Tischtennis mit Umwegen

TSV Bassum: Horst Schulze spielt seine Gegner auch mit 80 noch an die Wand

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Mehr als ein Hobby: Neben seiner Tätigkeit als Spieler für den TSV Bassum war Horst Schulze auch als Schiedsrichter aktiv, unter anderem bei der WM 1969 in München.

Bassum - Von Nicolas Tréboute. 80 Jahre ist ein stolzes Alter – manch einer würde es schon als Erfolg bezeichnen, dieses überhaupt erreicht zu haben. Nicht so Horst Schulze: Der feiert noch Aufstiege –  als aktiver Tischtennisspieler des TSV Bassum.

Mit einer Bilanz von 8:0 Siegen in der Rückserie trug der Senior dazu bei, dass die sechste Mannschaft der Bassumer die 3. Kreisklasse Nord als Tabellenerster abschloss.

Auch wenn diese Division nicht mit den talentiertesten Akteuren bestückt ist, ist die Leistung von Schulze alle Ehren wert. Schließlich sind dort oftmals Spieler unterwegs, die gerade erst die Volljährigkeit erreicht haben und daher im Normalfall schneller und physisch stärker als Schulze sind. 

Was der Bassumer diesen voraus hat? „Ich bin halt ein Allrounder – ich kann alles, nur nicht gut“, erläutert der 80-Jährige selbstironisch: „Außerdem bin ich noch einigermaßen beweglich und habe natürlich eine gewisse Routine.“

Schulze kam nur durch Zufall zum Plattensport

Die hat er zweifelsohne. Seit 1952 steht Schulze inzwischen an der Tischtennisplatte. Liebe auf den ersten Blick war die Sportart nicht. „Damals wollten alle Fußball spielen, ich auch. Aber meine Eltern konnten sich die Schuhe für mich nicht leisten.“ Schulze probierte es zunächst mit Handball, brach sich dabei aber einen Finger. Fortan widmete er sich dem kleinen Zelluloid-Ball.

Bis auf eine einjährige Unterbrechung hat der zweifache Vater dabei immer für den TSV Bassum seinen Mann gestanden und kennt daher den Verein aus dem Effeff. „Ich habe hier schon alles gemacht“, bringt er es auf den Punkt. 

Aktuell ist Schulze Mitglied des TSV-Ehrenrates sowie stellvertretender Mannschaftsführer der sechsten Mannschaft. Dort hat er zusammen mit seinem 74-jährigen Teamkameraden Herman Stolle ein gemeinsames Ziel: „Wir wollen den Nachwuchs fördern und die jungen Spieler langsam an den Herrenbereich heranführen.“

Altersunterschiede sind kein Problem im Team

Das funktionierte in der abgelaufenen Saison hervorragend – die zwei Senioren und ihre „drei Lehrlinge“ (zwischen 18 und 20 Jahren) machten den Aufstieg in die 2. Kreisklasse perfekt. Der große Altersunterschied zwischen den Teammitgliedern sei dabei nie ein Problem gewesen. „Das sind ganz nette Jungs. Sie sprechen mich zwar manchmal mit ,Alter komm‘ an, aber damit kann ich gut umgehen.“

Ähnlich gut wie mit seinen Gegenspielern offenbar. Ungeschlagen (acht Siege) marschierte der Rentner in der Rückrunde durch die 3. Kreisklasse Nord – mit einem simplen Rezept. „Wenn ich gemerkt habe, dass der Gegner einen besonders guten Schlag hat, habe ich die Seite einfach nicht mehr angespielt.“ 

Diese Taktik verhinderte aber nicht seine verheerende Bilanz im Doppel (0:4). „Das lag natürlich immer an meinem Partner“, feixt Schulze.

Über 30 Jahre lang war er als Schiedsrichter aktiv

Zwar kam er als aktiver Sportler nicht über die zweite Verbandsklasse hinaus („als Ersatzspieler“), dafür aber als Spielleiter zu hohen Meriten. „Ich war bis 2001 Internationaler Schiedsrichter“, berichtet Schulze nicht ohne Stolz – schließlich ist dies die höchste Qualifikationsstufe. 1969 war der Bassumer in dieser Funktion sogar bei der Weltmeisterschaft in München.

Auch hat der Tischtennis-Liebhaber durch sein Hobby viel von der Welt gesehen. Bei Turnieren in der Schweiz, in Österreich und in England verfolgte er als Unparteiischer, wie sich die Stars der Szene die Bälle um die Ohren schlugen. „Timo Boll habe ich sogar schon spielen gesehen als er noch so klein war“, berichtet Schulze und hält die rechte Hand dabei an seine Brust.

Schulzes Kinder und Enkel spielen auch Tischtennis

Das letzte große Turnier, bei dem Schulze mit dabei war, waren die German Open in Bremen 2001. „Dann ist mir der Sport zu kommerziell geworden“, kritisiert der gelernte Zimmermann. 

Die Liebe ist dennoch geblieben – und Schulze hat sie weitergegeben. Sowohl seine zwei Söhne als auch zwei seiner drei Enkelkinder spielen aktiv Tischtennis. „Ich habe damals zu meinen Söhnen gesagt, sie sollen sich für eine Sportart entscheiden und nicht ständig hin und her wechseln. Am Ende haben sie sich für den richtigen Sport entschieden.“

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