Jetzt wollen Schiavones Aufsteiger auch die Kreismeisterschaft

Lemfördes starke Durchmarschierer

Da war es vollbracht: Faruk Gören und Bogdan Golgot (von links) jubelten nach dem 3:0 in Brockum mit Trainer David Schiavone (r.) über den Aufstieg ihres TuS Lemförde. - Foto: Borchardt

Lemförde - Von Cord Krüger. Spontane Partys sind oft die schönsten. Bestes Beispiel: die wohl längste dritte Halbzeit in der Geschichte des TuS Lemförde – doch der Kreisligist hatte am Samstag ja auch Historisches vollbracht.

Sein 3:0-Sieg beim TSV Brockum bedeutete den zweiten Aufstieg hintereinander, die Rückkehr in den Bezirk nach knapp zwei Jahrzehnten – und einen gut 26-stündigen Triumphzug vom Brockumer Vereinsheim über das Lemförder Clubhaus quer durch die Gastronomie der Gemeinde. „Erst am Sonntagabend gegen halb elf hat sich das Ganze endlich mal aufgelöst“, fasste Trainer David Schiavone den Marathon zusammen. Doch er nahm es seinen Kickern nicht krumm – weder den zeitweiligen Raubbau an ihrer Gesundheit noch die neue Frisur, die sie ihm per Kahlrasur verpassten.

Sicherheitshalber hatten die Hobby-Figaros zunächst Schiavones Frau Sandra mit der Schur beginnen lassen. „Ihr konnte er ja nicht böse sein, und danach durften fast alle mal ran“, berichtete Mittelfeld-Antreiber Oliver Zboron grinsend. Sein Coach nahm es locker: „Der Teamgeist stimmt eben.“ Und er ist zuversichtlich, dass die Stimmung auch in der Bezirksliga nicht kippt. „Natürlich müssen sich einige daran gewöhnen, mehrere Spiele hintereinander zu verlieren“, ahnt der 39-Jährige, der den TuS in der Vorsaison in die Kreisklasse und nun in die Kreisliga geführt hat: „In diesen zwei Jahren haben wir ja insgesamt nur vier Niederlagen kassiert. Aber bei uns gibt es noch genügend Ältere aus anderen Ligen, die den Jüngeren vermitteln, dass es nicht immer so weitergeht.“

Männer mit derlei höherklassiger Erfahrung machten auch in dieser Serie den Unterschied – angefangen bei Dan Zaharia. „Einen solchen Torhüter zu haben, war einer der Hauptgründe unseres Durchmarsches“, sagt sein Trainer über den einstigen Landesliga-Schlussmann der SG Diepholz: „Dan hat immer eine unheimliche Ruhe ausgestrahlt.“ In Verbindung mit Adrian Schleusner, Kapitän Daniel Agripino und Can Aslan in der sicheren Dreier-Abwehrkette ließ Lemförde so nur 29 Gegentore in den bisherigen 29 Spielen zu. „Dazu haben aber auch Oliver Zboron und Faruk Gören erheblich beigetragen“, lobt Schiavone – und zieht vor dem 39-jährigen Gören den Hut: „Unglaublich, welche Meter Faruk noch abspult.“ Den offensiveren Part in der Doppel-Sechs mit Gören übernimmt Mittelfeldmotor Zboron, vor zwei Jahren vom Weser-Ems-Bezirksligisten GW Mühlen zu seinem Heimatverein zurückgekehrt. „Das war damals schon eine Umstellung“, gesteht Zboron: „In der Kreisklasse und jetzt in der Kreisliga wird mehr gefoult – ob nun taktisch oder unabsichtlich. Ich hoffe mal, dass das jetzt in der Bezirksliga wieder weniger wird.“ Trotz dieser regelmäßigen Robustheit verpasste Zboron nur ein Spiel – und das nur berufsbedingt. „Ich habe Glück gehabt“, sagt der 31-Jährige dazu. Sein Trainer sieht es differenzierter: „Olli geht einfach immer voran, ist vor und neben dem Platz ein Vorbild. Er hat zwar nur zwei Tore geschossen, aber unzählige vorbereitet.“

Er trifft und trifft und trifft: Giovanni Esposito (l.) erzielte bisher 25 Saisontore für Lemförde. - Foto: Borchardt

Häufiger Nutznießer davon: Giovanni Esposito, im Sommer zum TuS zurückgekehrt, mit seinen knapp 36 Lenzen aktuell 25-facher und damit gefährlichster TuS-Torschütze hinter dem 35-jährigen Bogdan Golgot (13). „Um ihre Qualitäten beneiden uns viele“, weiß der Erfolgscoach, der bei Esposito auch einen charakterlichen Reifeprozess ausgemacht hat: „Unsere Mannschaft mit ihren verschiedensten Mentalitäten sieht sich regelmäßig Provokationen ausgesetzt – besonders Giovanni. Vor zehn Jahren wäre er pro Saison noch sechsmal vom Platz geflogen, heute stellt er seine Ohren auf Durchzug. Was er sich aber bewahrt hat, ist der unbedingte Wille, jedes Spiel zu gewinnen.“

Zboron, Gören, Esposito – alles altbekannte Namen in Lemförde. Und viele Jüngere stammen ebenfalls aus der TuS-Jugend – wie Schiavone, der hier bis zu den C-Junioren spielte, ehe ihn der Weg in Werder Bremens Fußball-Internat führte. Jetzt ist der Übungsleiter „stolz auf das, was die Jungs von hier geschafft haben“. Auch Zboron findet bemerkenswert, „wie viele von uns aus der Samtgemeinde kommen und was mit ihnen möglich war“. Jetzt freut er sich auf die neuen Gegner: „Wir werden um den Klassenerhalt kämpfen müssen, aber für mich sind die Spiele gegen den TSV Wetschen natürlich die Highlights“, gesteht sich der in Hüde wohnende Routinier. Schiavone hingegen fiebert den Duellen mit der SG Diepholz entgegen, für die er bis zu seinem Karriereende aufgelaufen war.

Vorher wollen die Lemförder aber feiern – nach dem letzten Heimspiel gegen den SV Dickel am Sonntag. Ein Punkt würde zur Meisterschaft reichen. „Für Dickel geht es natürlich noch um alles – um den Klassenerhalt. Aber wir wollen unserem Nachbarverein Brockum helfen, in der Kreisliga zu bleiben“, kündigt Zboron dem SVD einen heißen Tanz an. Anschließend steht dann Schiavones Co-Trainer Andreas Tubee die Schädel-Rasur bevor: „Er hat sich ja am Samstag geschickterweise in den Urlaub verabschiedet – aber das holen wir nach“, verspricht der Chefcoach.

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