WAS MACHT EIGENTLICH . . .?

Schlärmanns Schwank mit Lattek und Vogts

Ex-Trainer Dietmar Schlärmann sitzt vor seiner Ehefrau Hildegunde auf einem Stuhl.
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Fühlt sich in seinem Haus in Lohne wohl: Ex-Trainer Dietmar Schlärmann, der gern mit seiner Ehefrau Hildegunde verreist.

Der ehemalige Fußball-Trainer Dietmar Schlärmann blickt auf seine Zeit beim Barnstorfer SV zurück und verrät in unserer Rubrik „Was macht eigentlich...?“, dass er fast mal Profi geworden wäre.

  • Dietmar Schlärmann schwärmt von Ex-Club Barnstorfer SV.
  • Er erzählt eine nette Anekdote mit Udo Lattek und Berti Vogts.
  • Kickers Offenbach wollte ihn als Profi haben - doch er sagte ab..

Lohne – Eines ist mal sicher: Sehr viele Kicker der hiesigen Region hatten bestimmt kein Probetraining bei einem Fußball-Bundesligisten. Der Lohner Dietmar Schlärmann hingegen sogar zwei – darunter auch eine Zusage. Warum der 63-jährige kaufmännische Angestellte das Angebot trotzdem ablehnte und warum er sich noch gerne an seine fünfjährige Zeit als Trainer des Barnstorfer SV erinnert, verrät „Dietzi“ Schlärmann im folgenden Gespräch.

Herr Schlärmann, wie ist es Ihnen bislang während der Corona-Epidemie ergangen?

Ich kann nicht klagen. Natürlich ist das gerade für alle ein schwieriges Jahr, aber meiner Frau und mir geht es gut. Wir fahren viel Fahrrad, gehen spazieren und kommen zurecht.

Fußball spielt bei Ihnen also mittlerweile eher eine Nebenrolle?

Zumindest keine Hauptrolle mehr. Als Bayern-Fan verfolge ich natürlich deren Partien, und vor dem Lockdown war ich auch immer gerne bei den Spielen meines Heimatvereins Blau-Weiß Lohne, doch ansonsten verbringe ich meine private Zeit lieber mit der Familie.

Lohne ist ein gutes Stichwort. Fühlen Sie sich diesem Verein besonders verbunden?

Natürlich. Schließlich habe ich über 500 Spiele für Blau-Weiß absolviert. Von der Jugend an habe ich nie für einen anderen Verein gekickt.

Wäre eine derartige Vereinstreue heute noch möglich?

Wahrscheinlich nicht. Aber ich bin schon als A-Jugendlicher in die Landesliga-Erste gerückt und habe mich dort auf Anhieb als Stammlibero durchgesetzt. Wobei fast wäre ich Lohne doch untreu geworden.

Sie dürfen gerne aus dem Nähkästchen plaudern.

Na gut. Das war 1976. Ich hatte gut in Lohne Fuß gefasst, als ich von Borussia Mönchengladbach ein Angebot zum Probetraining bekam. Die waren zu der Zeit ja in Deutschland unter Trainer Udo Lattek eine richtig große Nummer mit Weltstars wie Alan Simonsen oder Berti Vogts.

Und wie lief das Training? Konnten Sie mithalten?

Es war auf alle Fälle ein Riesenerlebnis mit Leuten zu trainieren, die ich vorher nur aus dem Fernsehen kannte. Zuerst gab es am Vormittag eine Einheit unter dem legendären Konditionstrainer Karl-Heinz Drygalsky, am Nachmittag durfte ich dann mit dem Bundesliga-Team unter der Anleitung von Lattek mitkicken.

Aber Sie wurden nicht genommen?

Nein, von fünf Nachwuchstalenten bekam nur Ulrich Sude einen Vertrag. Und der wurde ja später sogar der langjährige Gladbacher Stammkeeper.

Wie groß war Ihre Enttäuschung über die Ablehnung?

Die hielt sich in Grenzen. Immerhin durfte ich als Junge vom Dorf mit meinen Idolen eine Einheit zusammen auf dem Platz stehen und den großen Udo Lattek aus der Nähe erleben. Leider hat er aber kaum etwas gesagt, sondern seinen Co-Trainer das Training leiten lassen (lacht).

Also konzentrierten Sie sich wieder auf Lohne?

Das wollte ich eigentlich. Aber vier Wochen später flatterte mir ein Angebot von Kickers Offenbach ins Haus. Die spielten zu der Zeit ja ebenfalls Bundesliga und hatten in Zlatko „Tschik“ Cajkovski, den ehemaligen Bayern-Meistermacher, auch einen namhaften Trainer. Und der wollte mich nach dem Probetraining sogar haben.

Bild aus seiner Trainerzeit beim VfL Oythe: Ein nachdenklicher Dietmar („Dietzi“) Schlärmann.

Ihnen lag tatsächlich ein Profivertrag vor?

Ja, ich hätte in Offenbach anfangen können. Aber ich musste ablehnen.

Warum schlägt ein Spieler denn so eine Chance aus?

(Schmunzelt) Der Liebe wegen. Ich war gerade mit meiner heutigen Frau zusammen gekommen und wollte die Beziehung einfach nicht aufs Spiel setzen. Ansonsten wäre ich wohl auch nicht glücklich 40 Jahre verheiratet.

Haben Sie diese Entscheidung jemals bereut?

Zu keiner Sekunde. Ich würde es immer wieder so machen. Außerdem gab es noch einen zweiten triftigen Grund für die Absage.

Welchen denn?

Ich hatte just meine kaufmännische Ausbildung begonnen und hätte die dann abbrechen und alles auf die Karte Fußball setzen müssen. Das war mir einfach zu riskant. Wer weiß denn, ob mir in der Bundesliga der Durchbruch geglückt wäre? So befand ich mich auf der sicheren Seite.

Die Vorsicht überwog demnach?

Oder die Vernunft. Und so kann ich auf 15 wunderschöne Jahre bei meinem Lieblingsclub zurückblicken. Ich bin mit Lohne Verbandsliga-Meister geworden, habe oft vor mehreren tausend Zuschauern gekickt und wäre mit Blau-Weiß sogar fast in die Oberliga aufgestiegen. Es war eine tolle Zeit, ehe ich aufgrund von Knieproblemen meine Karriere beenden musste.

War damit das Kapitel Lohne für Sie abgeschlossen?

Nur für kurze Zeit. Dann begann meine zweite Karriere als Trainer. Erst wollte ich nur meinen Sohn trainieren, aber dann wurde es immer mehr. Erst habe ich die Kreisauswahl gecoacht, und dann hatte Lohne plötzlich 2001 Bedarf in der Landesliga-Ersten. Es ging um den Klassenerhalt.

Bei Ihrer alten Liebe konnten Sie wohl kaum ablehnen . . .

Richtig. Zum Glück konnte ich Lohne auch retten und hatte so drei schöne Landesliga-Jahre mit Blau-Weiß, ehe die Anfrage vom Barnstorfer SV kam.

Damals im Kreis noch eine richtig gute Adresse?

Sogar eine der besten. In Barnstorf hatte ich meine tollste Zeit als Trainer. Es waren fünf überragende Jahre. 2004 sind wir als Bezirksliga-Meister gleich in die Landesliga aufgestiegen und haben uns dort etabliert. Aber ich denke nicht nur wegen des sportlichen Erfolgs gern an Barnstorf zurück.

Weshalb noch?

Beim Barnstorfer SV ging es unheimlich familiär zu. Das Umfeld war toll, und auf den Vorstand konnte ich mich immer verlassen. Und ich durfte super Jungs wie Sascha Franz, Kai Pankow oder Timo Nowak trainieren. Es passte alles.

Bis 2008 Barnstorf langsam für viele Jahre in der Versenkung verschwand . . .

Leider ja. Zum Glück sieht es ja heute beim BSV wieder viel besser aus.

Hatten Sie die Barnstorfer Abwärtsspirale noch als Trainer mitbegleitet?

Nein. Da hatte ich schon ein Angebot des VfL Oythe angenommen und bin dann dort 2009 als Landesliga-Meister mit dem VfL in die Oberliga aufgestiegen. An das Jahr erinnere ich mich auch noch bestens. Besonders an die heißen Duelle gegen Meppen oder Atlas Delmenhorst.

2010 kam dann aber die Trennung?

Ja. Wir hatten uns in der Oberliga zwar prima verkauft, sind aber knapp abgestiegen. Danach wollte der Vorstand einfach einen neuen Impuls auf der Trainerbank. Das gehört halt zum Geschäft dazu.

War das der Zeitpunkt für Ihren endgültigen Schlussstrich als Trainer?

Zunächst nicht. Eigentlich wollte ich nach einer kleinen Auszeit wieder anfangen, aber nach und nach fehlte mir der Trainerjob immer weniger. Außerdem hatte meine Frau zuvor derart oft zurückgesteckt, dass sie jetzt einfach mal an der Reihe war. Endlich konnten wir öfter im Jahr verreisen, und ich war nicht das ganze Wochenende wegen Fußball unterwegs.

Sie konnten also loslassen?

Am Anfang fiel mir das tatsächlich nicht so leicht. Aber mittlerweile genieße ich die freie Zeit und meine Unabhängigkeit.

Zum Schluss noch eine Frage zur heutigen Trainergeneration. Wie bewertet ein alter Hase wie Sie deren Arbeit?

Ich finde die Entwicklung phänomenal. Nahezu jeder junge Trainer ist taktisch überragend und bildet sich ständig weiter. Davor ziehe ich wirklich den Hut.

Steckbrief

Name: Dietmar Schlärmann

Alter: 63 Jahre

Wohnort: Lohne

Beruf: Kaufmännischer Angestellter

Größte sportliche Erfolge: Verbandsliga-Meister und Aufstiegsspiele zur Oberliga mit Lohne (als Spieler); Bezirksliga-Meister mit Barnstorf und Landesliga-Meister mit Oythe (als Trainer).

Vereine: BW Lohne (als Spieler); BW Lohne, Barnstorfer SV, VfL Oythe (als Trainer).

Privates: Verheiratet, zwei Kinder

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