 2006 den Bundesliga-Aufstieg feierte. Ab 2007 trug er das Trikot der HSG Wetzlar. Doch dort schlug 2008 das berufliche Schicksal zu: Drei Bänder im Schultereckgelenk waren gerissen, vier Operationen blieben erfolglos, es drohte die Sport invalidität. „Da macht man sich Gedanken um die Zukunft“, räumt Kasmauskas ein. „Bis dahin hatte ich ja nur auf Handball geguckt und auch zu nichts anderem Zeit. Vormittags Training, zwei Spiele pro Woche, weite Busfahrten – aber dann musste ich 'was machen.“ Das zog der Familienvater durch – in Form eines EDV-Studiums in Litauen. Zwischendurch wendete eine fünfte Schulter-OP 2009 das Karriere-Aus noch ab, und nun kann Kasmauskas als Software-Programmierer arbeiten – und Handball spielen. Barnstorf ist der neue Lebensmittelpunkt für sich, seine Frau und den Sohn. Kasmauskas gewann positive Eindrücke aus seinen ersten drei Wochen: „Ich weiß noch nicht, wie viel Potenzial im Team steckt, aber alle sind nett.“ Torhüter Donatas Biras kennt er aus der Jugend-Nationalmannschaft. Bei ihm und bei Sigitas Stropus, inzwischen Spielertrainer der Zweiten und Freund seit gemeinsamen Zeiten in Klaipeda, hatte sich der „Neue“ vorher über die HSG informiert. „Marius ist erst seit kurzem bei uns und hat natürlich noch nicht alle unsere Konzeptionen verinnerlichen können – aber er ist sehr engagiert“, nennt Thiemann seine Eindrücke.

Morgen darf sich Marius Kasmauskas den eigenen Fans vorstellen. Lampenfieber hat er deshalb nicht: „Ich bin gespannt, aber vor eigenem Publikum ist es immer besser.“ Und eine gewisse Nervosität gehöre in jedem Spiel dazu, „sonst klappt das nicht“. Umso besser, dass er das Trikot mit seiner Lieblingszahl bekam: die Nummer 9. „Die hatte ich meistens, seit ich 16 war. Nur in Hameln war es die 18. Die 9 hat mir immer Glück gebracht – außer vielleicht bei der Verletzung.“ Aber das soll sich möglichst nie wiederholen.

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