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Oliver Sebrantke: Marathons und Benefizläufe sind am wichtigsten

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Heimsieg: Triumphe beim Bremen-Marathon wie hier im Oktober kostet Oliver Sebrantke besonders aus – obwohl er damit schon hinreichend Erfahrung hat.

Oliver Sebrantke - Was treibt einen Menschen an, der sich mit Kaiserschmarrn und Schnitzel im Bauch von 40000 Menschen über 42 Kilometer quer durch Wien hetzen lässt? Der nach der identischen Distanz durch Bremen noch genug Kraft hat, einen Balkon zu entern, um frenetisch mit den Fans zu feiern?

Der diese strapaziöse Strecke sogar mitten in der Nacht herunterspult, sich dabei einen Muskelfaserriss zuzieht und damit trotzdem noch sechs Rennen bestreitet? Es muss pure Leidenschaft sein, und bei Oliver Sebrantke sprudelt diese Antriebsquelle unerschöpflich. Im Triathlon ist er eine Stütze seines Regionalliga-Teams, im Crosslauf wurde er im Februar Kreismeister. „Aber Marathon ist mir am wichtigsten“, stellt der 38-Jährige klar.

Sieben dieser Extrem-Ereignisse über jeweils 42,195 Kilometer lief er im nun endenden Jahr, vier davon gewann der Ausnahme-Athlet des LC Hansa Stuhr. Weitere vier Marathons während seiner Triathlon-Starts noch gar nicht mitgerechnet, von den ungezählten Trainingsläufen ganz zu schweigen. Rund 7000 Kilometer ist der IT-Spezialist am Frankfurter Hauptsitz einer großen Bank 2014 gerannt. „Ohne meine Zerrung im Januar und den jetzigen Muskelfaserriss wären es mehr gewesen.“ Und auch mehr als die insgesamt 49 (!) Starts in elf Monaten auf Straßen, Cross-Strecken und auf Tartan-Bahnen. Ein vielfältiges Repertoire mit unterschiedlich hohen Spaßfaktoren. „Auf der Bahn gefällt es mir am wenigsten, weil man wegen der kürzeren Distanzen sofort hohes Tempo gehen muss“, verrät Sebrantke. Dass er es aber kann, beweist sein Vize-Landesmeistertitel vom Mai über 25 dieser Bahn-Runden, also 10000 Meter.

Ernsthaft bremsen können ihn anscheinend nur extreme Witterungsbedingungen wie bei der Senioren-EM im türkischen Izmir Ende August, als 37 Grad im Schatten den Asphalt unerträglich erhitzten. „Damit kam die Konkurrenz besser klar. Ich war danach trotzdem sehr enttäuscht“, kommentiert Sebrantke einen für die meisten nie erreichbaren Erfolg: Europameisterschafts-Silber im Marathon. „Aber ich habe meinen Titel nicht verteidigt“, bedauert der Vorjahressieger. Selbst das Marathon-Gold mit der deutschen Mannschaft konnte darüber kaum hinwegtrösten.

Gute fünf Wochen später war Sebrantkes Welt aber wieder in Ordnung – nach dem Sieg in seinem „Heimspiel“, wie er den Bremen-Marathon nennt. Der vierte Triumph in der Hansestadt nach 2009, 2011 und 2013 – ein Highlight des Jahres. „Ich hatte im Vorfeld eine dicke Lippe riskiert und gesagt, dass ich diesen vierten Sieg hole“, erinnert sich der gelernte Bankkaufmann grinsend: „Hätte es nicht geklappt, hätte ich ganz schön blöd dagestanden.“

Umso größer die Erleichterung im Ziel: Der Sieger sprintete zum Moderatoren-Turm und stimmte mit den Zuschauern rund um den Roland eine „Humba“ an. „Ich habe mir mit dieser Einlage einen lang gehegten Traum erfüllt. Als Werder 2004 das Double gewann und die Mannschaft oben auf dem Rathausbalkon feierte, stand ich unten mit den anderen Fans. Da wollte ich wissen, wie sich das da oben anfühlt.“

Na gut, ganz bis ins Bremer Rathaus schaffte es der Marathon-Mann an jenem 5. Oktober nicht, dafür hatte er jedoch schon ein halbes Jahr vorher im Wiener Rathaus Walzer getanzt – wie andere Athleten am Vorabend des Wien-Marathons. Ohnehin habe er diese Tage in Österreichs Hauptstadt „total genossen“ – in mehrfacher Hinsicht: „Weil ich schon mal in Wien war, musste ich doch diesen Kaiserschmarrn und ein original Wiener Schnitzel essen.“ Am nächsten Tag ging es auf die Strecke – mit 40000 anderen Startern im Nacken. Der Norddeutsche wurde Neunter – inmitten von Eliteläufern aus der ganzen Welt. Ein weiteres Highlight nach seinem großen Auftritt in einer anderen Donau-Metropole: Während der Senioren-WM in Budapest Ende März hatte Oliver Sebrantke über die Halbmarathondistanz Platz neun in der Einzelwertung und Platz fünf mit der Mannschaft geholt. „Vielleicht haben sich da meine beiden WM-Starts an den Tagen zuvor gerächt“, mutmaßt er mit Blick auf Platz acht über 3000 Meter in der Halle und den Cross-Country-Lauf, der ihm Mannschaftsbronze brachte.

Insgesamt fasst der Stuhrer 2014 als „ein Jahr mit Hochs und Tiefs zur rechten Zeit“ zusammen. So bleibt er geerdet – und dankbar. Weil er weiß, dass nicht jedem Bewegung vergönnt ist, denkt der 38-Jährige an andere. „Benefizläufe sind mir sehr wichtig“, unterstreicht Sebrantke in Erinnerung an seinen Start beim Twistringer „Move for help“ (wieder Erster) und eine Advents-Aktion, die er zusammen mit seiner Bank-Betriebssportgruppe am 7. Dezember umsetzte: Komplett in Nikolaus-Kutten samt Bärten rannten er und seine Mitstreiter durch die City, belustigten die Shoppenden und brachten so 1500 Euro für ein Krankenhaus zusammen. Die Patienten freute es – und Sebrantkes Muskelfaserriss war an diesem Tag nur Nebensache. ck

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