Die vielen Talente des Juraj Sivulka / Der „Undercover-Doktor“ mag es bescheiden

Laufen, lesen, lehren aus Leidenschaft

Drei Leidenschaften auf einen Blick: Juraij Sivulka liebt das Laufen, das Lesen und das Schachspielen.
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Drei Leidenschaften auf einen Blick: Juraij Sivulka liebt das Laufen, das Lesen und das Schachspielen.

Wenn man Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Bescheidenheit, aber auch Redseligkeit und viele Talente in einer Person finden möchte – dann ist man bei Juraj Sivulka genau an der richtigen Stelle. Wir haben uns in seinem Haus in Barrien mit dem 52-Jährigen unterhalten, der sportlich momentan als Altersklassen-Läufer des LC Hansa Stuhr von sich reden macht.

Persönliches

Der am 6. April 1969 im slowakischen Stara Lubovna geborene Sivulka (er besitzt den slowakischen und den deutschen Pass) ist seit 2001 mit Cornelia Hipler verheiratet, die als Studiendirektorin am Syker Gymnasium arbeitet. Zur Familie gehören auch die Töchter Lara (19/Abiturientin) und Mira (17/absolviert gerade ein Austauschprogramm in Michigan/USA). Seit 2003 wohnen die Sivulkas in einem Einfamilienhaus in Barrien. „Das ist meiner Frau zu verdanken. Die hat sich drum gekümmert“, sagt Sivulka und schmunzelt.

Berufliches

Nach der Grundschulzeit machte Sivulka 1987 sein Abitur. Danach ging es zum Studium aus der Provinz in die Großstadt Bratislava (etwa 440 000 Einwohner). Sivulka belegte die Fächer Deutsch und Sport auf Lehramt. Und dann kam die Verbindung nach Norddeutschland: „Meine damalige Uni hat viel mit der Partnerstadt Bremen kooperiert. Ich bin daraufhin 1990 als Gaststudent in die Hansestadt gegangen – und wollte eigentlich nur ein Semester bleiben. Daraus sind jetzt mehr als 30 Jahre geworden . . .“

Seinen Abschluss machte Sivulka im Jahre 1996 und erklärt auch, warum er so lange dafür gebraucht hat: „In Deutschland wurden mir meine Deutsch-Scheine nicht anerkannt. Da musste ich komplett von vorn anfangben.“ Es folgte 1998 ein Referendariat in Bremen am Hermann-Böse-Gymnasium.

Zudem machte Sivulka 2005 seinen Doktor der Sportwissenschaften, wobei er diesen Titel nach außen hin nie oder kaum erwähnt: „Das ist mir in meiner Außendarstellung nicht so wichtig.“ Bescheidenheit eben.

Während dieser Zeit hielt sich der Doktorant mit verschiedenen, zeitlich begrenzren, Jobs im Fach Sport an diversen Schulen finanziell über Wasser, ehe 2003 die erste Festanstellung als Lehrer für Deutsch und Sport an der Hauptschule in Syke erfolgte. Dafür war er eigentlich überqualifiziert, „aber ich hatte von der Schulbehörde die Zusage bekommen, dass ich auf eine andere Schule in der Umgebung wechseln könnte, wenn etwas frei werden würde“.

Das war 2006 der Fall, denn dann ging es ans Gymnasium nach Bruchhausen-Vilsen. 2013 wechselte er in den Nordkreis an die Gesamtschule in Stuhr-Moordeich, wo Sivulka immer noch tätig ist. Über seine Fächer Deutsch und Sport hinaus brachte er sich auch als Gründer der Schach-AG ein und schaffte mit ausgewählten Schülern dreimal den Sprung nach Berlin zum Finale für „Jugend trainert für Olympia“ in Sachen Leichtathletik. An diese Zeit denkt der umtriebige Lehrer noch gern zurück: „Damals hatten wir wirklich gute Athleten in den Klassen. Momentan sieht das eher nicht so gut aus.“

Sportliches

Als Kind probierte Sivulka Fußball, Skilanglauf, Volleyball oder auch Leichtathletik aus und sagt von sich selbst: „Ich war kein begabter Läufer, dafür aber sehr fleißig.“ Erst mit 21 Jahren legte er in der Leichtathletik so richtig los und hielt bis 2018 immerhin den Bremer Landesrekord im Halbmarathon (1:08,16 Stunden), den ihm dann Ex-Hansa-Läufer Sebastian Kohlwes abnahm. Sivulka war in dieser Zeit sogar Mitglied des slowakischen B-Kaders und hätte auch an einer WM teilnehmen können: „Doch der Verband hat andere vorgezogen, die in der Slowakei lebten, aber schlechtere Zeiten gelaufen sind.“

Bereits 28-mal absolvierte Juraj Sivulka den 74 Kilometer langen Rennsteig Super-Marathon.

Danach legte der Langstrecken-Spezialist, der bereits 28-mal den 74 Kilometer langen Rennsteig Super-Marathon in Eisenach absolviert hat, eine Wettkampfpause ein. Die dauerte bis ins Jahr 2020: „Da war der erste Corona-Lockdown, und ich habe wieder mit dem Laufen angefangen. Und dann hat mich Hansas Spartenleiter Berthold Buchwald einfach mal für einen 1 500-Meter-Lauf in Delmenhorst angemeldet.“

Sivulka schnitt erstaunlich gut ab, leckte Blut, blieb als Altersklassen-Läufer dabei und sicherte sich noch im selben Jahr mit 4:46,64 Minuten über diese Strecke Bronze bei den Landesmeisterschaften.

Weitere Hobbys

Der Sport-Tausendsassa spielte Schach im Ligenbetrieb für den TuS Syke und den TuS Varrel. Zudem leitete er 15 Jahre lang (2000 bis 2015) die Lauf-Akademie Bremen, um Athleten für den Marathon vorzubereiten. Mit diesen Sportlern ging es dann zu Läufen zum Beispiel nach Berlin, Rom, Paris, Stockholm, Prag, Wien oder nach Mallorca. Von 2014 bis 2019 war er zudem als Schwimmer für die SG Syke/Barrien (Speziallage Kraul/meistens über 400 Meter) aktiv.

Er liebt den Skilanglauf, aber ohne Schnee ist Juraj Sivulka auch schon mal mit Rollerski in Barrien und Umgebung auf Achse.

Eine weitere große Leidenschaft Sivulkas gehört der Literatur: „Das fing damit an, dass ich sechs Biografien über Napoleon gelesen habe.“ In seiner Beliebtheitsskala stehen mittlerweile die deutschen Klassiker Fontane, Rilke oder Hölderlin ganz hoch im Kurs.

Im Jahr 2000 folgte die erste öffentliche Lesung: Im Stuhrer Rathaus trug Sivulka dabei romantische Gedichte aus der eigenen Feder vor. Begleitet wurde er dabei am Klavier von seinem ehemaligen Schüler Friedrich zur Heide. Mittlerweile hat Sivulka sogar zwei eigene Gedichtbände verfasst. Bei den Lesungen sind auch oft seine Töchter Lara und Mira dabei. Lara hat sogar schon eigene Gedichte veröffentlicht – auf englisch. „Darauf bin ich als Vater natürlich stolz.“

Auch für Werder Bremen ging Juraj Sivulka an den Start. Ab und an war dabei der ehemalige Cross-Europameister Jürgen Wrieden sein Edel-Tempomacher.

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