UNVERGESSLICH SG Diepholz schlägt mit Bruns im Titelkrimi TSV Heiligenrode 9:6

„Manni“ der Meistermacher

Manfred Bruns präsentiert den bereits vergilbten Zeitungsartikel vom 31. März 1993: Durch einen 9:2-Erfolg über den TuS Varrel hatte sich die SG Diepholz die Tischtennis-Meisterschaft in der 1. Bezirksklasse gesichert. Zuvor hatten die Kreisstädter den TSV Heiligenrode mit 9:6 besiegt. 
Foto: borchardt
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Manfred Bruns präsentiert den bereits vergilbten Zeitungsartikel vom 31. März 1993: Durch einen 9:2-Erfolg über den TuS Varrel hatte sich die SG Diepholz die Tischtennis-Meisterschaft in der 1. Bezirksklasse gesichert. Zuvor hatten die Kreisstädter den TSV Heiligenrode mit 9:6 besiegt. Foto: borchardt

Diepholz – Eigentlich hatte Manfred Bruns in seiner Tischtennis-Karriere bereits alles gesehen. Für stolze 18 Vereine war der 81-Jährige höchst erfolgreich auf Punktejagd gegangen, im Jahr 1957 sogar für den VfB Lübeck in der Oberliga – damals der höchsten Spielklasse in Deutschland. Doch als der alte Haudegen am 13. März 1993 mit der SG Diepholz in der 1. Bezirksklasse auf den TSV Heiligenrode traf, da traute er kaum seinen Augen.

Kein Wunder: Schließlich strömten kurz vor Beginn der vorentscheidenden Partie um die Meisterschaft minutenlang ausschließlich Heiligenroder Zuschauer in die Diepholzer GFS-Halle hinein. „Eine solche Kulisse habe ich noch nie erlebt“, staunt der ehemalige Schülermeister von Schleswig-Holstein (1953) auch 27 Jahre später immer noch über die „Heiligenroder Völkerwanderung“.

Urplötzlich war für die Kreisstädter aus einem Heim- ein Auswärtsspiel geworden. „Wir hatten praktisch das ganze Dorf mobilisiert“, erinnert sich TSV-Leistungsträger Henning Witte mit leuchtenden Augen: „Viele sind mit dem eigenen PKW angereist, und dazu haben wir noch einen großen Reisebus vollbekommen. 100 Leute waren das bestimmt. Uns fehlte ja nur noch ein Punkt zum Titel. Den wollten wir uns holen und danach mit unseren Fans feiern.“

Aber die gewaltige Menschenansammlung schien die Gäste zunächst zu lähmen. Gerade der 1:2-Doppelfehlstart schmeckte Heiligenrode laut Witte überhaupt nicht: „In der ganzen Saison hatte ich mit meinem Partner Andreas Krebs kein einziges Match verloren. Aber Andi war sich wohl zu sicher, und so hatten wir gegen das junge SGD-Duo Christian Pfeil/Carsten Drösemeyer knapp das Nachsehen.“

Für den TSV ein Schlag ins Kontor. Zumal Diepholz, angeführt von Golden Oldie Bruns, der Jungspund Björn Barjenbruch niederkämpfte, anschließend schnell auf 7:2 enteilte. „Zu dem Zeitpunkt habe ich nur noch unsere Leute gehört“, grient Bruns: „Aber ganz durch waren wir trotzdem nicht.“

Im Gegenteil: Die Gäste pirschten sich wieder auf 6:7 heran und hatten den zur Meisterschaft fehlenden Punkt urplötzlich dicht vor Augen. Da das Abschlussdoppel höchstwahrscheinlich an Heiligenrode gegangen wäre, fehlte dem TSV wohl nur noch ein Sieg im unteren Paarkreuz zum Titel.

„Aber an Position fünf und sechs waren wir ja mit unserem Syker Neuzugang Drösemeyer und mir ja nicht so schlecht besetzt“, lächelt Bruns verschmitzt.

Drösemeyer wurde dieser Einschätzung auch umgehend gerecht und ließ Barjenbruch zur Diepholzer 8:6-Führung ins Leere laufen, doch bei Bruns sah es deutlich schlechter aus. Der erste Satz war schon knapp an TSV-Rotschopf Ronald Sadowski gegangen, und im zweiten Durchgang stand es aus Sicht des Kreisstädters 17:20. „Zum Glück war ich am Anfang meiner Karriere ja reiner Angriffsspieler“, lacht Bruns: „Als ich merkte, dass nur Abwehr nicht reichen würde, habe ich alles riskiert und kompromisslos angegriffen.“ Ein kluger Schachzug. Von den knapp 20 Diepholzer Sympathisanten frenetisch angefeuert, wehrte der Routinier insgesamt fünf Matchbälle ab und erzwang so den Entscheidungssatz.

Schon zuvor war es in der altehrwürdigen GFS-Halle lauter als gewöhnlich zugegangen, doch nun verwandelten die Zuschauer die Sportstätte in ein Tollhaus. Diepholzer „Manni, Manni“-Schlachtrufe vor jedem Ballwechsel wurden von den Gästen mit „Ronni, Ronni“ gekontert. Eine regelrechte Gänsehaut-Atmosphäre, die den aus unzähligen Schlachten gestählten SGD-Recken indes deutlich mehr beflügelte. Bruns entnervte Sadowski beim klaren 21:7 nach allen Regeln der Kunst und erntete für diese Glanzleistung selbst vom Heiligenroder Witte ein Sonderlob: „Manfred war überragend und hat uns so den Titel weggeschnappt. Dabei war bei uns schon alles für die Meisterfeier vorbereitet. Viele Fans hatten Sekt mit. Den haben die meisten davon noch in Diepholz in den Ausguss gekippt.“

Die Diepholzer genossen den Triumph laut Bruns in vollen Zügen: „Unser kroatischer Vereinswirt Mijo Mihalic hatte uns für den Sieg freies Essen und Trinken versprochen und es auch eingehalten. Als wir ins Lokal kamen, machte er „We are the Champions“ von Queen an und zauberte danach Platten mit Cevapcici und unzählige Kaltgetränke auf den Tisch. Wir konnten in Diepholz immer gut feiern, aber der Abend war unvergesslich.“ Wie für alle Beteiligten der gesamte Tag. Eine Kulisse von rund 120 Zuschauern kommt beim Amateur-Tischtennis schließlich kaum vor.

Von Carsten Drösemeyer

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