TRAINER-ABSCHIEDE Stuhrs Christian Meyer macht Pause und ist etwas betrübt

Lastenfahrrad statt Wasserkiste

Christian Meyer sitzt auf seinem Lastenfahrrad im Garten.
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Sein neues Hobby: Anfang April hat sich Christian Meyer ein Lastenfahrrad mit Elektro-Unterstützung zugelegt. Damit kann er nun seinen dreijährigen Sohn kutschieren – auch an den Wochenenden, zumal der 40-Jährige nicht mehr als Coach am Rande der Fußballplätze stehen wird.

Aufstieg und Abstieg: Christian Meyer hat in seiner elfjährigen Trainerzeit beim Fußball-Bezirksligisten TV Stuhr einiges erlebt. Jetzt legt der 40-Jährige aber erst einmal eine Pause ein.

Stuhr – Christian Meyer sitzt im Homeoffice auf dem kürzlich ausgebauten Dachboden und schmunzelt. „Am Samstagabend“, erzählt der Noch-Trainer des Fußball-Bezirksligisten TV Stuhr, „hatte ich einen Anruf in Abwesenheit. Vielleicht war es ja Frank Baumann. Dann hätte ich meine Chance, Werder-Trainer zu werden, leider verpasst.“ Auf der kurzen Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Florian Kohfeldt haben der Bremer Bundesligist und dessen Sportchef in Club-Legende Thomas Schaaf schnell einen Nachfolger für den alles entscheidenden Saison-Endspurt gefunden.

Und Meyer? Der macht erst mal Pause vom Trainergeschäft. Zur Saison 2010/2011 hatte der 40-Jährige, der am Spielfeldrand gerne mal auf einer Wasserkiste saß, den TVS übernommen. Als sein größter Erfolg in elf Jahren darf 2018 der Aufstieg in die Landesliga gewertet werden – auch wenn es direkt wieder runterging. Wegen der Corona-Pandemie und der inzwischen erneut abgebrochenen Spielzeit haben er und sein Trainer-Partner Stephan Stindt (macht weiter) ihre Mannschaft seit Monaten nicht gesehen.

Das beschert Meyer – zunächst einmal – einen Abschied im Stillen. Wie er das sieht und was er sich diesbezüglich wünscht, verrät der Stuhrer Coach im Gespräch. Einigen seiner Trainerkollegen in der Bezirksliga ergeht es übrigens gerade ähnlich. Auch sie verlassen ihre Mannschaften nach längerer Zeit – und sie werden in weiteren Teilen dieser kurzen Trainer-Serie ebenfalls zu Wort kommen.

Wie schwer fällt es Ihnen, von Ihrer Mannschaft wegzugehen?

Der Verein und die Mannschaft sind mir nach einer so langen Zeit natürlich ans Herz gewachsen. Und ich habe mich mit der Entscheidung deshalb sehr schwer getan – aber es fühlt sich nach wie vor richtig an.

Wie hätte Ihr perfekter Abschied ausgesehen?

Ein Punktspiel bei uns auf der Anlage – und dann ab ins Vereinsheim. Mit viel Spaß und Fachsimpeleien. Hier ein Schnack, da ein Schnack. Das wäre toll gewesen.

Und wie ist die aktuelle Situation für Sie stattdessen?

Es hat noch keinen Abschied gegeben, ich habe die Mannschaft ja seit Monaten nicht mehr gesehen. So ist leider schon ein gewisser Abstand entstanden.

Wann und wie wird eine Feier im Mannschaftskreis nachgeholt?

Mal gucken, wann wir wieder trainieren dürfen – und ob ich dann noch mal mit Trainingsklamotten herkomme und auf dem Platz stehe oder nicht. Das werde ich dann, wenn es soweit ist, mit Stephan besprechen. Vielleicht machen wir den Abschied dann auch im Rahmen der Vorbereitung oder des Trainingslagers. Ich gehe auch einfach mal davon aus, dass es noch eine offizielle Verabschiedung vom Verein geben wird.

Was geben Sie zum Ausstand aus?

Puh, das sehen wir dann. Eine Runde Getränke auf jeden Fall – wobei: Mit einer Kiste Bier kommt man heutzutage auch nicht mehr weit (schmunzelt). Da muss ich mir vielleicht noch etwas anderes überlegen. Eventuell auch noch ein paar Bratwürste oder so.

Wie fühlt es sich an, die Mannschaft sozusagen ganz leise und durch die Hintertür verlassen zu haben?

Irgendwie merkwürdig. Man kann schon sagen: So soll ein Abschied bitteschön nicht sein – dass es eben einfach so auseinanderläuft mit der Mannschaft. Es fühlt sich komisch und nicht richtig an, ist ein bisschen traurig und enttäuschend – und sicher kein Traumabschied. Nicht, weil ich unbedingt noch mal im Mittelpunkt stehen will. Ich hätte mich einfach gerne persönlich bei vielen Leuten, auch im Umfeld, bedankt, die in den Jahren immer zu mir gestanden haben.

Wir haben wirklich einen engen Kontakt. Wobei die Basis immer der Fußball war – und ich hoffe, das schläft jetzt nicht ein. Dafür müssen wir einiges tun. Mit Stephan habe ich, glaube ich, öfter telefoniert als mit meinen besten Freunden.

Stuhrs Coach Christian Meyer über seinen Trainerpartner Stephan Stindt, den er einst beim TuS Varrel kennenlernte.

Wie ist aktuell der Kontakt zur Mannschaft? Wird noch irgendwie trainiert?

Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit Trainern und eine ohne. In der mit Stephan und mir ist es aktuell sehr ruhig. Sparflamme sozusagen. Und wir haben uns schon vor längerer Zeit entschieden, kein Training zu zweit machen zu wollen.

Wie sieht Ihre Zukunft ohne Trainerjob aus? Sind Sie offen für Neues, machen Sie eine Pause oder hören Sie vielleicht sogar ganz auf?

Es gab zwei, drei lose Kontakte zu anderen Vereinen. Und ich freue mich natürlich, dass die Leute an mich denken. Aber aktuell stehe ich zu meiner Entscheidung, erst mal eine Pause einzulegen – nach so langem Dasein an der Seitenlinie. Aber ich will auch nicht sagen, dass meine Trainerkarriere nun mit 40 Jahren beendet ist. Mal gucken, wie es sich entwickelt – und wie sehr ich den Job vermisse oder eben nicht, wenn ich mal wieder auf einem Fußballplatz bin.

Wie vertreiben Sie sich die fußballlose Zeit?

Wir haben Anfang April neue Fahrräder für die Familie angeschafft. Ein normales E-Bike und ein Lastenfahrrad mit Elektro-Unterstützung. Da kommt unser dreijähriger Sohn rein. Unsere achtjährige Tochter fährt alleine und ist die einzige ohne E-Bike – das hat sie auch schon rausgekriegt . . . Eigentlich wollten wir richtig viel fahren, aber zuletzt war das Wetter leider sehr durchwachsen. Und wir haben einen kleinen Garten – da gibt es auch immer etwas zu tun.

Mein schönster Moment: Der unvergessliche Abend vor dem Vatertag

Christian Meyer nennt gleich zwei ganz besondere Ereignisse in seiner Amtszeit als Trainer des TV Stuhr: „Die schönsten Momente waren definitiv die beiden Aufstiege. Direkt in der ersten Saison von der Kreisliga in die Bezirksliga – und dann später in die Landesliga. Beide waren besonders.“ Beim Sprung in die Bezirksliga „hatte uns keiner auf dem Zettel. Meine erste Saison als Trainer hier, „viele junge Talente im ersten Herrenjahr, aber mit enormem Potenzial. Am Ende war es einfach eine starke Teamleistung.“ Der Landesliga-Aufstieg war für den 40-Jährigen „das Ergebnis jahrelanger kontinuierlicher Arbeit auf hohem Niveau. Speziell das Spiel gegen Hoya, wo wir Meister wurden, bleibt mir in bester Erinnerung. 500 Zuschauer bei uns in Stuhr, perfekte Rahmenbedingungen, super Wetter – und das Ganze auch noch am Abend vor dem Vatertag.“

Der 9. Mai 2018: Mit einem satten 7:0 gegen die SG Hoya macht der TV Stuhr auf eigenem Kunstrasen den Aufstieg in die Landesliga perfekt – für Coach Christian Meyer (ganz rechts) ein unvergesslicher Moment.
Viel mehr als ein Wasserträger: Mit Trainerkollege Stephan Stindt (links) feierte Christian Meyer beim TV Stuhr große Erfolge. Auf dem Plastikkasten nahm er an der Seitenlinie öfter Platz.

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