„Zollstock-Gespräch“

Marathon-Mann Oliver Sebrantke: Mit dem Fahrrad um die Welt

Oliver Sebrantke (links) und Julian Diekmann
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Pokale über Pokale: Doch seit der Coronazeit kam keine weitere Trophäe dazu. Dennoch hält sich Marathonläufer Oliver Sebrantke (links) weiterhin fit. Auch wenn er sein Pensum mittlerweile etwas heruntergeschraubt hat, wie er im „Zollstock-Gespräch“ mit Sportredakteur Julian Diekmann erklärt.

Jemanden wie Oliver Sebrantke trifft die Coronakrise nicht sonderlich hart, möchte man meinen. Als Individualsportler kann der Marathonläufer und Triathlet immer noch trainieren. Dennoch belastet auch den 45-Jährigen die Pandemie. Denn Einschränkungen gibt es auch für ihn – zum Beispiel mit Blick auf Reisen.

Bremen – Ohne Sport geht es bei Oliver Sebrantke (45) nicht. Der Marathonläufer und Triathlet des LC Hansa Stuhr macht in der Coronazeit jedoch weniger als sonst. Wie er trainiert, ob er sich impfen lassen möchte – und was er nach der Pandemie plant, erzählt der 45-Jährige im „Zollstock-Gespräch“ mit Sportredakteur Julian Diekmann.

Über ein Jahr Corona-Maßnahmen: Was war für Sie richtig, was falsch? Welche derzeitigen Einschränkungen halten Sie für übertrieben?

Ich glaube, das kann man jetzt noch gar nicht abschätzen. Da muss man die Coronakrise erst einmal abwarten. Was jedoch die Ausgangssperre angeht, habe ich das Glück, dass ich an der Grenze zu Stuhr lebe. Da im Landkreis Diepholz aktuell keine Ausgangssperre besteht, weil die Inzidenz unter 100 liegt, habe ich nicht das große Problem. Aber auch sonst hätte ich damit keines, da ich meinen Sport sowieso vor 22.00 Uhr ausübe. Und ich dürfte ja sogar von 22.00 Uhr bis Mitternacht alleine laufen gehen.

Was ist Ihr neues Corona-Projekt? Und was haben Sie bisher schon umgesetzt?

Ich habe keine speziellen Corona-Projekte. Ich mache alles ganz normal weiter. Auch meinen Sport führe ich weiter aus wie vorher. Natürlich ein bisschen eingeschränkter, nicht mehr so auf dem ganz hohen Leistungsniveau.

Welcher ist Ihr Lieblingsort, um Kraft zu tanken?

Das, was man momentan nicht machen kann – in den Urlaub fahren. Ich war gerade erst vor kurzem weg, auf Mallorca im Trainingslager. Das hat mir sehr gutgetan. Trainingslager ist für mich Erholung. Auch wenn man sechs, sieben, acht Stunden auf dem Rad sitzt und danach noch laufen geht. Oder morgens um 6.30 Uhr aufsteht, um Schwimmen zu gehen. Ich kann es schon verstehen, dass es für einige keine Erholung darstellt, für mich aber schon. Die größte Einschränkung, die ich auf Mallorca wegen Corona erfahren habe, war, dass ich nicht in einem Hotel untergekommen bin, in dem ich Frühstück serviert bekomme und vor allem ein Abendessen. Denn wenn man den ganzen Tag Sport treibt, dann isst man auch doppelt so viel. Ich hatte eine private Unterkunft, eine Finca, musste mich diesmal als Selbstversorger durchschlagen. Da ich dort kein Auto hatte, musste ich alles mit dem Rad erledigen. Ich bin täglich zum Supermarkt gefahren und habe Rucksäcke voll mit Lebensmitteln nach Hause geschleppt. Das war schon sehr anstrengend. Gerade, wenn man vorher den ganzen Tag Sport getrieben hat, will man sich einfach an den gedeckten Tisch setzen und nur noch reinschaufeln. Das war diesmal eine große Einschränkung. Nächstes Mal nehme ich auf jeden Fall wieder ein Hotel, in dem ich bestes Essen bekomme und mich nach allen Regeln der Kunst bedienen lassen kann (lacht).

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Coronazeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktueller denn je?

Ich habe auf jeden Fall festgestellt, dass mein Trainingspensum durch Corona ungefähr um 20 Prozent abgenommen hat. Zu Beginn der Krise dachte ich noch: ,Jetzt erst recht.‘ Doch nach einem Jahr Corona ist es so, dass ich das Training schon etwas heruntergeschraubt habe. Das liegt auch daran, weil in naher Zukunft kein Ziel am Horizont zu erkennen ist. Also ein Wettkampf, auf den ich hintrainieren kann. Wenn ich wüsste, dass in einem oder zwei Monaten ein Wettkampf stattfindet, würde ich mein Trainingspensum natürlich sofort erhöhen.

Selbsttests und/oder Schnelltests: Würden Sie diese regelmäßig in Kauf nehmen, um wieder trainieren zu können?

Ich kann ja alleine ganz normal trainieren. Nur in einer großen Gruppe geht es nicht. Als Läufer oder als Triathlet braucht man nicht unbedingt die Gruppe. 90 Prozent des Trainings gestalte ich sowieso alleine oder muss ich alleine durchziehen, weil bei den Geschwindigkeiten oft kein Trainingspartner mitkommt. Wenn ich mal zu zweit trainiere, dann mit meiner Partnerin. Das klappt aber auch ganz gut. Beim Laufen vielleicht nicht so, weil ich da zu schnell bin, aber beim Radfahren geht es, da kann meine Partnerin im Windschatten fahren und somit etwas Kraft sparen. Sie verbraucht dadurch 20 Prozent weniger Energie.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Zuletzt habe ich mir die Serie „jerks“ mit Christian Ulmen und Fahri Yardim angesehen. Ich habe in der Coronakrise auf jeden Fall festgestellt, dass ich mehr Fernsehen schaue als mir vielleicht lieb ist.

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

Mein Arbeitgeber sitzt in Frankfurt/Main, dort habe ich auch ein Büro. Da aber die Pendelei auf Dauer sehr anstrengend ist, habe ich mich schon vor einiger Zeit dazu entschlossen, im Homeoffice zu arbeiten. Das mache ich jetzt schon seit sechs Jahren, fünf Tage die Woche – und habe es bis heute nicht bereut. Für mich ist es absolut angenehm, ich kann mir die Arbeit selbst einteilen. Es kommt auch mal vor, dass ich einfach in Trainingsklamotten vor dem Rechner sitze. So kann ich in der Mittagspause auch mal laufen gehen. Wenn ich dann wiederkomme, setze ich mich vor den Rechner und gucke, was in der Zwischenzeit an E-Mails gekommen ist, beantworte zwei, drei und gehe dann erst duschen. Im Büro ist so etwas nicht möglich.

Corona-Impfung: Ja oder Nein?

Ich würde mich sofort impfen lassen, sobald ich an der Reihe bin. Aber ich werde wohl einer der Letzten sein, da ich keine Vorerkrankungen habe.

Stadion, Konzert, Theater, Urlaub – oder ähnliches? Was machen Sie zuerst, wenn es wieder erlaubt ist?

Ganz klar: Urlaub. Ich habe große Lust, endlich wieder zu verreisen. Das habe ich schon vor Corona sehr gerne gemacht, bin bestimmt zehnmal im Jahr irgendwo hingeflogen. Das vermisse ich richtig. Ohne jetzt zu viel verraten zu wollen, bin ich mit meiner Partnerin gerade in der Planung, vielleicht mal eine Weltreise zu machen, ein Sabbatjahr zu nehmen, um dann mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren.

Trotz fast 25 Millionen Mitgliedern in Deutschland: Der Vereinssport wurde in der Bund-Länder-Treffen kaum thematisiert – kommt der Breitensport Ihrer Meinung nach zu kurz in der öffentlichen Betrachtung?

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Ich denke schon, dass der Breitensport zu kurz kommt, aber es gibt gerade auch wichtigere Probleme. Jeder kann sich selbst dazu aufraffen, Sport zu treiben. Egal, ob man in einem Verein organisiert ist oder nicht. Im Vergleich zum Profifußball ist es aber natürlich sehr ungerecht. Da merkt man, was für eine Lobby der Fußball hat.

Steckbrief

Name: Oliver Sebrantke

Alter: 45 Jahre

Wohnort: Bremen

Beruf: Bankkaufmann, IT-Experte

Größte sportliche Erfolge: 29 Siege bei Marathons

Verein: LC Hansa Stuhr

Privates: liiert mit Janine, keine Kinder

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