Kolumne „Nachspielzeit“

Freibier für den Fotografen

Harrte aus: Horst Vogler.

Junge Eltern kennen diesen Jetzt-erst-recht-Effekt: Kaum ist der elterliche Appell an den Nachwuchs verhallt, das Umwerfen des Schaukelpferds oder Wegbolzen von Legosteinen zu unterlassen, wiederholt der Übeltäter das soeben Gerügte mit wachsender Begeisterung.

Ähnliches spielte sich am Samstag in den Rehdener Waldsportstätten ab, als die Fans von Altona 93 die Führung des BSV Rehden durch Addy-Waku Menga mit Bierbecher-Würfen aus ihrem Gästeblock in Richtung der gastgebenden Jubeltraube quittierten. Klar, dass Stadionsprecherin Silvia Lange gemäß der Order des Schiedsrichters einschreiten musste: „Sicherheitshinweis: Liebe Fans von Altona, bitte werft keine Bierbecher mehr auf das Spielfeld. Danke!“ 

Darauf allerdings folgte ein verstärkter Hagel aus Plastik-Behältnissen, entweder kurz vor dem Wurf hastig in einem hanseatischen Hals entleert oder noch halb gefüllt mit Gerstensaft. Mitten in der Flugbahn: Rehdens Vereinsfotograf Horst Vogler, in stoischer Ruhe auf einem Anglerhocker sitzend und gegen den Dauer-Niesel mit einem großen Schirm „überdacht“. Diese Ausstattung kam ihm nun zugute - selbst wenn ihn noch einiges an Gebräu traf. „Zum Glück habe ich nicht die beste Hose an“, lautete Voglers Kommentar – das einzig Trockene an diesem verregneten Tag.

Minuten später ging Altonas Anhang die Munition aus, die 93-Fans forderten Nachschub: „Noch mehr Becher für Alexa!“ Mit Alexa meinten sie Stadionsprecherin Lange, die über eine ähnlich klare und wohlklingende Aussprache verfügt wie die Computerstimme jenes Wunder-Lautsprechers, der auf Zuruf die beste Musik und den schlechtesten Wetterbericht aus dem Internet hervorkramt oder bei Tante Leni anruft.

Doch weitere Becher flogen nicht mehr – selbst nach dem 2:0 durch Alen Suljevic. Der Torschütze war allerdings vorsichtshalber 22 Meter vor dem Kasten stehen geblieben – dem Ort seines Abschlusses.

Fazit: Vielleicht sollte der BSV Rehden eine Plastik-Vermeidungskampagne in seinem Stadion starten. Zur Freude von Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Oder Becher-Pfand nehmen. Zur Freude von Horst Vogler, der am Samstag ein nettes Taschengeld gehabt hätte.

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