Bedauern nach Golombeks Aus in Rehden / Noch keine Gespräche mit Trainer-Kandidaten

„Loyal“, „ehrlich“ – und am Ende erfolglos

Andreas Golombek im Sommer 2020 kurz nach seinem Amtsantritt in Rehden.
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Andreas Golombek im Sommer 2020 kurz nach seinem Amtsantritt in Rehden.

Rehden – Am Ende machte sich Friedrich Schilling ziemliche Sorgen um Andreas Golombek. „In den letzten Wochen“, das war auch dem Präsidenten des BSV Rehden nicht entgangen, „sah ,Golo‘ wirklich mitgenommen aus.“ Seit Mittwoch könnte vom leidenden Fußballlehrer einiges an Ballast abgefallen sein, als Rehdens Führungsetage dem 53-Jährigen mitteilte, dass es mit ihm als Chefcoach des Regionalligisten nicht mehr weitergeht (wir berichteten). Doch wie es genau in ihm aussieht – Spekulation. Der Trainer war auch am Donnerstag nicht erreichbar.

Ein paar Tage zuvor hatte er jedoch noch klargestellt, dass er nicht daran denke, die Flinte ins Korn zu werfen: „Ich habe hier einen Vertrag bis zum 30. Juni – und ich bin keiner, der aufgibt. Ich werde bis zum letzten Tag kämpfen, wenn ich darf.“

Er durfte nicht. Zu schwer wog die Erfolglosigkeit des letzten Drittels der Hinrunde, die für die Schwarz-Weißen am Samstag mit dem unglücklichen Gegentreffer zum 2:2 in der Nachspielzeit beim Lüneburger SK endete – trotz mehr als einer Halbzeit in Überzahl.

Weitere Zahlen sprachen ebenfalls gegen Golombek, das wusste er schon im Vorfeld des Hinrunden-Finales: „Am Ende geht es im Fußball immer um Ergebnisse. Und natürlich ist der Trainer in einem Vereinsapparat oft das letzte Glied, damit muss man leben.“

Seine Spieler müssen jetzt mit der Abstiegsrunde leben, die im März beginnt. Dort treffen sie neben den Lüneburgern erneut auf ihre bisherigen Ligagefährten SSV Jeddeloh, den HSC Hannover und FC Oberneuland sowie aus der Nordstaffel auf Eintracht Norderstedt, den FC St. Pauli II, Phönix Lübeck, den Heider SV und Altona 93. Hinzu kommt noch entweder der VfB Lübeck oder der Hamburger SV II.

Andreas Golombek Ende November in seinem drittletzten Spiel für den BSV. Auch Clubchef Friedrich Schilling war nicht entgangen, dass der 53-Jährige zuletzt „mitgenommen“ aussah.

Co-Trainer Hohnstedt: „Bin ,Golo‘ dankbar für alles“

Co-Trainer Michael Hohnstedt hatte bis zuletzt gehofft, dass der Club diese Herausforderung mit Golombek angeht. „Ich habe im Fußball ja schon vieles erlebt“, sagt der einstige Profi des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte, „aber selten einen Menschen, der so loyal und ehrlich ist. Ich jedenfalls bin ,Golo’ dankbar für alles, unter ihm habe ich mich extrem weiterentwickelt“, unterstreicht der 33-Jährige: „Was ich alles machen durfte, können nicht viele Co-Trainer von sich behaupten.“

Unter anderem leitete er regelmäßig die Einheiten. Damit ist es jetzt allerdings ebenfalls vorbei, denn Hohnstedt übernimmt die Rehdener Regionalliga-A-Junioren (siehe Extra-Text).

Michael Hohnstedt coacht künftig Rehdens Regionalliga A-Junioren

Schon einige Tage vor dem Aus von Chefcoach Andreas Golombek hatte sich Co-Trainer Michael Hohnstedt vom Regionalliga-Team verabschiedet. „Aber nicht, weil ich etwa geahnt hätte, was mit ,Golo’ passiert“, stellte der Ex-Profi klar. Nein, der 33-Jährige hatte sich vielmehr dazu entschlossen, „den nächsten Schritt als Trainer zu gehen“. Der führt ihn zur eigenen A-Jugend des JFV Rehden, die in der zweithöchsten deutschen Klasse spielt, in der Südstaffel der Regionalliga Nord nach der Hinrunde als Vorletzter aber den Erwartungen hinterherläuft. Deshalb „haben wir Stefan Czyborra mitgeteilt, dass wir uns anders orientieren wollen“, schilderte Hohnstedt, der beim JFV als Sportlicher Leiter verantwortlich zeichnet. Es folgten einige Gespräche mit potenziellen Nachfolgern, „bis Friedrich Schilling auf mich zukam und fragte, ob das nicht etwas für mich selbst wäre“. Die Idee des BSV-Präsidenten gefiel ihm, „denn im neuen Jahr möchte ich meine A-Lizenz machen.“ Der Nachweis eines Cheftrainer-Postens macht sich da nicht schlecht, wäre für Hohnstedt als früheren Berufsfußballer aber kein Muss.

Als der Wagenfelder das Team von seinem Entschluss unterrichtete, „bekam ich viel Zuspruch“. Wohl auch, weil alle wussten, dass „ich ihnen weiter mit Rat und Tat zur Seite stehe. Ich war ja auch gewissermaßen das Sprachrohr der Mannschaft“, sagt der einstige Publikumsliebling des VfL Osnabrück, der beim BSV 2019 seine aktive Zeit als Spieler beendete und direkt danach als Assistenzcoach in Rehdens Trainerteam aufrückte. In dieser Zeit arbeitete er unter Heiner Backhaus, Maarten Schops und zuletzt Golombek. „Jeder weiß, dass mich aus Rehden keiner mehr wegbekommt“, sagt Hohnstedt grinsend.

Jetzt will er alles daran setzen, mit den JFV-A-Junioren die Klasse zu halten. „Mindestens ebenso wichtig ist mir aber, die Jungs weiter zu entwickeln und fit für den Herrenbereich zu machen.“

Wer künftig beim BSV die Kommandos gibt, steht noch nicht fest. „Vor der Entlassung haben wir noch mit keinem möglichen Trainer gesprochen“, betont Schilling. Angebote gebe es hingegen bereits genug: „Da haben sich schon einige Berater gemeldet“, verrät der Club-Boss: „Das ist das übliche Vorgehen, wenn Du da unten drinsteckst.“

Bis spätestens zum 17. Januar wird sich Schilling entschieden haben. „Dann ist Trainingsauftakt“, hatte Golombek nach dem Lüneburg-Spiel verkündet – noch nicht wissend, dass dieser Aufgalopp dann ohne ihn stattfinden würde. „Eigentlich ist das viel zu früh, wenn wir erst im März wieder spielen dürfen, aber ,Golo‘ war damit einverstanden“, schildert Schilling. Und an diesem Datum hält er fest: „Uns bleibt ja nichts anderes übrig, denn wir werden auch einige Veränderungen im Kader vornehmen“, kündigt der BSV-Boss an: „Wir werden den einen oder anderen abgeben, suchen aber auch neue Leute. Und wie sollen wir die sonst testen – ohne Training und Vorbereitungsspiele?“

Kommentar: Abschied von einem echten Typen

Von Cord Krüger

Noch ein halbes Jahr. So lange müsse er beim BSV Rehden noch durchhalten, sagte Andreas Golombek vor gut drei Monaten gegenüber einer Hildesheimer Zeitung. Dann, so rechnete der Fußballlehrer damals weiter vor, wäre er der dienstälteste Trainer des BSV Rehden. Diese Aussage zeigt ziemlich deutlich, wie „Golo“ tickt: Er ist keiner, der wegläuft. Einer, der um Konstanz bemüht ist. Und dem das Projekt Rehden offenbar so ans Herz gewachsen war, dass er gern diesen Rekord in seiner Trainer-Vita gesehen hätte.

Andererseits legt dieser Satz die Vermutung nahe, dass der 53-Jährige bisweilen die Zeit zählte – denn beim BSV ticken die Uhren anders. In der nun fast zehn Jahre währenden Regionalliga-Ära sind schon einige Spieler und Übungsleiter an Rehdens Maxime „Fußball und Arbeit“ gescheitert. Leistungssport und Job unter einen Hut zu bringen, hat hier beileibe nicht jeder geschafft. Doch über diesen Spagat für seine Spieler hat sich „Golo“ nie beklagt, sondern immer versucht, das Beste draus zu machen. Fast eineinhalb Jahre lang.

Zum 19-Monate-Rekord seines Vor-Vor-Vorgängers Benedetto Muzzicato reichte es trotzdem nicht. Und es reichte auch in anderer Hinsicht nicht. Der viertbeste Sturm der Liga vermochte die Defizite der (auf dem Papier) zweitschlechtesten Abwehr nicht zu kompensieren. Hoher Aufwand plus ausbleibender Erfolg gleich Trainerentlassung. Und wieder kam die – auch andernorts – oft bemühte Fußball-Formel zum Einsatz.

Was bleibt, ist die Erinnerung an einen echten Typen – gefühlt ganz dicke mit jedem Trainerkollegen und vielen gegnerischen Spielern. Einer, der im Gegensatz zu geschliffenen Laptop-Trainern auch mal Emotionen zeigte – im Umgang mit den Schiedsrichtern den Bogen bisweilen aber überspannte. Diese Ausbrüche zeigten allerdings, wie sehr der „Chef“ vor und hinter seinem Team stand.

Von Cord Krüger Und Daniel Wiechert

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