Landes-Vizepräsident Topp wirbt fürs Schwimmen und ärgert sich über Fußball

„Dafür braucht man Wasser, und Wasser ist knapp“

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Falls Sven Topp aus beruflichen Gründen mal eine WM-Entscheidung im Fernsehen verpasst hat, dann wird das auf dem Tablet im Internet nachgeholt – und Tochter Jasmin schaut ihm dabei als Schwimmerin gerne über die Schulter.

Syke - Von Björn Knips. Abendbesuch bei Sven Topp in Syke. Der Fernseher läuft, zeigt aber keine Schwimm-WM. Ist das wirklich das Haus des Vizepräsidenten des Landes-Schwimmverbandes Niedersachsen (LSN)? Topp lacht: „Die Übertragung ist doch schon vorbei.“ Selbstverständlich hat er geguckt. Dieser Sport im Wasser fasziniert ihn seit über 30 Jahren, aber er bereitet ihm auch zusehends Sorgen, „weil Schwimmbäder schließen und der Fußball alles erdrückt“.

Topp nimmt da auch überhaupt keine Rücksicht auf seinen Gast und klagt an: „Von jedem Fußball-Kreisliga-Spiel steht mehr in der Zeitung als von einer Deutschen Meisterschaft im Schwimmen. Und im Fernsehen gibt es auch nur noch Fußball – bis zur vierten Liga runter.“ Ist der 47-Jährige etwa ein Fußball-Hasser? „Ganz sicher nicht“, sagt er und zieht einen Trumpf aus dem Ärmel: „Ich habe schon ewig eine Dauerkarte bei Werder. Ich bin nicht nur Wasser, ich bin auch Fußball.“

Aber bei den kickenden Profis ist er nur Zuschauer, beim Schwimmen viel, viel mehr: Vizepräsident beim LSN mit 60000 Mitgliedern, 2. Vorsitzender des Bezirksverbandes Lüneburg, nationaler Kampfrichter, Trainer beim TSV Achim und der Papa am Beckenrand seiner bei der SG Syke/Barrien schwimmenden Tochter Jasmin. Drei Mal die Woche trainiert die Zehnjährige. Und an ihrem Beispiel beschreibt Topp ein weiteres Dilemma seines Sports. Selbst wenn Jasmin wollte, sie könnte nicht viel öfter schwimmen. , sagt Topp ein bisschen scherzhaft. Zeiten in Schwimmbädern sind heiß begehrt. Denn es gibt gerade in kleinen Städten und Gemeinden wie im Landkreis Diep-holz viel zu wenig Schwimmbäder. Und es werden noch weniger. In Barrien droht die Schließung des Lehrschwimmbeckens. „Das wäre so traurig“, sagt Topp: „Es geht da nicht nur um den Leistungs- und den Breitensport. Dort lernen viele Kinder überhaupt erst schwimmen – und für Behinderte ist dieses Bad eine sehr gute Möglichkeit, sich zu bewegen.“

Andererseits kann der 47-Jährige die Kommunen ein Stück weit auch verstehen. „Sie müssen sparen“, sagt Topp. Mit Finanzen kennt er sich aus, er ist Controller bei einem Bremer Handelsunternehmen und kümmert sich auch

Der Traum von der

WM-Teilnahme

beim LSN ums Geld. Jahrelang sei aus Kostengründen wenig bis gar nichts in die Bäder investiert worden. „Nun gibt es einen Investitionsstau – und da wird dann auch die Frage gestellt, ob das noch Sinn macht“, erklärt Topp und warnt: „Das ist ein echtes Problem für den Schwimmsport.“ Deshalb bietet der LSN seine Hilfe an und hält in Präsident Wolfgang Hein als Architekt von Schwimmbädern einen Experten bereit. „Es geht darum, den Bestand zu schützen und zu pflegen – und vielleicht kriegen wir ja irgendwann sogar mal etwas Neues hin“, träumt Topp.

Es ist nicht sein einziger Traum. Und dazu gehört eine schöne Sportlergeschichte. Erst im Alter von 15 Jahren kam Topp zum echten Schwimmen, „weil ich bei Jugend trainiert für Olympia den norddeutschen Meister geschlagen habe“. Michael Groß wurde sein Vorbild. „Doch ich war nicht so groß“, verweist Topp lachend auf seine 1,73 Meter. Der Albatros war mal eben 30 Zentimeter länger. Deswegen war für Topp die Qualifikation für die Landesmeisterschaften das Größte, aber nicht das Ende seiner Leidenschaft.

Mit 17 wurde er Hilfstrainer, ein Jahr später nach einer Ausbildung echter Trainer. Irgendwann kam der Kampfrichter dazu, erst bei kleinen Wettkämpfen, inzwischen sogar als Hauptschiedsrichter bei den jährlichen Deutschen Meisterschaften in Berlin. Und es wäre ein Traum für ihn, wenn er auch mal international ran dürfte – am besten bei einer WM. „Ich würde mich freuen, aber das kann man nicht beeinflussen, da muss man vorgeschlagen werden.“ Bis dahin schaut er die WM eben nur im Fernsehen – wie in diesen Tagen live aus Kasan.

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