Kaum Erwartungen an Montags-Konferenz

Sport-Funktionäre fühlen sich von der Politik vernachlässigt

Tischtennis-Kreis-Chefin Meike Stieg vor ihrem Computer.
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Große Hoffnungen hat die Tischtennis-Kreisvorsitzende Meike Stieg nicht, dass die Politik den Amateursport bei der Montags-Konferenz in den Vordergrund stellt.

Am Montag tritt wieder die Bund-Länder-Kommission zusammen. Vertreter diverser Sportarten im Kreis Diepholz haben keine großen Erwartungen, finden vielmehr, dass dem Amateursport von der Politik bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

Landkreis - Eigentlich scharren alle Amateursportler mit den Hufen, wollen endlich wieder ihrer Leidenschaft nachgehen können. Doch wegen der Corona-Bestimmungen ist das momentan nur im ganz engen Rahmen möglich. Zuletzt wurde in Niedersachsen die Saison bei den Fußballern gekippt. Bei der letzten Bund-Länder-Konferenz im März stand der Amateursport gar nicht mehr auf der Agenda, obwohl viele Experten sagen, dass gerade im Freien die Ansteckungsgefahr mit entsprechenden Konzepten eher gering ist.

Wir haben uns bei einigen Kreis-Funktionären umgehört, wie sie für ihre Sportart den Umgang der Politik mit den Amateuren einschätzen und welche Erwartungen sie an das nächste Treffen der politischen Entscheidungsträger am Montag haben.

Meike Stieg, die Vorsitzende des Kreisverbandes Tischtennis, gibt sich keinen Illusionen hin: „Der Amateursport wird Montag in keinster Weise Thema sein. Da wird es vermutlich eher darum gehen, den Lockdown noch zu verstärken. Ich habe mir aber auch schon von der Konferenz im März nicht viel versprochen. Das ewige Hin und Her kann ganz schön nerven. Man hört doch fast schon gar nicht mehr hin, was gerade mal wieder gefordert oder auch beschlossen wird.“

Am Anfang war die Euphorie noch groß

Am Anfang war die Euphorie bei den Tischtennis-Sportlern noch groß. „Da hatte ich fast jeden Tag Anfragen, wann wir denn endlich wieder in die Halle dürfen. Das ist jetzt ganz anders. Still ruht der See“, sagt Stieg.

Tischtennis gilt zwar als Einzelsportart, aber Stieg, die auch Spartenleiterin bei der SV Kirchweyhe ist, sagt, „dass wir den Trainingsbetrieb gar nicht mehr angefahren haben. Es nützt ja auch nichts, wenn wir vom Landesverband her trainieren dürften – aber die Gemeinde im Gegenzug die Halle gesperrt hat.“

Die 46-Jährige wünscht sich auch eine einheitliche Linie: „Ich kann es nicht verstehen, dass zum Beispiel in einem privaten Sportcenter Badminton angeboten wird, das aber in einer öffentlichen Halle nicht möglich sein soll.“

Und wie beurteilt die Kreisvorsitzende die Aussichten für ihre Sportart? „Mir ist noch nicht zu Ohren gekommen, dass die Tischtennis-Vereine im Kreis jetzt viele Mitglieder verloren hätten. Bei uns in Kirchweyhe könnte es vielleicht etwas eng werden, aber wir versuchen, weiterhin zehn Herrenteams an den Start zu bringen. Bis zum 15. Juni müssen wir unsere Mannschaftsmeldungen abgeben. Wir werden das erst Anfang Juni tun, weil Spieler ja noch bis zum 31. Mai den Verein wechseln dürfen. Mich würde zudem interessieren, was mit den Sportlern geschieht, die vielleicht Ende des Sommers, wenn eigentlich alle ein Impfangebot bekommen haben sollen, noch nicht geimpft worden sind oder das auch gar nicht wollen.“

Der Diepholzer Fußball-Kreischef Andreas Henze wünscht sich, dass der Amateursport nicht mehr so stiefmütterlich behandelt wird.

Auch Andreas Henze, der Kreischef der Diepholzer Fußballer, ist eher unzufrieden: „Der Amateursport ist bisher definitiv zu kurz gekommen. Ich bin sehr enttäuscht darüber, wie auch die niedersächsische Regierung damit umgeht – oder besser gesagt: nicht umgeht. Man beachtet den Amateursport mehr oder weniger nicht. Dass Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren wieder trainieren dürfen, war ein sehr wichtiger Aspekt und Lichtblick – allerdings leider der einzige. Alles andere wird sehr stiefmütterlich behandelt. Jetzt warten wir mal ab, was am Montag herauskommt. Ich hoffe sehr, dass die Politik bereit ist, endlich auch den Amateursport richtig mit einzubeziehen.“

Wilfried Becker, der Vorsitzende der Kreis-Leichtathleten, nimmt die augenblickliche Situation von der prakmatischen Seite: „Wir machen das Beste aus der Situation – und jammern nicht. Die Corona-Pandemie ist eine ernste Sache, der man sich mit Vernunft stellen muss.“

Es ist wichtig, dass gerade die kleineren Kinder wieder ins Wasser dürfen.

Ute Sprecher-Odigie, Sportwartin des Kreisverbandes Diepholz-Nienburg

Die Leichtathleten sind noch recht gut dran und dürfen momentan mit bis zu 20 Kindern unter 15 Jahren plus zwei Übungsleitern draußen trainieren. Der 71-Jährige, der auch Spartenleiter beim TuS Sulingen ist, weiß aber auch, „dass das nicht überall möglich ist, denn einige Sportplätze sind geschlossen und dürfen nicht benutzt werden.“

Von der Bund-Länder-Konferenz am Montag erhofft sich Becker, dass man die jetzigen Vorgaben für die Leichtathletik zumindest nicht verschärft. Wenn das doch der Fall sein sollte, dann kommt in ihm wieder der Pragmatiker durch: „Sollte es demnächst doch einen harten Lockdown geben, dann werden wir den natürlich in allen Punkten beachten.“

Becker ist aber optimistisch, dass seine Sportart bald auch wieder echte Wettkämpfe sieht, denn die Inzidenzzahlen verharren im Kreis Diepholz ja unter der 100-Marke: „Am 8. Mai wollen wir in Stuhr die Bahneröffnung in Zusammenhang mit der Kreismeisterschaft veranstalten. Das wäre dann die erste Veranstaltung in diesem Jahr. Mal sehen, ob wir das auch dürfen. Wir stehen ständig im Austausch mit dem Gesundheitsamt.“

Hofft, dass bald wieder die Freibäder öffnen: Ute Sprecher-Odigie (rechts).

Ganz arg gebeutelt sind die Schwimmer. Multi-Funktionärin Ute Sprecher-Odigie (Schwimmwartin im Bezirk Hannover, 2. Vorsitzende Sport im Kreisverband Diepholz-Nienburg und Schwimmwartin im Grafen Schwimmteam Hoya-Bruchhausen) hat ihre Sportler schon lange nicht mehr gesehen. Bis auf Kaderathlet Frederik Freund (12), der am Stützpunkt in Wardenburg trainieren darf, liegen alle anderen auf dem Trockenen, weil die Hallenbäder dicht sind. „Das ist alles übertrieben. Es ist doch erwiesen, dass das Chlor im Wasser eine Viren-Übertragung stark vermindert“, sagt Sprecher-Odigie.

An die Bund-Länder-Konferenz am Montag hat die 53-Jährige keine großen Erwartungen: „Ich denke nicht, dass die Hallenbäder bald wieder öffnen werden. Aber ich habe den großen, großen Wunsch, dass wir wenigstens ab Mai wieder in die Freibäder dürfen. Die Städte und Gemeinden sind vorbereitet und haben bislang schon gute Vorarbeiten geleistet. Wir sind ja auch gern bereit, alle erforderlichen Hygienekonzepte zu erfüllen. Aber es ist unglaublich wichtig, dass gerade die kleineren Kinder wieder ins Wasser dürfen.“

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