TRAINER-TANDEM Thomas Otte und Friedel Holle sind beim TSV Wetschen ein Herz und eine Seele

Liebe auf den zweiten Blick

Wie in jeder guten „Ehe“, kracht es auch schon mal zwischen Thomas Otte (li.) und Friedel Holle. Foto: Krüger

Wetschen - Von Carsten Drösemeyer. Keine Frage, beim Trainer-Tandem Thomas Otte/Friedel Holle handelt es sich eher um Liebe auf den zweiten Blick. Denn: Schon 2015 wollte das Duo eigentlich beim Fußball-Bezirksligameister zusammenarbeiten, doch es sollte anders kommen.

„Wir waren uns mit Friedel bereits einig“, erinnert sich Otte: „Er sollte mich unterstützen und entlasten. Aber dann habe ich mich nach dem Titelgewinn für eine Auszeit entschieden, um meinen Akku wieder aufzuladen. Die Auszeit war aber noch nicht geplant, als ich Friedel gefragt hatte.“

Holle hingegen blieb auch ohne Otte in Wetschen, coachte zunächst an der Seite von Uwe Küpker (aktuell Trainer beim abstiegsgefährdeten Bezirksliga-Konkurrenten SC Twistringen) den TSV und rettete die „Blau-Gelben“ schließlich sogar nach der Trennung von Küpker im Alleingang vor dem Abstieg aus der Landesliga. Überbewerten will Holle dieses „Husarenstück“ allerdings nicht: „Ich habe einfach versucht, meine langjährige Erfahrung als Trainer einzubringen, und es hat am Ende dann recht ordentlich geklappt.“

Typisch Holle eben, der 62-Jährige drängt sich einfach nicht gerne in den Vordergrund. Viel lieber arbeitet er im Team zusammen – wie seit Januar 2017 an der Seite von Otte. Im zweiten Versuch fanden Holle und Otte also doch noch zusammen, konnten indes den Landesliga-Abstieg aber nicht mehr verhindern.

Aber dafür formten sie den TSV Wetschen in der Folgezeit zu einem Bezirksliga-Spitzenteam mit Landesliga-Ambitionen. Bei der durch die Coronakrise bedingten Unterbrechung der laufenden Spielzeit rangiert Wetschen auf Platz eins und galt vor der Pandemie als heißer Favorit auf den Titel. Sicherlich auch ein Verdienst des kongenialen Duos Otte/Holle.

Dabei sind die beiden Trainer durchaus nicht immer ein Herz und eine Seele, wie Otte freimütig einräumt: „Natürlich kracht es auch mal bei uns. Friedel ist sehr impulsiv und kann auch mal schnell an die Decke gehen, daran musste ich mich erst gewöhnen. Aber selbst bei unterschiedlichsten Meinungen haben wir bislang immer einen Konsens gefunden.“

Teamplayer Holle pflichtet dem 54-jährigen Otte ausdrücklich bei: „Ich finde, Kontroversen gehören einfach dazu. Man kann nicht immer einer Meinung sein. Aber am Ende entscheiden wir immer im Sinne der Mannschaft. Und wenn Thomas die besseren Argumente hat, dann habe ich damit überhaupt gar kein Problem.“

Offenbar ergibt die Paarung von „Vulkan“ Holle und dem eher besonnenen Otte ohnehin eine ziemlich erfolgreiche Mischung. „Das stimmt“, bestätigt Otte diese Einschätzung: „Unsere Kombination passt einfach toll. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wir viel reden und uns eigentlich täglich austauschen.“

„Außerdem teilen wir uns die Aufgaben gut auf“, ergänzt Holle: „Meist beginne ich das Training, kümmere mich ums Aufwärmen und die konditionellen Dinge, dann übernimmt Thomas für den taktischen Feinschliff, und am Ende leite ich dann wieder im Regelfall das Abschluss-Spiel.“

Eine Arbeitsaufteilung, die offenkundig glänzend funktioniert. Beide Trainer können so ihre Stärken perfekt einbringen und das Wetscher Team stets gut auf den kommenden Gegner vorbereiten. Wobei Holle im Zweifelsfall doch Otte das „allerletzte Wort überlässt. Ich sage immer meine Meinung, doch am Ende das Tages hat Thomas schon den Hut auf.“

Einziger Wermutstropfen aus TSV-Sicht: Nach der Saison (und höchstwahrscheinlich wird diese nicht wieder aufgenommen) nimmt Otte selbigen, legt aus beruflichen Gründen erneut eine Trainerpause ein und steigt zum Teammanager auf. Sehr zum Leidwesen von Holle, der besonders ein „lieb gewonnenes Ritual vermissen wird: „Nach jedem Training habe ich mich noch schön mit Thomas ausgetauscht. Er bei einem Bierchen und ich mit einem Alster. Das wird mir fehlen.“

Doch Otte ist ja laut eigener Aussage „nicht aus der Welt. Selbstredend halte ich weiter den Kontakt zu Friedel. Schließlich schätze ich ihn außerordentlich.“ Wie es sich halt für eine „Liebe auf den zweiten Blick“ eben gehört.

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